
Rekordarbeitslosigkeit unter Ingenieuren – und trotzdem fehlen 96.760 Fachkräfte: Das deutsche Wirtschaftswunder frisst seine Kinder

58.392 arbeitslose Ingenieure und IT-Spezialisten – so viele wie nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Gleichzeitig stehen fast 100.000 Stellen leer. Wer glaubt, das sei ein statistischer Zufall, hat die Lage in diesem Land nicht verstanden. Es ist das Protokoll einer Deindustrialisierung mit Ansage.
Der neue Ingenieurmonitor des Vereins Deutscher Ingenieure und des Instituts der deutschen Wirtschaft, am Sonntag in Berlin präsentiert, liest sich wie ein medizinischer Befund: Der Patient hat Fieber und friert zugleich. 58.392 Arbeitslose in technischen Berufen im vierten Quartal 2025 – historischer Höchststand. Dem gegenüber 96.760 offene Stellen, immerhin 18,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein Arbeitsmarkt, der sich selbst widerspricht.
Die längste Stagnation seit der Wiedervereinigung
Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: Seit Ende 2022 bewegt sich die deutsche Wirtschaftsleistung bestenfalls seitwärts, zwischenzeitlich rutschte die Republik in eine technische Rezession. Es ist die längste Schwächephase seit der Wiedervereinigung. Während in Berlin über Sondervermögen, Klimaneutralität im Grundgesetz und immer neue Milliardenpakete debattiert wird, verliert das Land genau jene Substanz, die diese Schulden eines Tages bedienen soll.
Besonders brutal trifft es das industrielle Rückgrat: die Automobilindustrie. Der politisch verordnete Umstieg auf die Elektromobilität kostet Zehntausende Arbeitsplätze – schlicht deshalb, weil ein E-Auto weniger Hände braucht als ein Verbrenner. Wer das nicht wusste, hat entweder nicht zugehört oder wollte es nicht wissen. Parallel dazu verlieren die deutschen Hersteller auf dem chinesischen Markt dramatisch an Boden, während chinesische Konkurrenten mit staatlicher Rückendeckung in Europa einmarschieren. Das ist kein Marktversagen. Das ist Politikversagen.
Wo der Staat zahlt, brummt es – wo der Markt zählt, brennt es
Die Zahlen zeigen die Spaltung mit schmerzhafter Klarheit. In technischer Forschung und Produktionssteuerung – jenen Bereichen, die eng mit Autoindustrie und Maschinenbau verwoben sind – schoss die Arbeitslosigkeit binnen eines Jahres um 34 Prozent nach oben. Im Bauingenieurwesen dagegen, wo staatliche Infrastrukturprogramme und Energiewendeprojekte für Nachfrage sorgen, stieg sie nur um moderate 5,8 Prozent. Mit 34.150 offenen Stellen entfällt dort mehr als ein Drittel aller Vakanzen. Auch Informatik (22.670) und Energie- und Elektrotechnik (13.430) suchen händeringend.
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir zwischen kurzfristiger Konjunkturlage und langfristigem Fachkräftebedarf unterscheiden müssen“, erklärte VDI-Direktor Adrian Willig bei der Vorstellung des Monitors.
Übersetzt heißt das: Die produktive, exportstarke Privatwirtschaft baut ab, während der staatlich alimentierte Sektor aufsaugt, was übrig bleibt. Eine Volkswirtschaft, die ihre Ingenieure von der Motorenentwicklung zur Wärmepumpenverwaltung umschichtet, mag statistisch beschäftigt sein. Reich wird sie davon nicht.
Das Zuwanderungsargument – und was dabei gern verschwiegen wird
Zwischen 2012 und 2025 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ingenieur- und IT-Berufen um 224.700 Personen. Ohne Zuwanderung wären es nur 91.800 gewesen, rechnet der Monitor vor. Diese Zahl wird nun politisch als Beleg dafür herumgereicht, dass es ohne offene Grenzen nicht gehe. Doch das ist eine verkürzte Lesart. Denn sie beantwortet nicht die eigentliche Frage: Warum bringt eines der teuersten Bildungssysteme der Welt zu wenige eigene Ingenieure hervor? Warum sitzen an deutschen Universitäten Zehntausende in Studiengängen, deren volkswirtschaftlicher Ertrag gegen null tendiert, während Mathematik, Physik und Maschinenbau um Nachwuchs betteln?
Deutschland betreibt seit Jahren eine Politik, die den Ingenieur zum Klimasünder erklärt und die Karriere im Verbrennerwerk zum Auslaufmodell gestempelt hat. Dass junge Menschen sich daraufhin anderen Pfaden zuwenden, ist keine Überraschung, sondern die logische Reaktion auf jahrelange Signale aus Berlin.
Reformkurs – oder nur ein neuer Anstrich?
VDI-Direktor Willig mahnte, bei Nachwuchsförderung und Qualifizierung nicht nachzulassen. Es brauche verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung. VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt nannte als Hebel unter anderem die gezielte Nachwuchsförderung, mehr Frauen in technischen Berufen, Anreize für ältere Beschäftigte und die bessere Integration internationaler Studierender.
Alles richtig. Alles seit Jahren bekannt. Und alles wertlos, solange Energiepreise auf Weltrekordniveau, eine erdrückende Bürokratie und eine Steuerlast, die international ihresgleichen sucht, jedes unternehmerische Engagement im Keim ersticken. Kein Ingenieur der Welt rettet einen Standort, an dem sich Produktion schlicht nicht mehr rechnet. Die Große Koalition unter Friedrich Merz hat den Reformkurs versprochen – geliefert wurden bislang vor allem 500 Milliarden Euro neue Schulden und ein Klimaziel im Grundgesetz. Das ist kein Reformkurs. Das ist eine Hypothek auf kommende Generationen.
Was das für Ihr Vermögen bedeutet
Wenn die industrielle Substanz eines Landes erodiert, während die Staatsverschuldung explodiert, gibt es am Ende nur einen Ausweg, den Regierungen historisch stets gewählt haben: die Entwertung der eigenen Währung. Wer Jahrzehnte an Lebensarbeitszeit in Papierwerte gesteckt hat, sollte diese Rechnung kennen. Physisches Gold und Silber haben in jeder Wirtschaftskrise der vergangenen Jahrhunderte bewiesen, dass sie Kaufkraft konservieren, wo Papierversprechen zerfallen – unabhängig davon, welche Koalition gerade in Berlin am Ruder ist. Eine durchdachte Beimischung echter Edelmetalle gehört deshalb in jedes breit gestreute Vermögensportfolio.
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