
SpaceX-Wahnsinn an der Börse: Wenn selbst der „Big Short“-Prophet abwinkt, wird es brandgefährlich

Es gibt Momente an den Finanzmärkten, in denen die kollektive Vernunft offenbar im All verglüht. Der Börsengang von Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX ist ein solcher Moment. Während Privatanleger das Papier förmlich stürmen, als gäbe es morgen keine Aktien mehr, hält sich ausgerechnet der Mann demonstrativ fern, der das Platzen der US-Immobilienblase 2008 vorhersah und damit zur Legende wurde: Michael Burry.
„Nein, danke“ – die kühle Absage des Krisenpropheten
Burry, durch den Hollywood-Streifen „The Big Short“ einem Millionenpublikum bekannt geworden, hat sich laut Business Insider unmissverständlich positioniert. Weder long noch short, weder Wette auf steigende noch auf fallende Kurse. Selbst die naheliegenden Put-Optionen, mit denen er gegen die Aktie hätte spekulieren können, ließ er trotz eigener „Versuchung“ links liegen. Eine bemerkenswerte Zurückhaltung von einem Mann, der für seine konträren, mutigen Wetten berühmt ist.
Seine Begründung ist von erfrischender Schärfe: Bei einer Marktkapitalisierung von satten 2,8 Billionen Dollar erwirtschafte SpaceX einen Umsatz von gerade einmal 20 Milliarden Dollar. Das ergebe ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 90. Zum Vergleich: Solche Werte galten früher als Warnsignal für eine überhitzte Blase, nicht als Einstiegssignal.
„Nichts im S-1-Formular deutet darauf hin, dass diese Firma eine Billion Dollar wert ist, geschweige denn zwei Billionen.“ – Michael Burry
Mit beißender Ironie soll Burry vorgerechnet haben, dass man mit dem Marktwert von SpaceX die neun reichsten Menschen der Welt – nach Musk – aufkaufen könnte und immer noch eine Billion Dollar übrig hätte. Eine Pointe, die das ganze Ausmaß der Absurdität entlarvt.
Institutionelle Profis warnen – die Masse jubelt
Burry steht mit seiner Skepsis keineswegs allein. Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension, immerhin mit einem Volumen von 25 Milliarden Dollar ausgestattet, setzte SpaceX kurzerhand auf die schwarze Liste. Die Bewertung sei „großzügig übertrieben“ und werde eher von Musks Erzählkunst als von wirtschaftlichen Realitäten bestimmt. Analysten von Morningstar taxieren den fairen Wert gar auf 63 Dollar – weniger als die Hälfte des Ausgabepreises von 135 Dollar.
Und die Kleinanleger? Sie kauften das Papier in den ersten Tagen häufiger als Nvidia, Alphabet und Amazon zusammengenommen. Eine Euphorie, die an die Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts erinnert. Dabei verbuchte SpaceX 2025 einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar. Lediglich Starlink schreibt schwarze Zahlen, während die KI-Tochter xAI ein Verlustloch von 2,47 Milliarden Dollar in die Bilanz riss.
Rechenzentren im Weltall – wenn die Physik zur Spielverderberin wird
Besonders pikant ist die Rechtfertigung für die schwindelerregende Bewertung: ein angeblicher 26-Billionen-Dollar-Markt für KI-Infrastruktur, betrieben in Rechenzentren – im Weltall. Doch hier funkt die unbestechliche Physik dazwischen. Im Vakuum lässt sich Wärme einzig über Strahlung abführen, was bei den geplanten 150 Kilowatt pro Satellit gigantische Radiatoren erfordern würde. Kosmische Strahlung zerstört zudem handelsübliche Chips, und die nötige Abschirmung treibt die Kosten ins Astronomische. Sogar im eigenen Börsenprospekt räumt das Unternehmen ein, es sei unklar, ob dieses Vorhaben „jemals wirtschaftlich umgesetzt werden könnte“.
Tickende Zeitbomben im Maschinenraum
Verschärft wird die Lage durch konstruierte Nachfrage. Unter dem bezeichnenden Stichwort „Lex SpaceX“ verkürzte die Nasdaq die Wartefrist für die Aufnahme in den Nasdaq-100 auf magere 15 Handelstage, FTSE Russell sogar auf fünf. ETFs und passive Fonds müssen dann zukaufen – ob sie wollen oder nicht. Ein künstlicher Nachfrageschub, der mit gesunden Fundamentaldaten nichts zu tun hat.
Hinzu kommt das Klumpenrisiko in Person Elon Musks: Sein Vermögen besteht zu rund 90 Prozent aus illiquiden SpaceX-Aktien, die er für steuerfreie Kredite einsetzt. Bricht der Kurs ein, drohen gewaltige Nachschussforderungen. Am ersten Handelstag waren überhaupt nur 4,2 Prozent der Aktien frei handelbar – in den kommenden Monaten laufen weitere Sperrfristen aus.
Die Suche nach dem größeren Narren
Das Problem ist nicht, dass SpaceX nichts könnte. Starship fliegt, Starlink dominiert seinen Markt. Das Problem ist die Bewertung. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 90 bei Milliardenverlusten ist keine Vision, sondern blanker Übermut. Wer jetzt bei 2,8 Billionen Dollar einsteigt, spekuliert nicht auf solide Zahlen, sondern darauf, einen noch größeren Narren zu finden, der ihm die Papiere später teurer abkauft. Eine gefährliche Wette.
Genau hier zeigt sich einmal mehr ein altes Muster: Während Börsenmärchen vom Reichtum im Orbit erzählt werden und Anleger ihr Erspartes in luftige Zukunftsversprechen pumpen, bleibt am Ende oft nur die Erkenntnis, dass realer Wert sich nicht durch Erzählungen ersetzen lässt. Wer sein Vermögen vor solchen spekulativen Exzessen schützen möchte, tut gut daran, einen Teil seines Portefeuilles auf bewährte, krisenfeste Sachwerte zu setzen. Physisches Gold und Silber kennen keine Margin Calls, keine geplatzten Weltall-Träume und keine künstlich aufgeblähten Index-Käufe. Sie sind seit Jahrtausenden das, was sie sind – echter, greifbarer Wert.
Fazit
Wenn selbst ein notorischer Querdenker wie Burry, der sein halbes Leben gegen den Strom geschwommen ist, bei SpaceX die Hände in den Schoß legt, sollten die Alarmglocken schrillen. Die Weltraum-Rechenzentren-Story ist physikalisch fragwürdig, die Zwangskäufe der Indexfonds sind eine Farce, und das Margin-Call-Risiko des Firmenchefs ist eine Bombe mit kurzem Zünder. Viel Glück all jenen, die dennoch einsteigen.
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