
Straße von Hormus: Warum die vermeintliche Entlastung der Lieferketten auf Sand gebaut ist
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe – allerdings diesmal im positiven Sinne. US-Präsident Donald Trump verkündete am frühen Mittwochmorgen, dass die Straße von Hormus im Rahmen einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wieder geöffnet werde. Die Märkte reagierten euphorisch, der Dax schoss zeitweise um fünf Prozent nach oben, Öl- und Gaspreise brachen ein. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Diese vermeintliche Entspannung könnte sich als trügerische Fata Morgana entpuppen.
800 Schiffe im Stau – und niemand traut sich durch
Die nackten Zahlen sind beeindruckend und erschreckend zugleich. Rund 800 Schiffe sitzen derzeit im Persischen Golf fest, darunter 426 Tanker für Rohöl und Ölprodukte. Acht Prozent der weltweiten Flotte an Supertankern sind betroffen. 300 Millionen Barrel Öl gelten als blockiert. Vor dem Krieg passierten täglich etwa 17 Millionen Barrel diese strategisch bedeutsamste Wasserstraße der Welt. Hinzu kommen 34 Flüssiggastanker und 19 Flüssigerdgastanker, die ebenfalls festsitzen.
Doch trotz Trumps vollmundiger Ankündigung einer „vollständigen, sofortigen und sicheren Öffnung" zeigen die Schiffsverfolgungsdienste ein ernüchterndes Bild: Von einer signifikanten Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs kann bislang keine Rede sein. Das erste Schiff, das nach der Ankündigung die Meerenge passierte, war ausgerechnet ein zuvor von den USA sanktionierter Tanker. Bezeichnend.
Versicherer als wahre Herrscher über die Meerenge
Der eigentliche Flaschenhals liegt nicht in der 55 Kilometer breiten Wasserstraße selbst, sondern in den Büros der Versicherungskonzerne. Die großen Assekuranzen – Gard, Skuld, North Standard, der London P&I Club und der American Club – hatten kurz nach Kriegsausbruch ihre Deckung für die Region zurückgezogen. Ohne Versicherung können Schiffe schlicht nicht fahren. Selbst wenn die Route formal wieder offen ist, bleibt die Ladung am Kai.
Neil Roberts von der Lloyd's Market Association brachte es auf den Punkt: Ob es sich um eine vorübergehende Pause oder einen dauerhaften Frieden handele, werde sich erst zeigen. Bis dahin sei es „höchst unwahrscheinlich", dass der Handel in den Golf einfach wieder aufgenommen werde. Ein Brancheninsider berichtete sogar, dass sich manche Versicherer bereits vollständig aus der Region zurückzögen. Ohne Versicherungsschutz keine Schifffahrt – so einfach und so brutal ist die Realität.
Reedereien üben sich in vorsichtiger Zurückhaltung
Die großen Reedereien reagieren mit jener Skepsis, die in solchen Situationen angebracht ist. Hapag-Lloyd, Deutschlands größte Reederei, hat sechs Schiffe im Persischen Golf festsitzen. Konzernchef Rolf Habben Jansen äußerte die Hoffnung, Schiffe und Crews möglichst bald aus der Region herauszubekommen, musste aber einräumen, dass die Schifffahrt derzeit noch stark beeinträchtigt sei. Die durch Umleitungen entstehenden Kosten würden an die Kunden weitergegeben – eine Nachricht, die den ohnehin gebeutelten deutschen Verbraucher kaum erfreuen dürfte.
Auch der dänische Konkurrent Maersk will den Normalbetrieb vorerst nicht wieder aufnehmen. Man verfolge einen „vorsichtigen Ansatz". Die Waffenruhe schaffe zwar Möglichkeiten, biete aber „noch keine vollständige Sicherheit für die Seefahrt". Niels Rasmussen, Chefanalyst bei der maritimen Beratungsfirma Bimco, bezweifelte gar, dass es zu einem nennenswerten Zustrom von Schiffen in den Persischen Golf kommen werde – zu groß sei die Angst, nach Ablauf des zweiwöchigen Zeitfensters erneut eingeschlossen zu werden.
