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Kettner Edelmetalle
15.04.2026
14:35 Uhr

Seltene Erden: Deutschland bleibt Pekings Geisel – trotz kosmetischer Fortschritte

Seltene Erden: Deutschland bleibt Pekings Geisel – trotz kosmetischer Fortschritte

Man könnte fast meinen, es gäbe Grund zum Jubeln. Zehn Prozentpunkte weniger Abhängigkeit von China bei Seltenen Erden – das klingt nach Fortschritt, nach strategischem Weitblick, nach einer Bundesrepublik, die endlich ihre Lehren aus den geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre gezogen hat. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Die Zahlen sind bestenfalls ein Trostpflaster auf einer klaffenden Wunde.

Mehr als die Hälfte kommt weiterhin aus der Volksrepublik

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stammten im vergangenen Jahr noch immer 55,4 Prozent der deutschen Importe Seltener Erden aus China. Im Vorjahr waren es 65,4 Prozent gewesen. Ein Rückgang? Gewiss. Eine Entwarnung? Mitnichten. Denn wer mehr als die Hälfte seiner strategisch unverzichtbaren Rohstoffe von einem einzigen Lieferanten bezieht – und dieser Lieferant heißt ausgerechnet Peking –, der hat kein Diversifizierungsproblem gelöst, sondern lediglich die Fallhöhe marginal reduziert.

Seltene Erden sind keine exotische Randnotiz der Industriepolitik. Sie sind das Rückgrat moderner Hochtechnologie. Ohne sie keine Akkus, keine Halbleiter, keine Magnete für Elektromotoren. Kurz: Ohne Seltene Erden keine Energiewende, keine Digitalisierung, keine wettbewerbsfähige Industrie. Insgesamt importierte Deutschland 5500 Tonnen dieser kritischen Metalle im Gesamtwert von 77,6 Millionen Euro – ein Anstieg von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Mogelpackung der europäischen Zwischenstationen

Besonders pikant wird es beim Blick auf die zweit- und drittwichtigsten Lieferländer. Österreich lieferte rund 20 Prozent, Estland etwa elf Prozent der deutschen Importe. Klingt nach europäischer Souveränität? Weit gefehlt. In beiden Ländern werden Seltene Erden lediglich verarbeitet – die tatsächliche Herkunft der Metalle sei „statistisch nicht nachweisbar", räumt das Bundesamt freimütig ein. Mit anderen Worten: Ein erheblicher Teil dessen, was auf dem Papier als europäischer Import firmiert, könnte in Wahrheit ebenfalls aus chinesischen Minen stammen. Die reale Abhängigkeit von Peking dürfte also deutlich höher liegen als die offiziellen 55 Prozent suggerieren.

Diese statistische Verschleierung ist symptomatisch für ein Europa, das sich gerne als geopolitisch handlungsfähig inszeniert, in Wahrheit aber die eigene Verwundbarkeit hinter Umwegen und Zwischenhändlern versteckt.

Ein dramatischer Rückgang der Importmengen

Bemerkenswert ist auch ein anderer Trend: 2018 importierte Deutschland noch 9700 Tonnen Seltener Erden. Heute sind es nur noch 5500 Tonnen. Dieser Rückgang spiegelt nicht etwa eine erfolgreiche Substitutionsstrategie wider, sondern vielmehr den schleichenden Niedergang der deutschen Industrieproduktion in Schlüsselbranchen. Wer weniger produziert, braucht weniger Rohstoffe – ein Fortschritt, auf den man wahrlich nicht stolz sein sollte.

EU-Ziele: Ambitioniert auf dem Papier, illusorisch in der Praxis

Auf europäischer Ebene sieht das Bild kaum besser aus. Die EU importierte im vergangenen Jahr 15.100 Tonnen Seltener Erden, knapp 47 Prozent davon aus China. Zweitwichtigster Lieferant war – man höre und staune – Russland. Ausgerechnet. Während Brüssel nicht müde wird, die strategische Autonomie Europas zu beschwören, hängt der Kontinent bei seinen kritischsten Rohstoffen am Tropf zweier Mächte, die man diplomatisch als „schwierige Partner" bezeichnen könnte.

Die EU hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 zehn Prozent ihres Bedarfs an kritischen Rohstoffen aus eigener Förderung zu decken und 40 Prozent innerhalb der Union zu verarbeiten. Der Europäische Rechnungshof kommt allerdings zu dem ernüchternden Schluss, dass die europäische Industrie von diesen Vorgaben noch meilenweit entfernt sei. Vier Jahre vor der selbstgesetzten Frist gleicht das Unterfangen dem Versuch, einen Marathon zu gewinnen, wenn man noch nicht einmal die Laufschuhe geschnürt hat.

Pekings eiserner Griff auf den Weltmarkt

Die strategische Brisanz dieser Abhängigkeit lässt sich kaum überschätzen. China kontrolliert rund 60 Prozent der globalen Produktion Seltener Erden und dominiert darüber hinaus große Teile der Weiterverarbeitung. Selbst Länder, die eigene Vorkommen fördern, exportieren ihre Rohstoffe häufig zur Veredelung nach China – was Pekings Marktmacht zusätzlich zementiert. Im Kontext der eskalierenden Handelskonflikte, nicht zuletzt angesichts der massiven Zollerhöhungen unter US-Präsident Trump, könnte China seine Rohstoffdominanz jederzeit als geopolitische Waffe einsetzen.

Dass die Bundesregierung unter Friedrich Merz zwar ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht hat, aber eine vergleichbare strategische Initiative zur Rohstoffsicherung bislang vermissen lässt, wirft unbequeme Fragen auf. Geld für Beton und Asphalt scheint in Berlin leichter zu mobilisieren als der politische Wille, die industrielle Basis des Landes langfristig abzusichern.

Ein Weckruf, der verhallt

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sollten eigentlich ein Alarmsignal sein. Stattdessen werden sie als Erfolgsgeschichte verkauft – zehn Prozentpunkte weniger China-Abhängigkeit, wie schön. Doch solange Europa weder über nennenswerte eigene Förderkapazitäten noch über eine funktionierende Verarbeitungsindustrie für Seltene Erden verfügt, bleibt die vielzitierte strategische Autonomie eine Fata Morgana. Deutschland und Europa haben sich über Jahrzehnte in eine Abhängigkeit manövriert, die sich nicht mit ein paar Prozentpunkten Statistikverschiebung auflösen lässt.

In Zeiten, in denen geopolitische Spannungen zunehmen und Lieferketten zum Spielball machtpolitischer Interessen werden, wäre es an der Zeit, Rohstoffsicherung als das zu behandeln, was sie ist: eine Frage der nationalen Sicherheit. Wer das nicht begreift, wird eines Tages feststellen, dass die schönsten Klimaziele und Digitalisierungsstrategien nichts wert sind, wenn die Rohstoffe für ihre Umsetzung in den Händen anderer liegen.

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