
Quarks-Liste: Wer „Meinungsfreiheit“ sagt, klingt für den WDR populistisch

Das WDR-Wissenschaftsformat Quarks hat auf Instagram eine Anleitung veröffentlicht, an der man populistische Aussagen erkennen könne. Neben Klassikern wie „Spaltung“ und „einfache Lösungen“ taucht dort ein Merkmal auf, das für Diskussionen sorgt: die Verwendung „liberaler Begriffe wie Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung“. Der Beitrag erschien wenige Tage vor drei Landtagswahlen.
Drei Wahlen, ein Erklärstück
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, zwei Wochen später folgen Mecklenburg-Vorpommern und das Berliner Abgeordnetenhaus. Quarks nimmt sich in dem Post Wahlplakate und Wahlversprechen vor – unter der Überschrift, warum Populisten ihre Versprechen nicht halten könnten.
Solche Aussagen, so die Darstellung des Formats, polarisierten, spalteten und versprächen „einfache Lösungen für viel zu komplexe Probleme“. Als Erkennungsmerkmale nennt der Beitrag unter anderem die künstliche Einteilung in „Wir, das Volk“ und „die da oben“ sowie den Anspruch, die „kleinen Leute“ zu vertreten.
Der heikelste Punkt: „Positionierung als Mitte“
Brisant wird es beim Merkmal „Positionierung als Mitte“. Diese erfolge laut Quarks auch dadurch, dass eben jene liberalen Begriffe Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung benutzt würden – und man Populisten unter anderem daran erkennen könne.
Man muss kein Medienkritiker sein, um darin ein Problem zu sehen: Meinungsfreiheit ist Artikel 5 des Grundgesetzes. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit steht in Artikel 2. Wenn ausgerechnet ein gebührenfinanziertes Format die Verwendung von Verfassungsvokabular zum Warnsignal erklärt, wirkt das aus Sicht unserer Redaktion wie ein Eigentor – und es dürfte kaum dazu beitragen, das ohnehin angeschlagene Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu stärken.
Was hinter den Zahlen steckt
Wirtschaftlich stützt sich Quarks auf Forschung, die einen realen Hintergrund hat: Eine vielzitierte Studie am Kieler Institut für Weltwirtschaft hat rund 50 populistische Regierungschefs über etwa 120 Jahre in 60 Ländern untersucht. Ergebnis: Nach 15 Jahren liege das Pro-Kopf-BIP rund zehn Prozent unter dem Wert eines Vergleichsszenarios ohne populistische Führung.
Nur: Diese Datenbasis umfasst Regierungen von links wie rechts, von Lateinamerika bis Südeuropa. Wer daraus eine Wahlkampfhilfe für die heimische Parteienlandschaft bastelt, verkürzt selbst – ausgerechnet beim Vorwurf der Verkürzung.
Inflation und Schulden – ein Argument mit Rückwirkung
Auch beim Thema Preise verweist das Format auf Studien: Unter populistischen Regierungen steige die Inflationswahrscheinlichkeit, Grund sei eine kurzsichtige Wirtschaftspolitik mit höheren Schulden. Ein nachvollziehbarer Zusammenhang – der allerdings auch unangenehme Fragen an die etablierte Politik stellt.
Denn Schulden macht in Deutschland gerade nicht die Opposition. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und die im Grundgesetz verankerte Klimaneutralität bis 2045 belasten künftige Generationen – beschlossen von einer Koalition, deren Kanzler zuvor Haushaltsdisziplin versprochen hatte.
Für Sparer bleibt daraus eine nüchterne Lehre: Wer Geldentwertung fürchtet, sollte sich nicht auf politische Versprechen verlassen. Physisches Gold und Silber sind seit Jahrhunderten die Antwort auf entwertete Währungen – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung dar. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.












