
Schnäppchen Deutschland: US-Investoren kaufen unsere Firmen im Akkord!

Ausländische Käufer übernehmen deutsche Unternehmen so schnell wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Laut einer am 5. November 2026 bekannt gewordenen Analyse der Beratungsgesellschaft KPMG hat sich das Volumen grenzüberschreitender Übernahmen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Ganz vorne mit dabei sind Investoren aus den USA.
129 Milliarden Dollar: Der Einkaufswagen ist voll
Die Zahlen sind gewaltig. Zwischen dem dritten Quartal 2025 und dem zweiten Quartal 2026 sei das Deal-Volumen um 134 Prozent auf knapp 129 Milliarden Dollar gestiegen, heißt es in der Studie, die sich auf Daten des Finanzkonzerns LSEG stützt. Die Zahl der Transaktionen kletterte von 897 auf 926.
Besonders auffällig: 18 Übernahmen hatten jeweils ein Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar. Hinter zehn dieser Milliardendeals standen der Analyse zufolge US-Käufer. Deutsche Firmen stünden bei vielen von ihnen „ganz oben auf der Einkaufsliste“, so KPMG.
Ein vergleichbares Interesse amerikanischer Käufer habe es zuletzt 2007 gegeben – damals im Zuge der Privatisierung der Kabelnetze.
Vom Mittelstand bis zum Chemieriesen
Die Liste der prominenten Abgänge liest sich wie ein Who's who der deutschen Industrie:
- Der baden-württembergische Ventilatorenspezialist EBM-Papst geht für rund 4,8 Milliarden Euro an den US-Konzern Madison Air.
- BASF Coatings, das Lackgeschäft des Ludwigshafener Chemiekonzerns, wurde mehrheitlich vom US-Investor Carlyle übernommen.
- Finanzinvestor Bain Capital vereinbarte die Mehrheitsübernahme des Augsburger Motorenbauers Everllence.
- Die nordhessische Viessmann-Gruppe verkaufte ihr Wärmepumpengeschäft an den US-Konzern Carrier.
Gerade der Fall Viessmann hatte schon beim Verkauf für Debatten gesorgt. Ausgerechnet die Wärmepumpe, Lieblingsprojekt der deutschen Energiewende-Politik, landet in amerikanischen Händen.
Ausverkauf oder Aufbruch?
KPMG-Experte Michael Buhl winkt ab. Er sieht in der Entwicklung keinen Ausverkauf, sondern einen Beschleuniger des Strukturwandels. Die nächste Welle der Künstlichen Intelligenz entscheide sich nicht nur in den großen Technologiezentren der Welt:
„Denn viele deutsche Unternehmen vereinen technologische Kompetenz, industrielle Exzellenz und hochwertige Daten.“
Als Beispiele nennt Buhl den Berliner Lieferdienst Delivery Hero, der durch eine Übernahme durch Uber Zugang zu dessen Plattform erhalten könne. EBM-Papst wiederum öffne sich durch den Verkauf der US- und Datencenter-Markt.
Das mag betriebswirtschaftlich stimmen. Doch eine unbequeme Frage bleibt: Warum sind deutsche Firmen eigentlich so billig zu haben?
Günstige Preise – ein Armutszeugnis für den Standort
Die Studie selbst nennt die „relativ attraktiven Bewertungen“ deutscher Unternehmen als Treiber. Übersetzt heißt das: Deutschland ist zum Sonderangebot geworden. Aus Sicht unserer Redaktion ist das kein Zufall, sondern die Quittung für Jahre hoher Energiepreise, ausufernder Bürokratie und einer Wirtschaftspolitik, die Leistungsträger eher gängelt als fördert.
Pikant ist auch der zweite Grund, den KPMG anführt: die Aussicht auf Milliarden-Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Kritiker dürften darin eine bittere Ironie sehen. Die Schulden des Sondervermögens tragen künftig die deutschen Steuerzahler – die Renditen der Aufträge könnten zu einem guten Teil nach New York und Boston fließen.
Dass Übernahmen auch politisch heikel sein können, zeigte bereits 2016 der Verkauf des Augsburger Roboterbauers Kuka an den chinesischen Midea-Konzern. Danach verschärfte Berlin die Regeln zur Investitionsprüfung.
Deutsche kaufen auch – aber deutlich weniger
Immerhin: Auch deutsche Unternehmen gehen auf Einkaufstour. Die Zahl ihrer Auslandsübernahmen stieg laut KPMG von 593 auf 622, das Volumen um 15 Prozent auf 42,9 Milliarden Dollar. Das Verhältnis spricht allerdings Bände – rund dreimal so viel Kapital fließt in die Übernahme deutscher Firmen wie umgekehrt.
Und der Trend dürfte sich fortsetzen. KPMG rechnet bis 2028 mit rund 1.300 Inlandsdeals, ein Plus von 22 Prozent. Die Übernahmen durch ausländische Käufer sollen um 13 Prozent auf 1.039 steigen. Als Treiber gilt der Umbruch durch Künstliche Intelligenz. Die Frage ist nur, wie viel deutsche Industrie am Ende noch in deutscher Hand bleibt.
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