
Sprit-Schock auf der Insel: Briten-Inflation springt auf 3,5 Prozent!

In Großbritannien kennt die Teuerung derzeit nur eine Richtung. Wie das Statistikamt ONS am Mittwoch mitteilte, lagen die Verbraucherpreise im September 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das ist mehr als erwartet und der höchste Wert seit rund einem Jahr. Für die Bank of England ist eine Zinserhöhung im November damit so gut wie beschlossene Sache.
Die Zapfsäule treibt die Preise
Laut einer Reuters-Umfrage hatten Volkswirte mit 3,4 Prozent gerechnet. Die Realität lag darüber, wie schon in den Vormonaten: Im Juli waren es 2,9 Prozent, im August 3,1 Prozent. Drei Monate, drei Anstiege.
Haupttreiber ist der Sprit. Kraftstoffe kosteten 29,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Nach Angaben der ONS ist das die höchste Kraftstoff-Teuerung seit August 2022. Damals ließ der russische Großangriff auf die Ukraine die Energiepreise in die Höhe schnellen. Medienberichten zufolge kostete Diesel Anfang Oktober an britischen Tankstellen zeitweise zwei Pfund pro Liter.
Hormus: Hier ist Großbritannien verwundbar
Das Vereinigte Königreich importiert mehr Energie, als es selbst erzeugt. Darum treffen externe Schocks das Land mit voller Wucht. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat den Öltransport durch die Straße von Hormus massiv erschwert. Durch diese Meerenge läuft ein großer Teil des weltweiten Ölhandels.
Wie sehr der Konflikt die Prognosen über den Haufen geworfen hat, zeigt ein Rückblick: Vor dem Krieg hatte die Notenbank laut britischen Parlamentsunterlagen erwartet, dass die Inflation ab April auf rund zwei Prozent sinkt. Davon ist nichts mehr übrig.
Die gefährliche zweite Welle
Scott Gardner, Anlagestratege bei J.P. Morgan Personal Investing, kommt zu einem ernüchternden Urteil. Der jüngste Anstieg habe die Fortschritte aus dem Frühjahr wieder zunichtegemacht, schrieb er am Mittwoch. Die Notenbanker würden zwar über die Gesamtrate hinausschauen. Doch gerade die Inflation bei Dienstleistungen habe sich zuletzt beschleunigt.
Das schüre die Sorge vor sogenannten Zweitrundeneffekten, also einer Teuerung, die sich über die Energiepreise hinaus festsetzt. Gemeint ist ein Mechanismus, bei dem Unternehmen höhere Kosten weitergeben und Beschäftigte deshalb höhere Löhne verlangen. Die Lage sei zwar eine andere als 2021, so Gardner. Der anhaltende Konflikt belaste die Wirtschaft aber und spreche umso mehr für eine Zinserhöhung.
Die Briten wissen, wie so etwas enden kann: Im Oktober 2022 erreichte die Inflation 11,1 Prozent, so viel wie seit 41 Jahren nicht mehr.
Die Märkte rechnen fest mit der Zinswende
An den Finanzmärkten gibt es kaum noch Zweifel. Laut Daten von LSEG liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of England ihren Leitzins im November um 0,25 Prozentpunkte auf 4 Prozent anhebt, bei 98 Prozent. Die meisten Händler rechnen im Dezember zudem mit einem weiteren Schritt in gleicher Höhe.
Das Pfund reagierte gelassen, es blieb gegenüber Euro und Dollar nahezu unverändert. Auch die Renditen britischer Staatsanleihen bewegten sich kaum. Die Märkte hatten die schlechte Nachricht offenbar schon erwartet. Nach Medienberichten rechnet die Notenbank selbst bis zum Jahresende mit 3,75 Prozent und im ersten Quartal 2027 mit einem Höhepunkt um 4,2 Prozent.
Eine Warnung, auch für deutsche Sparer
Auch Deutschland ist auf Energieimporte angewiesen. Was London gerade erlebt, sollte daher auch hierzulande niemand auf die leichte Schulter nehmen. Inflation kommt oft in Wellen, und die Notenbanken reagieren meist erst, wenn sich die Preise schon in den Haushaltskassen bemerkbar machen. Wer sein Geld auf dem Sparbuch liegen lässt, verliert dabei Jahr für Jahr an Kaufkraft.
Gold und Silber haben sich in solchen Phasen über Generationen hinweg als Wertspeicher bewährt. Physische Edelmetalle können deshalb als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein. Sie sind ein Baustein der Vermögenssicherung, unabhängig von Zinsentscheidungen und politischen Versprechen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte sich selbst informieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.
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