
Schwerdtner gegen die „Panikmache“: Linke umwirbt die Gen-Z-Proteste

Noch ist in Deutschland kein einziger Gen-Z-Demonstrant auf der Straße, aber die Linke hat ihre Schuldigen schon ausgemacht. Parteichefin Ines Schwerdtner wirft der Presse vor, vor den bundesweiten Protesten am 31. Oktober Angst vor Jugendlichen zu schüren. Die Rechte bereite außerdem ein Narrativ vor, mit dem sie die Bewegung schlechtmachen wolle.
Zoom-Runde mit klarer Botschaft
Ihre Äußerungen fielen am Mittwoch in einer Videokonferenz des linken Magazins Jacobin, die gemeinsam mit dem Studierendenverband Die Linke.SDS veranstaltet wurde. Die Runde trug den Titel „Wann kommen deutsche Schulproteste?“. Zusammen mit dem Journalisten Raphaël Schmeller und dem französischen Linkspartei-Abgeordneten Hadrien Clouet sprach Schwerdtner über die Unruhen im Nachbarland.
Ihre Prognose für die deutsche Debatte fiel deutlich aus:
„Die Migranten sind schuld und die Linksextremen sind schuld. Das ist das nächste Narrativ.“
Dieses Narrativ werde ihrer Ansicht nach von der „internationalen Rechten bis weit ins konservative Lager hinein“ verbreitet. Als Beispiele nannte sie US-Präsident Donald Trump und dessen Vize J. D. Vance. An die jungen Zuhörer gewandt sagte sie, die Presse drehe „jetzt schon entscheidend durch“, obwohl noch niemand auf die Straße gegangen sei.
Frankreich als Vorbild?
Schon am Montag hatte sich Schwerdtner bei einer Pressekonferenz mit den französischen Demonstranten solidarisch erklärt. Dabei sprach sie nach eigenen Angaben auch über Polizeigewalt, unter anderem über einen Schüler, dem eine Blendgranate die Hand abgerissen haben soll. Bilder von Ausschreitungen dürften die Proteste nicht delegitimieren, sagte sie.
Zugleich mahnte sie, der Protest müsse sich gegen die herrschende Politik richten, „und nicht gegeneinander oder irgendwie gegen kleine Läden“. Das ist bemerkenswert. Die Parteichefin spricht damit selbst aus, dass Gewalt gegen Ladenbesitzer bei solchen Protesten kein Hirngespinst übereifriger Redaktionen ist. Medienberichten zufolge waren die Krawalle in Frankreich zuletzt immer gewalttätiger geworden.
Als gemeinsamen Nenner der Bewegungen in mehreren Ländern nennt Schwerdtner die „Krise der Bezahlbarkeit“ und eine „Krise der etablierten, der bürgerlichen Parteien“. In Frankreich sieht sie die „reale Gefahr“, dass am Ende dieses Protestzyklus „eine faschistische Präsidentin“ stehe.
Die Sorgen der Sicherheitsbehörden sind konkret
Kritiker dürften in Schwerdtners Medienschelte vor allem eines sehen: einen Versuch, sich an die Spitze einer Bewegung zu setzen, die sich selbst ausdrücklich überparteilich nennt. Die Initiativen „Gen Z regelt“ und „Gen Z steht auf“ rufen für den 31. Oktober zu Kundgebungen in 21 Städten auf. In Berlin soll es um 14 Uhr am Brandenburger Tor losgehen. Abgesprochen wird vieles über eigene Telegram-Gruppen.
Die Forderungen lauten unter anderem: bessere Bildung, bezahlbares Leben, keine Wehrpflicht. Von Gewalt, Drohungen und Zerstörung distanzieren sich die Organisatoren ausdrücklich. Parteifahnen sind auf ihren Demos nicht erwünscht. Da passt die Umarmung durch eine Parteivorsitzende nicht so recht ins Bild.
Die Behörden spielen die Lage nicht herunter, nur weil sie keine Panik verbreiten wollen. Die Berliner Polizei warnt davor, dass radikale Gruppen die Proteste vereinnahmen könnten. Die Gewerkschaft der Polizei fürchtet, dass friedliche Demonstrationen für Krawalle missbraucht werden. Das Bundesinnenministerium verweist auf eine gewaltbereite extremistische Szene. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann machen die Proteste Medienberichten zufolge „allergrößte Sorgen“. Hessen kündigt eine starke Polizeipräsenz an.
Berechtigte Wut, falsche Verbündete?
Eines stimmt: Die Wut vieler junger Menschen hat einen realen Kern. Mieten, Lebensmittelpreise und Energiekosten belasten die Generation, die später auch die gewaltigen Schulden der Großen Koalition unter Friedrich Merz abtragen muss. Allein das 500-Milliarden-Sondervermögen ist eine schwere Hypothek.
Aus Sicht unserer Redaktion ist die Teuerung aber nicht durch zu wenig Staat entstanden. Ursachen sind vielmehr eine ausufernde Schuldenpolitik, eine lockere Geldpolitik und politisch verteuerte Energie. Ob die Jugend mit einer Partei an ihrer Seite gut beraten ist, die genau darauf noch mehr Staat setzen will, darf man bezweifeln. Wie viele junge Menschen am 31. Oktober tatsächlich kommen, ist noch offen.

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