
Saudi-Arabien umgeht die Straße von Hormuz: Ölexporte über das Rote Meer explodieren

Während die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten weiter eskalieren und Iran die strategisch bedeutsame Straße von Hormuz für saudische Schiffe blockiert, zeigt das Königreich Saudi-Arabien eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Riad hat seine Ölexporte über den Hafen Yanbu am Roten Meer in nur zwei Wochen verdoppelt und peilt nun die magische Marke von 5 Millionen Barrel pro Tag an – ein Ziel, das in greifbarer Nähe liegt.
Die Lebensader durch die Wüste
Das Herzstück dieser gewaltigen Umleitung ist die sogenannte East-West-Pipeline, ein 1.200 Kilometer langer Stahlkoloss, der das Verarbeitungszentrum Abqaiq mit dem Hafen Yanbu verbindet. Die nominale Kapazität dieser Leitung beträgt 7 Millionen Barrel täglich. Allerdings werden davon rund 2 Millionen Barrel für die Versorgung inländischer Raffinerien in Riad sowie an der Küste des Roten Meeres bei Yanbu und Jizan benötigt – hinzu kommen Kraftwerke und Entsalzungsanlagen, die ebenfalls ihren Tribut fordern.
In den fünf Tagen bis zum vergangenen Dienstag erreichten die Rohöllieferungen aus den Terminals Yanbu South und Yanbu North bereits durchschnittlich 4,4 Millionen Barrel pro Tag. Ein beachtlicher Wert, der die Entschlossenheit des Königreichs unterstreicht, sich nicht von iranischer Aggression in die Knie zwingen zu lassen.
Noch immer klafft eine Lücke von 2 Millionen Barrel
So beeindruckend die logistische Meisterleistung auch sein mag – sie reicht bei Weitem nicht aus, um die Verluste vollständig zu kompensieren. Selbst wenn das Ziel von 5 Millionen Barrel erreicht wird, bleiben die saudischen Rohölexporte rund 2 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau. Das ist zwar weit entfernt von den apokalyptischen Szenarien, die noch vor wenigen Tagen die Märkte in Panik versetzten und den Brent-Preis auf 120 Dollar trieben, doch von Normalität kann keine Rede sein.
Erschwerend kommt hinzu, dass geschätzte 56 Millionen Barrel saudisches Rohöl auf Tankern im Persischen Golf festsitzen. Diese Ladungen wurden Ende Februar und Anfang März aufgenommen, können aber die Straße von Hormuz nicht passieren. Ein schwimmender Schatz, eingesperrt wie in einem goldenen Käfig.
Eine Armada wartet vor Yanbu
Mindestens 40 Öltanker, die meisten davon Supertanker mit einer Kapazität von jeweils rund 2 Millionen Barrel, liegen derzeit vor Yanbu vor Anker und warten auf ihre Ladung. Bemerkenswert ist dabei, dass mehrere Schiffe auf dem Weg zum saudischen Hafen ihre automatischen Positionssignale im Arabischen Meer abgeschaltet haben – ein Hinweis darauf, dass die tatsächlichen Exportzahlen möglicherweise noch höher liegen als offiziell erfasst.
Die bereits beladenen Tanker steuern überwiegend nach Asien. China und Indien dominieren die Lieferströme, gefolgt von Südkorea, Pakistan und Thailand. Japanische Kunden werden derweil aus Lagertanks auf der Insel Okinawa versorgt, wo der staatliche Ölkonzern Aramco Speicherkapazitäten von 8,2 Millionen Barrel unterhält – eine vorausschauende Investition, die sich nun als goldrichtig erweist.
Europa am Tropf der Sumed-Pipeline
In den ersten Tagen des Konflikts wurden die Lieferungen aus Yanbu zunächst nach Norden zur Sumed-Pipeline geleitet, die Ägypten durchquert und den Suezkanal umgeht. Saudi-Arabien belädt üblicherweise am Terminal Sidi Kerir an der ägyptischen Mittelmeerküste Tanker für europäische Kunden und die Ostküste Nordamerikas. Ob diese Route langfristig die Versorgungssicherheit Europas gewährleisten kann, bleibt abzuwarten.
Für Deutschland und Europa sollte diese Entwicklung ein weiterer Weckruf sein. Die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten aus geopolitisch instabilen Regionen bleibt ein massives Risiko – eines, das durch ideologiegetriebene Energiepolitik nicht kleiner wird, sondern größer. Wer gleichzeitig Kernkraftwerke abschaltet, Kohlekraftwerke stilllegt und auf russisches Gas verzichtet, der macht sich verwundbar. Und Verwundbarkeit ist in einer Welt, in der Seewege über Nacht blockiert werden können, ein Luxus, den sich niemand leisten sollte.
Gold und Edelmetalle als Krisenversicherung
Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten zeigt einmal mehr, wie fragil die globale Ordnung ist. In Zeiten, in denen Ölpreise über Nacht um zweistellige Prozentsätze steigen können und geopolitische Konflikte ganze Handelsrouten lahmlegen, erweist sich physisches Gold einmal mehr als das, was es seit Jahrtausenden ist: ein verlässlicher Wertspeicher in unsicheren Zeiten. Wer sein Vermögen nicht allein dem Wohlwollen von Zentralbanken und der Stabilität von Seewegen anvertrauen möchte, tut gut daran, Edelmetalle als festen Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios zu betrachten.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jeder Anleger ist selbst dafür verantwortlich, eigene Recherchen durchzuführen und seine Anlageentscheidungen auf Basis seiner individuellen Situation zu treffen. Eine Haftung für Verluste, die durch Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels entstehen, wird ausdrücklich ausgeschlossen.

Aufzeichnung Enteignungswelle 2026
Ernst Wolff, Roland Tichy, Philip Hopf, Thilo Sarrazin, Regenauer & Thurn und Taxis zeigen, wie Sie Ihr Vermögen schützen.
Ihre Webinar-Pakete
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











