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28.08.2025
06:46 Uhr

Sojabohnen-Poker: Wie China den Handelskrieg für sich entscheidet

Während sich die USA und Brasilien im erbitterten Kampf um den chinesischen Sojabohnenmarkt gegenseitig die Schuld zuschieben, reibt sich in Peking einer die Hände: China hat es meisterhaft verstanden, die beiden Agrarriesen gegeneinander auszuspielen und dabei selbst als lachender Dritter hervorzugehen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, die beide Seiten gerne verschweigen würden.

Das amerikanische Jammerlied – Trump als Sündenbock?

Die US-Sojabohnenindustrie stimmt seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ein Klagelied an, das an Dramatik kaum zu überbieten ist. Die Farmer aus Iowa und Arkansas sehen ihre Existenz bedroht und haben den Schuldigen schnell ausgemacht: Donald Trump mit seiner Zollpolitik habe ihnen den wichtigsten Absatzmarkt der Welt vermasselt. China habe mit Strafabgaben zwischen zehn und vierunddreißig Prozent auf US-Sojabohnen reagiert, und prompt seien die Exporte eingebrochen.

Besonders der April wird gerne als Beweis angeführt, in dem die Lieferungen um fast vierundvierzig Prozent unter dem Vorjahr gelegen hätten. In Kongressanhörungen und Lobbyisten-Stellungnahmen wird dieser Einbruch gebetsmühlenartig wiederholt. Doch wie so oft bei politisch motivierten Narrativen lohnt sich ein genauerer Blick auf die Fakten.

Brasiliens Triumphgeheul – der globale Süden schlägt zurück?

Auf der anderen Seite des Atlantiks herrscht Partystimmung. Brasilien feiert sich als neuer Champion im Sojabohnengeschäft und präsentiert die Zahlen wie Trophäen: 42,26 Millionen Tonnen gingen von Januar bis Juli nach China, was einem beeindruckenden Marktanteil von rund achtzig Prozent entspreche. Im Juli allein seien über zehn Millionen Tonnen verschifft worden – fast neunzig Prozent der chinesischen Einfuhren in diesem Monat.

Die brasilianische Regierung und ihre Medien verkaufen dies als Symbol des Aufstiegs des globalen Südens. Man habe die "Gringos" endlich in die zweite Reihe gedrängt und die Partnerschaft mit China beweise, dass die alte Weltordnung ins Wanken gerate. Doch auch hier gilt: Wer genauer hinschaut, entdeckt Risse im schönen Bild.

Die unbequeme Wahrheit hinter den Schlagzeilen

Die Realität, die beide Seiten gerne unter den Teppich kehren würden, erzählt eine andere Geschichte. Der stärkste Rückgang der amerikanischen Lieferungen nach China fand interessanterweise nicht unter Trump, sondern zwischen den Frühjahren 2023 und 2024 unter Biden statt. Seitdem erholen sich die US-Verkäufe sogar wieder: Die Gesamtexporte nach China stiegen im Zeitraum Januar bis Juli auf 16,57 Millionen Tonnen – ein Anstieg von über einem Drittel gegenüber den 12,25 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Wertmäßig wuchsen die amerikanischen Exporte von 6,74 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 7,61 Milliarden US-Dollar. Allerdings dämpfte der Preisverfall von 512 US-Dollar je Tonne auf nur noch 440 US-Dollar je Tonne den Wertanstieg erheblich. Diese Erholung passt so gar nicht zum Narrativ eines totalen Einbruchs durch Trumps Politik.

Brasiliens Pyrrhussieg

Auch Brasiliens Erfolgsgeschichte hat ihre Schattenseiten. Seit dem Frühsommer 2024 sinken die Einnahmen aus den Exporten nach China trotz leicht steigender Mengen. Der Grund: Die Weltmarktpreise sind abgerutscht. Von den Rekordmengen bleibt am Ende weniger Geld übrig als erhofft. Doch in der öffentlichen Darstellung zählt nur die Schlagzeile vom abgehängten Amerika.

China als lachender Dritter im Handelskrieg

Der wahre Gewinner in diesem Poker ist eindeutig China. Das Reich der Mitte importierte im ersten Halbjahr 4,6 Prozent mehr Sojabohnen und zahlte dafür fast zehn Prozent weniger. Während die amerikanischen Farmer über ihre Regierung klagen und Brasilien seinen vermeintlichen geopolitischen Triumph feiert, setzt Peking sein Pokerface auf und streicht die Gewinne ein.

Noch cleverer: China baut seit 2015 systematisch seine eigene Sojabohnenproduktion aus. Um 8,6 Millionen Tonnen wurde die Eigenproduktion bereits gesteigert, um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. Damit verringert das Land seine Verwundbarkeit gegenüber beiden Lieferanten und profitiert gleichzeitig von den sinkenden Weltmarktpreisen.

Die nüchterne Bilanz

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: China zahlt im Durchschnitt nur noch rund 440 US-Dollar je Tonne, während es 2024 noch 512 US-Dollar waren. Ob die Bohnen aus Santos oder aus New Orleans kommen, spielt für Peking keine Rolle. Entscheidend ist, dass die Versorgung gesichert bleibt und der Preis stimmt.

China kauft pragmatisch dort, wo die Bohne am billigsten ist – ob beim BRICS-Partner Brasilien oder beim amerikanischen Rivalen. Die emotionalen Geschichten über Handelskriege und geopolitische Verschiebungen überlässt man gerne anderen. In Peking zählen nur die harten Fakten: mehr Soja für weniger Geld.

Ein Lehrstück in Realpolitik

Dieser Sojabohnen-Krieg zeigt exemplarisch, wie moderne Handelspolitik funktioniert. Während sich die USA und Brasilien in ihren jeweiligen Narrativen verfangen und die Schuld beim anderen suchen, nutzt China kühl kalkulierend die Situation aus. Es ist ein Lehrstück dafür, dass in der globalisierten Wirtschaft nicht derjenige gewinnt, der die beste Geschichte erzählt, sondern derjenige, der die cleverste Strategie verfolgt.

Die deutsche Politik täte gut daran, aus diesem Beispiel zu lernen. Statt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren und mit moralisierenden Narrativen die eigene Wirtschaft zu schwächen, sollte man wieder zu einer pragmatischen, interessengeleiteten Politik zurückfinden. China macht es vor: Während andere reden, handelt Peking – und fährt die Ernte ein.

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