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03.08.2026
05:50 Uhr

Rente mit 63 vor dem Aus: Wenn Ökonomen den Fleißigen die Rechnung präsentieren

Rente mit 63 vor dem Aus: Wenn Ökonomen den Fleißigen die Rechnung präsentieren

Es ist ein bemerkenswertes Schauspiel, das sich derzeit in Berlin abspielt. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hat sich unmissverständlich dafür ausgesprochen, die sogenannte „Rente mit 63“ zu beerdigen. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte er, ohne diesen Baustein sei die gesamte Rentenreform faktisch erledigt – die Bundesregierung müsse dann komplett von vorn anfangen und die Finanzierung der gesetzlichen Rente von Grund auf neu denken.

Wer 45 Jahre schuftet, soll künftig länger schuften

Worum geht es konkret? Die umgangssprachlich als „Rente mit 63“ bezeichnete Regelung erlaubt es Menschen, die 45 Beitragsjahre vorweisen können, ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Das betrifft in aller Regel jene, die früh ins Berufsleben eingestiegen sind – der Handwerker, der mit sechzehn seine Lehre begann, die Krankenschwester, die seit ihrem achtzehnten Lebensjahr im Schichtdienst steht. Genau diese Gruppe soll nun offenbar die Zeche zahlen.

Fratzscher argumentiert, ohne Abschaffung drohe die gesetzliche Rente noch stärker von Jung zu Alt und von Arm zu Reich umzuverteilen. Profitieren würden vor allem Besserverdienende und Männer – nicht diejenigen, denen Altersarmut drohe. Ein Argument, das auf den ersten Blick sozial klingt, bei näherem Hinsehen aber die eigentliche Frage elegant umschifft: Warum trifft es immer jene, die eingezahlt haben?

„Wer 45 Jahre eingezahlt hat, hat genug eingezahlt. Diesen Grundsatz geben wir nicht auf.“ – so die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Mario Voigt und Sven Schulze in einem Brief an die Bundesregierung.

Die Rechnung mit den 125.000 Phantom-Arbeitskräften

Fratzscher rechnet vor, die Streichung könne pro Rentenjahrgang 125.000 zusätzliche Beschäftigte bringen und langfristig zehn Milliarden Euro einsparen. Nur: Wo genau sollen diese Menschen in einer Volkswirtschaft arbeiten, die seit Jahren stagniert, in der Industriebetriebe abwandern und die Energiekosten zu den höchsten der westlichen Welt zählen? Ein Ökonom, der Arbeitskräftepotenziale addiert, ohne die Nachfrageseite zu betrachten, betreibt Buchhaltung, keine Volkswirtschaftslehre.

Und noch ein Punkt bleibt unbeantwortet: Über Jahre wurde dem Bürger erklärt, die Zuwanderung sichere unsere Renten. Millionen Menschen sind seither ins Land gekommen. Wo also bleibt der versprochene Beitragsschub? Stattdessen soll nun der Facharbeiter, der vier Jahrzehnte lang Beiträge abgeführt hat, zwei Jahre länger ranklotzen.

Union zerlegt sich, SPD grinst

In der CDU herrscht Chaos. Generalsekretärin Franziska Hoppermann und Fraktionschef Thorsten Frei wollen an der Abschaffung festhalten, Markus Söder assistiert im ARD-Sommerinterview mit dem Verweis auf die Demografie. Die ostdeutschen Landeschefs hingegen stemmen sich dagegen – sie wissen offenbar noch, wie sich Wähler anfühlen, die morgens früh aufstehen.

Arbeitsministerin Bärbel Bas wiederum spricht von einem „Gesamtkunstwerk“, aus dem man nicht einzelne Teile herauspicken könne. Zugleich signalisierte sie im ZDF-Sommerinterview, die SPD wäre wohl kaum dagegen, sollte die Union die Regelung doch behalten wollen. Kanzler Friedrich Merz und Bas hatten Ende Juni noch gemeinsam die vollständige Umsetzung der Kommissionsvorschläge angekündigt. Nun steht die Union da – zerstritten und in der Defensive.

Das eigentliche Problem heißt nicht Rente mit 63

Bemerkenswert bleibt, an welcher Stelle gespart werden soll. Ausgerechnet dort, wo Menschen jahrzehntelang Beiträge geleistet haben. Während beitragsunabhängige Sozialleistungen kaum je ernsthaft zur Debatte stehen und ein 500-Milliarden-Sondervermögen künftige Generationen mit Zinslasten fesselt, entdeckt man die Sparsamkeit beim Rentner. Rente ist kein Almosen. Sie ist ein erworbener Anspruch – erarbeitet, erlitten, verdient.

Wer in solchen Zeiten sein Vermögen sichern will, tut gut daran, sich nicht allein auf staatliche Zusagen zu verlassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie unabhängig von politischen Kurswechseln Kaufkraft bewahren – als sinnvolle Ergänzung eines breit gestreuten Portfolios.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst. Für Fragen zu Rente, Steuern oder rechtlichen Ansprüchen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Rechts- oder Steuerberater.

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