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Schwarzer Block wĂĽtet: Wer steckt hinter Europas Krawall-Armee?

Schwarzer Block wĂĽtet: Wer steckt hinter Europas Krawall-Armee?
Symbolbild: KI-generiert

Brennende Barrikaden, geplünderte Läden, ein Rathaus in Flammen: Am 17. Oktober versank Frankreich in einer Welle der Gewalt. Vermummte Täter des sogenannten Schwarzen Blocks kaperten landesweite Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Auch in Belgien, Spanien und Italien kam es zuletzt zu ähnlichen Szenen.

Ein Samstag, der Frankreich erschĂĽtterte

Nach Angaben der Regierung gingen rund 550.000 Menschen auf die Straße, die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000. Die große Mehrheit protestierte friedlich. Trotzdem prägen Bilder der Verwüstung diesen Tag: Medienberichten zufolge wurden 1.800 Personen festgenommen und 500 Polizisten und Feuerwehrleute verletzt.

Zum Symbol wurde Limoges. Der historische Teil des Rathauses aus dem 19. Jahrhundert brannte vollständig nieder, der Glockenturm stürzte ein. Bürgermeister Guillaume Guérin sprach von einer geplanten Aktion. Die Gruppe soll Feuerwerk, Mörser und einen 200 Kilogramm schweren Rammbock dabeigehabt haben.

Berichten zufolge nahmen Spezialkräfte inzwischen einen mutmaßlichen Brandstifter fest, der der linksradikalen Szene zugerechnet wird. Eine Anti-Terror-Einheit hat die Ermittlungen übernommen. Premierminister Sébastien Lecornu sprach von einem „entsetzlichen Ausmaß an Gewalt“.

Keine Organisation, sondern eine Taktik

Was ist dieser Schwarze Block eigentlich? Eine feste Organisation ist er nicht. Es handelt sich um eine Taktik: gleiche schwarze Kleidung, verhüllte Gesichter, damit niemand erkannt wird. Eine Führung gibt es nicht. Abgesprochen wird über soziale Netzwerke und verschlüsselte Messenger. Ein Sicherheitsexperte verglich die Szene mit einem Orchester, „das die Musik so gut kennt, dass es keinen Dirigenten braucht“.

In Frankreich wird der harte Kern laut Analysen auf rund 5.000 besonders gefährliche Aktivisten geschätzt. Dieser ideologische Kern vermische sich zunehmend mit frustrierten Jugendlichen aus Problemvierteln. Die Plünderungen habe der Block demnach nicht selbst begonnen. Seine Gewalt habe aber das Chaos geschaffen, in dem andere zugreifen konnten.

Die Wurzeln liegen auch in Deutschland

Die Taktik stammt aus der autonomen Szene Italiens und Westdeutschlands der 1970er- und 1980er-Jahre. Damals verteidigten Hausbesetzer besetzte Gebäude gegen Räumungen durch die Polizei. In Frankreich setzte sich die Taktik 2016 bei den Protesten gegen die Arbeitsmarktreform durch. In Deutschland ist vor allem der G20-Gipfel in Hamburg 2017 vielen noch gut in Erinnerung.

Die Szene lehnt Parteien und Gewerkschaften ab. Ihre Wut richtet sich gegen Banken, Konzerne und Symbole des Staates. Gewalt gegen Menschen sei nach eigenem Verständnis tabu. Wie wenig das gilt, zeigt das Beispiel der in Deutschland als „Hammerbande“ bekannt gewordenen linksextremen Gruppe.

Frust ohne Perspektive

Hinter den Krawallen steckt auch echter Frust. Viele junge Europäer finden keine bezahlbare Wohnung und glauben nicht mehr daran, dass sich Fleiß und Leistung lohnen. „Der Gesellschaftsvertrag ist gebrochen“, sagte ein Demonstrant in Brüssel.

Bemerkenswert ist dabei: Die Klimapolitik, die das Leben zusätzlich verteuert, stellen die wenigsten Demonstranten infrage. Mehr Klimaschutz gehörte sogar zu ihren Forderungen. Präsident Emmanuel Macron kommt Berichten zufolge nur noch auf rund 17 Prozent Zustimmung.

Hat der Staat versagt?

Für viele Beobachter ist die Rolle der Sicherheitskräfte der eigentliche Skandal. Guérin warf dem Staat vor, die Polizei habe nicht genug Mittel gehabt und sei vor den Randalierern zurückgewichen. Auch die Bürgermeister von Paris, Marseille und Lyon beklagten fehlende und schlecht vorbereitete Einsatzkräfte. Gleichzeitig sollen friedliche Studenten hart angegangen worden sein.

Jetzt reagiert Paris mit Ausgangssperren und Demonstrationsverboten. In Belgien fordert der Verteidigungsminister eine Militarisierung der Polizei. Aus Sicht unserer Redaktion sind das nachträgliche Reaktionen auf ein Problem, das die Politik zu lange kleingeredet hat.

Auch Berlin sollte daraus lernen. Wer Linksextremismus über Jahre verharmlost und ehrliche Bürger mit steigenden Kosten allein lässt, gefährdet beides: die öffentliche Sicherheit und das Vertrauen in den Rechtsstaat.

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