
Söders Machtverfall: CSU kassiert historische Ohrfeige bei bayerischen Stichwahlen

Was Markus Söder als „durchwachsenen Abend" zu verniedlichen versucht, ist in Wahrheit nichts weniger als ein politisches Erdbeben im Freistaat. Bei den Stichwahlen zu den bayerischen Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag wurde die CSU in einer Weise abgestraft, die selbst hartgesottene Beobachter der bayerischen Landespolitik sprachlos zurücklässt. Die einstige Staatspartei, die Bayern über Jahrzehnte wie ein Familienunternehmen führte, verliert nun auch noch ihre letzte Bastion: die kommunale Ebene.
Ein orange-roter Tsunami fegt über Bayern
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Von 45 Stichwahlen um Oberbürgermeister- und Landratsposten konnte die CSU gerade einmal 14 für sich entscheiden. Vierzehn von fünfundvierzig – das ist keine Delle, das ist ein Totalschaden. Die Freien Wähler, jene Partei, die Söder stets mit einer Mischung aus Herablassung und Duldung behandelte, verdoppelten derweil ihre Landratssitze von 14 auf 28. Jeder einzelne dieser Siege ging auf Kosten eines CSU-Kandidaten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.
Besonders schmerzhaft dürfte für die Christsozialen der Verlust traditionsreicher Hochburgen sein. In Oberbayern, dem Herzland der CSU, fielen Bastionen wie das Berchtesgadener Land, Rottal-Inn, Kelheim und Straubing-Bogen. Orte, in denen das CSU-Parteibuch einst praktisch zur Grundausstattung eines jeden Bürgermeisters gehörte, wenden sich ab. Die Botschaft der Wähler könnte kaum deutlicher sein.
Großstädte fallen reihenweise an die SPD
In Augsburg, der drittgrößten Stadt Bayerns, endete nach 18 Jahren die CSU-Herrschaft. Oberbürgermeisterin Eva Weber musste sich mit mageren 43 Prozent dem SPD-Herausforderer geschlagen geben. Noch dramatischer gestaltete sich die Niederlage in Rosenheim, wo die CSU sage und schreibe über 60 Jahre lang den Oberbürgermeister stellte – eine Ära, die nun mit einem Ergebnis von 47 zu 53 Prozent ihr Ende fand. Kempten, Amberg, Bayreuth, Schweinfurt – die Liste der verlorenen Städte liest sich wie ein Schlachtenbericht. Überall dasselbe Bild: Die SPD übernimmt.
Dass ausgerechnet die Sozialdemokraten, die auf Bundesebene als Juniorpartner in der Großen Koalition unter Friedrich Merz kaum eigenes Profil entwickeln können, in Bayern derart triumphieren, wirft Fragen auf. Offenbar reicht es vielen bayerischen Wählern schlicht, nicht CSU zu wählen – egal, wer die Alternative ist. Ein vernichtenderes Urteil über den Zustand einer Partei lässt sich kaum fällen.
Söders Meisterschaft im Verantwortungsabschieben
Doch wie reagiert der bayerische Ministerpräsident auf dieses Debakel? Natürlich so, wie man es von ihm gewohnt ist: Er weist jede Verantwortung von sich. „Es kam auf die Person an", erklärte Söder bei der Pressekonferenz am Montag mit jener entwaffnenden Chuzpe, die ihn seit Jahren auszeichnet. Bei dem einen oder anderen Kandidaten sei die Niederlage „leider absehbar" gewesen, fügte er hinzu – als hätte er selbst mit der Aufstellung dieser Kandidaten nichts zu tun gehabt.
Die Landespolitik sei laut „allen" Umfragen positiv bewertet worden, behauptete Söder – ebenso wie die Bundespolitik in Sachen Migration.
Man fragt sich unwillkürlich, welche Umfragen der Ministerpräsident da konsultiert haben mag. Denn wenn die Wähler tatsächlich so zufrieden wären, wie Söder behauptet, hätten sie wohl kaum in dieser Deutlichkeit gegen seine Partei gestimmt. Die Realität an den Wahlurnen spricht eine andere Sprache als die Umfragen, die Söder so gerne zitiert.
Eine Bilanz des Scheiterns
Wer Söders Amtszeit als CSU-Chef nüchtern betrachtet, erkennt ein Muster des kontinuierlichen Niedergangs. Im Oktober 2018, nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt als Ministerpräsident, fuhr die CSU bei der Landtagswahl mit 37,2 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950 ein. Die absolute Mehrheit – einst so selbstverständlich wie das Weißbier zum Frühschoppen – war dahin. Bei der Landtagswahl 2023 verschlechterte sich das Ergebnis sogar noch einmal leicht auf 37 Prozent, und das wohlgemerkt in einer Phase, in der die Union im Bund bei über 30 Prozent lag.
Nun also der nächste Tiefschlag auf kommunaler Ebene. Söder ist damit der CSU-Vorsitzende, unter dessen Führung die Partei ihr Machtmonopol in Bayern vollständig eingebüßt hat – auf Landes- wie auf Kommunalebene. Franz Josef Strauß dürfte sich im Grabe umdrehen.
Das Paradoxon der unangefochtenen Führung
Das eigentlich Erstaunliche an der ganzen Misere ist jedoch, dass Söders Position innerhalb der CSU als völlig ungefährdet gilt. Beim Parteitag im Dezember 2025 wurde er zwar mit seinem bislang schlechtesten Ergebnis als Parteichef wiedergewählt – doch 83,6 Prozent sind immer noch ein Wert, von dem andere Parteivorsitzende nur träumen können. Es scheint, als habe die CSU schlicht keine Alternative zu Söder, oder schlimmer noch: als wolle sie gar keine.
Für die bayerischen Bürger stellt sich indes eine ganz andere Frage. Wie lange kann eine Partei, die von Wahlniederlage zu Wahlniederlage taumelt, noch glaubwürdig den Anspruch erheben, den Freistaat zu führen? Und wie lange kann ein Parteichef, der bei jeder Schlappe reflexartig auf die Kandidaten zeigt statt in den Spiegel zu schauen, noch das Vertrauen der Wähler beanspruchen? Die Antwort der bayerischen Bürger bei diesen Stichwahlen war unmissverständlich. Ob Söder sie hören will, steht auf einem anderen Blatt.
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