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Putins Krieg nach dem Micawber-Prinzip: Warten, dass sich etwas ergibt

Putins Krieg nach dem Micawber-Prinzip: Warten, dass sich etwas ergibt

Es gibt literarische Vergleiche, die auf den ersten Blick absurd erscheinen – und auf den zweiten Blick erschreckend treffend sind. Wladimir Putin und Wilkins Micawber, jene unsterbliche Figur aus Charles Dickens' Feder, könnten unterschiedlicher kaum sein. Der eine ein jovialer Taugenichts mit unerschütterlichem Optimismus, der andere ein grüblerischer Machtmensch, dessen seltene öffentliche Scherze stets der Demütigung anderer dienen. Und doch verbindet sie ein gemeinsames Credo: „Irgendetwas wird sich schon ergeben."

Ein Krieg ohne militärischen Sieg in Sicht

Vier Jahre nach dem Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine zeichnet sich ein ernüchterndes Bild ab – für beide Seiten. Putins Streitkräfte haben es trotz kolossaler Verluste an Menschenleben und Material nicht einmal geschafft, die gesamte Donbas-Region unter ihre Kontrolle zu bringen. Vor dem Einmarsch kontrollierte Russland etwa sieben Prozent des ukrainischen Territoriums. Einen Monat nach Kriegsbeginn waren es rund 27 Prozent. Seither jedoch stagniert die Besatzung bei etwa 18 bis 19 Prozent, wie Analysen des Belfer Center der Harvard-Universität zeigen.

Gewiss, im vergangenen Jahr haben russische Truppen unter enormem Aufwand rund 4.700 Quadratkilometer erobert – ungefähr die doppelte Fläche Moskaus. Doch einen Durchbruch durch den ukrainischen Festungsgürtel, der sich über 50 Kilometer im westlichen Donezk erstreckt, konnten sie nicht erzielen. In der benachbarten Region Saporischschja mussten die Russen sogar zurückweichen. Selbst dort, wo punktuelle Durchbrüche gelangen – etwa bei der Sommeroffensive nahe Pokrowsk –, fehlte es an Soldaten und Nachschub, um den Vorstoß auszuweiten. Die allgegenwärtigen ukrainischen Drohnen machen jede größere Truppenkonzentration zu einem tödlichen Risiko.

Warum Putin dennoch weitermacht

Die Frage drängt sich auf: Warum hält Putin an einem Krieg fest, der militärisch nicht zu gewinnen scheint? Die Antwort ist so simpel wie beunruhigend. Der russische Präsident braucht einen vorzeigbaren Sieg, um die gewaltigen Kosten vor seiner eigenen Bevölkerung zu rechtfertigen. Ein Rückbau der Kriegswirtschaft birgt nach Einschätzung der russischen Analystin Ella Paneyakh erhebliche innenpolitische Risiken. Es würde Gewinner und Verlierer geben – und was geschieht mit den Hunderttausenden Veteranen?

Hier greift das Micawber-Prinzip. Trotz aller Belastungen verfügt Russland noch über die Kapazität, den Krieg eine Weile fortzuführen. Der im Exil lebende russische Journalist Dmitri Kusnez schreibt für das Carnegie Russia Eurasia Center, die nach den Niederlagen von 2022 neu aufgestellte russische Militärmaschinerie funktioniere „ordentlich". Die Behörden seien in der Lage, die laufenden Verluste an Personal und Ausrüstung zu kompensieren. Allerdings – und das ist der entscheidende Punkt – gebe es keine Kapazität, das Volumen der eingesetzten Ressourcen signifikant zu erhöhen.

Die ukrainische Personalkrise: Das verschwiegene Problem

Während viel über die Raketenlücke zwischen der Ukraine und Russland geschrieben wird, über die verheerenden Drohnen- und Raketenangriffe, die Kiews Luftverteidigungsvorräte einschließlich der Patriot-Raketen erschöpfen, bleibt ein noch gravierenderes Problem weitgehend im Schatten der Berichterstattung: die Personalmathematik.

Die Zahlen sind alarmierend. Rund zwei Millionen Ukrainer werden wegen Verstößen gegen die Musterungspflicht gesucht, wie der neue Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow vergangenen Monat einräumte. Im November offenbarte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft 310.000 laufende Strafverfahren wegen unerlaubter Abwesenheit und Desertion – der Großteil davon aus dem Jahr 2025. Die ukrainischen Streitkräfte rekrutieren schlicht nicht genügend Soldaten, um die Verluste und Desertionen auszugleichen.

Eine Studie des Stockholmer Zentrums für Osteuropastudien benennt die Ursachen schonungslos: institutionelle Schwäche und Korruption, soziale Erschöpfung und mentale Ermüdung, Defizite in der militärischen Ausbildung und Führung, demografische und wirtschaftliche Zwänge sowie der Einfluss russischer Propaganda. Die Mobilisierung sei unpopulär, die Bereitschaft zum Dienst schwinde.

