
Stellantis versenkt 27 Milliarden Dollar: Der bittere Preis der Elektro-Illusion
Was passiert, wenn ein Automobilkonzern jahrelang einer ideologisch getriebenen Zukunftsvision hinterherläuft, die sich als Luftschloss entpuppt? Die Antwort liefert Stellantis mit einem Paukenschlag, der die Börsen erschüttert: Satte 22,2 Milliarden Euro an Abschreibungen muss der italienisch-französisch-amerikanische Autobauer verbuchen – eine Summe, die mittlerweile den gesamten Börsenwert des Unternehmens übersteigt.
Der Absturz eines Giganten
Die Aktien des Konzerns, der aus der Fusion von Fiat Chrysler und dem Peugeot-Hersteller PSA hervorgegangen ist, stürzten am Freitag um bis zu 30 Prozent ab – auf den tiefsten Stand seit der Unternehmensgründung im Jahr 2021. Ein Desaster mit Ansage, möchte man meinen. Denn während die politische Klasse in Europa und Amerika jahrelang das Hohelied der Elektromobilität sang und Milliarden an Subventionen in diese Technologie pumpte, blieb die Realität der Verbraucher eine andere.
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Vollständig elektrische Fahrzeuge machten im vergangenen Jahr gerade einmal 19,5 Prozent der europäischen Verkäufe aus – weit unter den hochfliegenden Erwartungen. In den USA sieht es noch düsterer aus: Dort entfielen lediglich 7,7 Prozent der Neuwagenkäufe auf Elektrofahrzeuge.
Die Hybris des Carlos Tavares
Unter dem ehemaligen CEO Carlos Tavares, der Ende 2024 nach dem Einbruch der US-Verkäufe seinen Hut nehmen musste, hatte Stellantis ambitionierte Ziele verkündet: Bis 2030 sollten in Europa 100 Prozent und in den USA 50 Prozent der Verkäufe auf reine Elektrofahrzeuge entfallen. Diese Annahmen seien „zu optimistisch" gewesen, räumte der neue Konzernchef Antonio Filosa nun kleinlaut ein. Eine bemerkenswerte Untertreibung angesichts der Milliardenverluste.
„Was wir heute ankündigen, ist ein wichtiger strategischer Neustart unseres Geschäftsmodells, um die Kundenpräferenzen wieder in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen."
So formulierte es Filosa gegenüber Reportern. Übersetzt bedeutet das: Man hat jahrelang am Kunden vorbei produziert und muss nun die Scherben zusammenkehren.
Die Trump-Administration als Katalysator
Die Kehrtwende bei Stellantis reiht sich ein in eine Serie von Abschreibungen bei traditionellen Autoherstellern. Auch Ford und General Motors mussten bereits schmerzhafte Einschnitte vornehmen. Die Rücknahme von Subventionen durch die Trump-Administration und die schwächer als erwartete Nachfrage nach Elektrofahrzeugen haben den Konzernen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Stellantis ist dabei besonders verwundbar, da das Unternehmen stark von den margenstarken Verkäufen der Marken Jeep und Ram-Pickup-Trucks in den USA abhängt – einem Markt, in dem die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen besonders gedämpft ist.
Die Konsequenzen für Aktionäre
Die Abschreibungen werden zu einem Nettoverlust von 19 bis 21 Milliarden Euro im zweiten Halbjahr 2025 führen. Eine Dividende wird es in diesem Jahr nicht geben. Etwa 6,5 Milliarden Euro der Abschreibungen werden als Barzahlungen über vier Jahre ab 2026 verteilt. Für Anleger ein herber Schlag ins Kontor.
Qualitätsprobleme als Erbe der Kostensenkungen
Doch nicht nur die verfehlte Elektrostrategie belastet den Konzern. Die Abschreibungen spiegeln auch Qualitätsprobleme wider, die Filosa auf die Kostensenkungen unter Tavares zurückführte. Das Unternehmen sah sich gezwungen, weltweit 2.000 Ingenieure einzustellen, um die Mängel zu beheben. Hinzu kommen Reduzierungen in der Elektrofahrzeug-Lieferkette, überarbeitete Garantierückstellungen aufgrund mangelhafter Produktqualität und bereits angekündigte Stellenstreichungen in Europa.
Die chinesische Bedrohung
Russ Mould, Investmentdirektor bei AJ Bell, brachte es auf den Punkt: Die Abschreibung zeige, dass Stellantis „falsch eingeschätzt hat, wie schnell die Welt von Verbrennungsmotoren auf Elektroantrieb umsteigen würde". Doch er fügte eine unbequeme Frage hinzu: Der Erfolg chinesischer Rivalen werfe die Frage auf, ob die Frustration von Stellantis über die Elektroverkäufe mit Marktproblemen zusammenhänge – oder ob die Fahrer die Fahrzeuge schlicht nicht mögen.
Gartner-Analyst Pedro Pacheco warnte derweil vor einer Überreaktion: „Es gibt eine Überreaktion in Bezug auf die strategische Neuausrichtung. Sie müssen die Dinge richtig machen, denn ihr Überleben könnte davon abhängen."
Ein Lehrstück für die gesamte Branche
Der Fall Stellantis ist mehr als nur die Geschichte eines einzelnen Unternehmens. Er ist ein Lehrstück darüber, was geschieht, wenn Konzerne politischen Vorgaben und ideologischen Trends folgen, statt auf die tatsächlichen Bedürfnisse ihrer Kunden zu hören. Die westlichen Autobauer stehen vor ihrer größten Herausforderung seit der Erfindung des Automobils vor über einem Jahrhundert: Sie müssen Investitionen zwischen Elektrofahrzeugen und Benzinmodellen jonglieren, während sie gleichzeitig mit schnell wachsenden chinesischen Rivalen und höheren Handelsbarrieren konfrontiert sind.
Für 2026 prognostiziert Stellantis einen mittleren einstelligen Anstieg des Nettoumsatzes und eine niedrige einstellige bereinigte operative Gewinnmarge. Positive industrielle freie Cashflows werden erst für 2027 erwartet. Die endgültigen Ergebnisse für das zweite Halbjahr und das Gesamtjahr 2025 werden am 26. Februar veröffentlicht.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien und andere Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Jeder Anleger ist für seine eigenen Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen sowie eigene Recherchen durchführen. Die in diesem Artikel dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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