
Rubios Münchner Auftritt: Wenn Amerika Europa die „neue Weltordnung" erklärt

Es ist ein Schauspiel, das man inzwischen zur Genüge kennt: Ein hochrangiger US-Vertreter reist nach Europa, versichert den Verbündeten seine tiefe Zuneigung – und macht im selben Atemzug unmissverständlich klar, dass die Zeiten des transatlantischen Wohlfühlklubs endgültig vorbei sind. US-Außenminister Marco Rubio hat vor seinem Abflug zur Münchner Sicherheitskonferenz genau dieses Drehbuch bedient. „Europa ist uns wichtig", ließ er verlauten. Doch wer genau hinhörte, vernahm zwischen den Zeilen eine unmissverständliche Botschaft: Kümmert euch endlich selbst um eure Sicherheit.
Die alte Welt ist tot – lang lebe die neue Ära
Rubio wählte am Donnerstag vor Journalisten Worte, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten waren. Die Welt, in der er aufgewachsen sei, existiere schlicht nicht mehr. Wir lebten in einer „neuen Ära der Geopolitik", und diese werde alle Nationen dazu zwingen, ihre Rolle fundamental zu überdenken. Man mag das als diplomatische Floskel abtun – oder als das, was es tatsächlich ist: eine kaum verhüllte Aufforderung an die europäischen NATO-Partner, endlich ihre chronische Unterfinanzierung der Verteidigung zu beenden.
Und damit hat Rubio, so unbequem seine Worte für manchen europäischen Politiker auch klingen mögen, schlicht recht. Jahrzehntelang hat sich Europa unter dem amerikanischen Sicherheitsschirm gemütlich eingerichtet, während die eigenen Streitkräfte systematisch kaputtgespart wurden. Deutschland, einst wirtschaftliches Kraftzentrum des Kontinents, hat seine Bundeswehr in einen Zustand versetzt, der bestenfalls als bemitleidenswert zu bezeichnen ist. Dass ausgerechnet Washington nun den Europäern den Spiegel vorhält, ist bitter – aber verdient.
Ukraine-Krieg: Mitgefühl ja, Blankoscheck nein
Zur Lage in der Ukraine äußerte sich der US-Außenminister betont besorgt. Die russischen Angriffe in der kalten Jahreszeit verursachten „unvorstellbares Leid". Man habe über ein Jahr lang hart daran gearbeitet, diesen Krieg zu beenden, so Rubio. Ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stehe voraussichtlich auf dem Programm. Doch die Tonalität verrät viel: Die Trump-Administration setzt offenkundig auf Verhandlungen, nicht auf eine endlose Eskalationsspirale. Ob das den Hardlinern in Brüssel und Berlin gefällt oder nicht.
Bemerkenswert ist auch Rubios geplante Weiterreise nach Ungarn und in die Slowakei. Beide Länder hatten im Januar angekündigt, rechtliche Schritte gegen das von der EU beschlossene Verbot russischer Gasimporte einzuleiten. Rubio erklärte, Präsident Trump unterstütze den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán ausdrücklich. Auf die Frage, ob er Budapest und Bratislava auffordern werde, keine russische Energie mehr zu beziehen, blieb er diplomatisch vage: Man werde „diese Gespräche führen". Eine klare Absage an den Konfrontationskurs, den Brüssel gegenüber den beiden Ländern fährt.
Merz' Feuertaufe auf der großen Bühne
Für Bundeskanzler Friedrich Merz wird die Sicherheitskonferenz zur ersten echten außenpolitischen Bewährungsprobe. Er soll am Freitag eine Grundsatzrede halten – vor mehr als tausend Teilnehmern aus rund 120 Staaten, darunter über 60 Staats- und Regierungschefs. Begleitet wird er von Außenminister Johann Wadephul, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Finanzminister Lars Klingbeil.
Die Erwartungen sind enorm. Merz muss beweisen, dass Deutschland unter seiner Führung mehr ist als ein wirtschaftlicher Riese auf tönernen sicherheitspolitischen Füßen. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur klingt auf dem Papier beeindruckend, doch die Frage bleibt: Wie viel davon fließt tatsächlich in die Verteidigungsfähigkeit – und wie viel versickert in bürokratischen Kanälen und ideologischen Prestigeprojekten?
Eines hat Rubios Auftritt jedenfalls unmissverständlich klargemacht: Die Zeiten, in denen sich Europa bequem hinter Amerika verstecken konnte, sind unwiderruflich vorbei. Ob die europäischen Regierungen – allen voran die deutsche – diese Botschaft diesmal wirklich verstehen, oder ob sie wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten einfach zur Tagesordnung übergehen, wird die entscheidende Frage der kommenden Monate sein. Die Geschichte lehrt leider: Optimismus wäre fehl am Platz.
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