„Bis zum letzten Ukrainer"

Ukrainische Oppositionspolitiker weisen darauf hin, dass die wachsende Dienstverweigerung auch von einer zunehmenden Wahrnehmung befeuert werde, der Westen sei bereit, diesen Krieg „bis zum letzten Ukrainer" zu führen. Dieser bittere Satz war im vergangenen Jahr immer häufiger in Gesprächen mit gewöhnlichen Ukrainern zu hören – getränkt von wachsendem Groll gegenüber Donald Trumps Amerika, das sich scheinbar russischen Narrativen angenähert und direkte US-Militärhilfe eingestellt habe, aber auch gegenüber EU-Blockierern wie Ungarn, das diese Woche versuchte, ein vereinbartes 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine zu verhindern.

Man muss sich diese Situation einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Land kämpft um sein Überleben als unabhängige, pro-westliche Nation – was für Europas eigene Sicherheit von entscheidender Bedeutung wäre –, und der Westen streitet sich über Kreditlinien und diplomatische Finessen. Es ist ein Trauerspiel, das auch die europäische Verteidigungspolitik in einem erbärmlichen Licht erscheinen lässt.

Steht die Ukraine vor dem Zusammenbruch?

Putin mag genau darauf hoffen. Seine unerbittliche winterliche Bombardierung der ukrainischen Energieinfrastruktur zielt offenkundig darauf ab, die kriegsmüde Bevölkerung zu zermürben und ihren Widerstandswillen zu brechen. Doch der ehemalige Präsident Petro Poroschenko, der erste gewählte Staatschef nach dem Euromaidan 2013/14, glaubt nicht an einen baldigen Zusammenbruch. In einem Interview am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz sprach er allerdings offen über die aktuelle Fragilität seines Landes.

Poroschenko sorgt sich, dass sein Nachfolger und erbitterter politischer Rivale Wolodymyr Selenskyj einen taktischen Fehler begangen habe, indem er von der simplen Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand abgerückt sei und sich in Verhandlungen habe hineinziehen lassen. Diese Verhandlungen drohten, die ohnehin wachsende politische Unruhe in der Ukraine weiter anzufachen – befeuert durch eine Serie von Korruptionsskandalen, die den nationalen Zusammenhalt untergrüben.

Die territorialen Zugeständnisse, die Putin fordert, seien Teil eines russischen Szenarios, „um die innenpolitische Situation in der Ukraine zu destabilisieren", so Poroschenko.

Sollte ein Abkommen zustande kommen, müsste es einem Referendum unterzogen werden – und der Widerstand gegen jede Abtretung von Territorium, das die Russen nicht einmal militärisch erobern konnten, wäre gewaltig. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie eine Debatte über Gebietsabtretungen schnell außer Kontrolle geraten und Turbulenzen – oder Schlimmeres – auslösen könnte. Viele Patrioten, die im Krieg gekämpft haben, würden dies als Dolchstoß empfinden. Die Oppositionsabgeordnete Oleksandra Ustinowa brachte es auf den Punkt: Das Parlament werde so etwas niemals verabschieden. Es würde als Kapitulation angesehen.

Das Dilemma beider Seiten

Möglicherweise erklärt genau dieses Szenario, warum russische Unterhändler in der zweiten Runde der trilateralen Friedensverhandlungen ernsthafter aufgetreten sein sollen und warum auch die militärischen und geheimdienstlichen Gespräche über eine entmilitarisierte Zone pragmatischer gewirkt hätten.

Putin steckt in einem Dilemma. Sein Krieg ist auf dem Schlachtfeld nicht zu gewinnen – dafür fehlt ihm die Stärke, die Ukraine zu erobern. Aber er wartet darauf, dass sich etwas ergibt. Die Ukraine wiederum muss durchhalten: Sie kann den Krieg ebenfalls nicht gewinnen und alles verlorene Land zurückerobern, aber sie muss überleben – in der Hoffnung, dass Russland irgendwann ermüdet und Putin gezwungen wird, ernsthaft zu verhandeln.

Für Europa und insbesondere für Deutschland sollte diese Pattsituation ein Weckruf sein. Die Frage, wie lange dieser Zermürbungskrieg noch andauern wird und welche Konsequenzen er für die europäische Sicherheitsarchitektur hat, wird in Berlin mit einer Nonchalance behandelt, die an Fahrlässigkeit grenzt. Statt in die eigene Verteidigungsfähigkeit zu investieren und klare strategische Prioritäten zu setzen, verliert sich die deutsche Politik in ideologischen Grabenkämpfen und schuldenfinanzierten Sondervermögen, deren Nutzen für die tatsächliche Sicherheit des Landes mehr als fraglich bleibt. Das Micawber-Prinzip – „Irgendetwas wird sich schon ergeben" – scheint nicht nur in Moskau, sondern auch in mancher europäischen Hauptstadt zum Leitmotiv geworden zu sein.

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