
Silber halbiert, Profis gelassen: Kommt jetzt das große Comeback?

Silber steckt in der Klemme. Am Mittwoch rutschte die Feinunze um mehr als ein Prozent auf 58,89 US-Dollar ab. Trotzdem hält Nate Miller, Vizepräsident für Produktentwicklung beim US-Fondsanbieter Amplify ETFs, den langfristigen Aufwärtstrend nach eigenen Worten für intakt. Er glaube nicht, dass die US-Notenbank die Inflation wirklich in den Griff bekomme.
Vom Rekordrausch in die Katerstimmung
Ein Blick zurück zeigt, wie stark der Markt schwankt. Ende Januar 2026 kletterte Silber Marktdaten zufolge auf ein Allzeithoch von rund 121 Dollar je Unze. Seitdem hat sich der Preis mehr als halbiert. Für viele Anleger, die spät eingestiegen sind, ist das ein herber Dämpfer.
Ganz so düster sieht es aber nicht aus. Im Oktober vergangenen Jahres kämpfte Silber noch mit der Marke von 50 Dollar. Diese Schwelle galt jahrzehntelang als fast unüberwindbar, 1980 zur Zeit der Hunt-Brüder ebenso wie 2011. Heute liegt der Preis klar darüber. Miller sieht deshalb keinen Zusammenbruch, sondern ein Metall, das sich gerade eine neue Basis erarbeitet.
Der Gegenwind kommt aus Washington
Die Gründe für die Schwäche sind schnell erklärt. US-Staatsanleihen werfen hohe Renditen ab. Wer Gold oder Silber hält, verzichtet auf diese Zinsen, und das kostet. Hinzu kommt der Dollar: Die Märkte trauen der Federal Reserve zu, die Teuerung einzudämmen. Das stützt die US-Währung und drückt die Rohstoffpreise.
Genau an diesem Vertrauen zweifelt Miller. Anleger sollten nach seiner Einschätzung die Risiken einer hartnäckigen Inflation und den schleichenden Kaufkraftverlust ungedeckter Papierwährungen nicht aus den Augen verlieren. Hält sich die Inflation länger als erwartet, könne die Stimmung schnell drehen. Wenn dagegen der Preisdruck nachlasse, etwa durch sinkende Energiepreise, entstehe Spielraum für einen schwächeren Dollar. Auch das wäre gut für Gold und Silber.
Mehr als nur ein Krisenmetall
Silber hat einen Trumpf, den Gold nicht hat: Die Industrie braucht es. Vor allem die Photovoltaik-Branche zählt zu den größten Abnehmern. Diese zweite Nachfragequelle gibt dem Metall laut Miller zusätzlichen Halt, auch wenn Spekulanten gerade aussteigen.
Optionsprodukte als Rendite-Booster mit Haken
Für die nächsten Monate wirbt Miller vor allem für sogenannte Covered-Call-Strategien, wie sie auch sein eigenes Haus anbietet. Dabei werden auf eine Silberposition Kaufoptionen verkauft, die Prämien fließen den Anlegern als laufender Ertrag zu.
„Over the next couple of months, for me, the covered-call version stands out."
Klingt verlockend, hat aber einen Preis. Schießt Silber nach oben, sind die Gewinne gedeckelt. Gegen Kursverluste schützen die Prämien nicht. Wer einen Rally wie im Januar erwartet, bleibt mit solchen Konstrukten also womöglich am Bahnsteig stehen, während der Zug abfährt. Hinzu kommt: Ein Fondsanteil ist kein Barren im eigenen Tresor.
Miller rechnet bis zum Jahresende mit weiter hohen Schwankungen. Das vierte Quartal werde „more of this volatility" bringen, sagte er. Hohe Volatilität treibt zwar die Optionsprämien, erhöht aber zugleich das Risiko.
Großes Geld setzt weiter auf Edelmetall
Die Profis sind offenbar nicht verunsichert. Medienberichten zufolge erwarten Delegierte einer Umfrage des Londoner Edelmetallverbands LBMA einen Silberpreis von 97 Dollar binnen zwölf Monaten. Chinas Notenbank soll allein im September 21 Tonnen Gold gekauft haben, so viel wie seit drei Jahren in keinem Monat. Das sieht nicht nach einem Abschied vom Edelmetall aus.
Unser Fazit: Die Korrektur ist schmerzhaft, an den Grundlagen hat sie wenig geändert. Die Staatsschulden steigen weiter, die Inflation bleibt ein Risiko, und die Industrie braucht weiter Silber. Wer sein Vermögen dauerhaft absichern will, muss nicht zu komplizierten Derivaten greifen. Physisches Silber und Gold können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio ein solides Fundament bilden, ganz ohne Emittentenrisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.

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