Zerstörte Infrastruktur: Das eigentliche Problem
Selbst wenn alle Schiffe morgen freie Fahrt hätten, bliebe ein fundamentales Problem bestehen: Die iranischen Bombardements haben erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur der Golfstaaten verursacht. In Katar wurde eine gigantische Gasversorgungsanlage zerstört. Energieexperte Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS stellte die berechtigte Frage, ob es sich für Katar überhaupt lohne, auf Basis einer bloß zweiwöchigen Waffenruhe die Gas-Exportanlagen wieder hochzufahren – ein Prozess, der mehrere Wochen dauere. Beim Öl sehe die Lage besser aus, da die Anlagen unmittelbar wieder geöffnet werden könnten.
Auch die Luftfahrt leidet massiv. Willie Walsh, Generaldirektor des weltweiten Airline-Verbandes IATA, warnte vor überzogenen Erwartungen. Es werde Monate dauern, die Kerosinversorgung aus dem Nahen Osten wiederherzustellen. Iranische Angriffe hätten wichtige Raffinerien teilweise zerstört. An ersten Flughäfen in Asien wurde bereits das Kerosin knapp, in Italien legten einige Flughäfen sogar Maximalmengen fürs Tanken fest. Die Ticketpreise dürften also vorerst hoch bleiben.
Trumps Verhandlungsgeschick – oder doch nur ein Pyrrhussieg?
Man muss Donald Trump zugutehalten, dass er überhaupt Verhandlungen mit dem Iran zustande gebracht hat. Ein „Zehn-Punkte-Vorschlag" des Iran liege vor, den der US-Präsident als „arbeitsfähige Vorlage" bezeichnete. Doch die Widersprüche sind offensichtlich: Während Trump von vollständiger Öffnung spricht, beruft sich der Iran auf „technische Grenzen" und verlangt, dass alle Durchfahrten „in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften" erfolgen müssten. Von möglichen Transitgebühren war ebenfalls die Rede – eine Forderung, deren Klärung noch aussteht.
Die Frage, die sich jeder nüchterne Beobachter stellen muss, lautet: Was passiert nach den zwei Wochen? Wird die Waffenruhe verlängert? Oder stehen wir dann wieder am Anfang, mit noch mehr Schiffen im Stau und noch höheren Preisen? Die zugrunde liegenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran bestehen fort, und die jüngste Eskalation im Nahost-Konflikt – Israels Angriffe auf iranische Atomanlagen und Irans Vergeltungsschläge – hat die geopolitische Lage in der Region auf ein Pulverfass gesetzt.
Was bedeutet das für Deutschland und Europa?
Für die deutsche Wirtschaft, die ohnehin unter den Folgen verfehlter Energiepolitik, explodierender Bürokratie und einer Regierung leidet, die mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen die nächsten Generationen belastet, kommt diese Krise zur denkbar ungünstigsten Zeit. Die europäischen Gas-Futures gaben zwar um 20 Prozent nach, der Ölpreis der Nordsee-Marke Brent sank um rund 12 Prozent – doch er liegt immer noch etwa ein Drittel höher als vor Kriegsbeginn. Von einer Rückkehr zur Normalität kann keine Rede sein.
Die Abhängigkeit Europas von Energieimporten durch geopolitisch instabile Nadelöhre wie die Straße von Hormus offenbart einmal mehr das strukturelle Versagen einer Politik, die jahrelang auf ideologiegetriebene Energiewende setzte, statt für Versorgungssicherheit zu sorgen. Wer Kernkraftwerke abschaltet und sich gleichzeitig von LNG-Importen aus Katar abhängig macht, darf sich über solche Verwundbarkeiten nicht wundern.
Edelmetalle als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten
In Zeiten geopolitischer Verwerfungen, fragiler Waffenruhen und volatiler Energiemärkte zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Stabilitätsanker im Portfolio. Während Aktienmärkte bei jeder Schlagzeile wild ausschlagen – fünf Prozent rauf, morgen vielleicht wieder runter – bieten Gold und Silber jene Beständigkeit, die in einer Welt der Unsicherheit zunehmend zum kostbarsten Gut wird. Wer sein Vermögen langfristig sichern will, sollte physische Edelmetalle als festen Bestandteil eines breit gestreuten Portfolios in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und Einschätzungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Jeder Anleger ist selbst dafür verantwortlich, eigene Recherchen durchzuführen und seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Eine Haftung für Verluste, die durch die Nutzung der in diesem Artikel enthaltenen Informationen entstehen, wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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