
Porsche und die Rechenkunst der Verzweiflung: Ein Drittel mehr Gewinn â und trotzdem fliegen 5.000 Mitarbeiter raus

Zahlen können lĂŒgen. Nicht durch Falschheit, sondern durch Auswahl. Der Stuttgarter Sportwagenbauer meldet fĂŒr das erste Halbjahr 2026 ein operatives Ergebnis von 1,35 Milliarden Euro â nach 1,01 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Ein Plus von rund einem Drittel. Klingt nach Aufbruch. Ist aber der Versuch, aus einem TrĂŒmmerhaufen eine Erfolgsgeschichte zu formen.
Der Blick hinter die Pressemitteilung
Wer die Meldung liest und dabei das Vorjahr ausblendet, könnte tatsĂ€chlich glauben, in Zuffenhausen laufe alles wieder rund. Nur: Im ersten Halbjahr 2025 war das operative Ergebnis um zwei Drittel eingebrochen. Man vergleicht also die Erholung mit dem Absturz â und nennt das Wachstum. Ein Patient, dessen Fieber von 42 auf 40 Grad sinkt, ist nicht gesund. Er stirbt nur langsamer.
Noch deutlicher wird das Bild beim Blick auf das Gesamtjahr 2025: Der operative Gewinn des Porsche-Konzerns sackte um 92,7 Prozent ab â von rund 5,3 Milliarden Euro auf klĂ€gliche 413 Millionen. Die operative Umsatzrendite fiel von 14,1 Prozent auf 1,1 Prozent. Ein Luxushersteller, dessen Marge auf das Niveau eines Discounters fĂ€llt. Der Umsatz schrumpfte von 40,1 auf 36,3 Milliarden Euro.
Absatz im freien Fall â besonders dort, wo es wehtut
Auch die aktuellen Zahlen halten der genaueren Betrachtung nicht stand. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr 2026 um fĂŒnf Prozent auf 17,3 Milliarden Euro. Der Absatz brach um 16 Prozent ein, auf 122.306 Fahrzeuge. Mit Ausnahme des Heimatmarktes Deutschland, wo das Minus mit sechs Prozent noch halbwegs ertrĂ€glich ausfiel, verzeichnete Porsche in sĂ€mtlichen Regionen zweistellige RĂŒckgĂ€nge. Am schwersten wiegt China: minus 32 Prozent auf 14.501 Fahrzeuge.
Der einst wichtigste Wachstumsmarkt der deutschen Premiumhersteller verabschiedet sich â und niemand in Berlin scheint das als Alarmsignal zu begreifen.
Auch das erste Quartal 2026 zeigte bereits, wohin die Reise geht: operatives Ergebnis von 762 auf 595 Millionen Euro gefallen, Umsatz um 5,2 Prozent auf 8,4 Milliarden geschrumpft, Rendite von 8,6 auf 7,1 Prozent gesunken. Das ist keine Delle. Das ist ein Trend.
Die Elektro-Wette und ihre Rechnung
Der eigentliche Grund fĂŒr die Misere trĂ€gt einen Namen, den man in politischen Sonntagsreden gern als Zukunftsversprechen verkauft: ElektromobilitĂ€t. Porsche hat Milliarden in den Ausbau des Elektro-Portfolios gepumpt â und die Kunden bleiben aus. Der Taycan, einst als strahlendes Flaggschiff der Elektrostrategie gefeiert, verlor im GeschĂ€ftsjahr 2025 sage und schreibe 40,2 Prozent seines Absatzes. Ein Sinnbild, treffender könnte es keine Karikatur zeichnen.
Und wĂ€hrend man in Stuttgart die Konsequenzen einer politisch verordneten Technologiewende ausbadet, produzieren BYD, SAIC und Geely munter Premium-Elektroautos zu Preisen, bei denen deutsche Hersteller nicht einmal die Selbstkosten decken wĂŒrden. Kein Wunder: In China sind Energie und Löhne gĂŒnstig, die BĂŒrokratie ĂŒberschaubar, und nahezu jedes Industrieunternehmen wird von der Kommunistischen Partei mit Subventionen gepĂ€ppelt.
Der Standort als Schlachtbank
Der Kern des Problems liegt nicht in Zuffenhausen, sondern in Berlin und BrĂŒssel. Explodierende Energiekosten, eine ausufernde BĂŒrokratie, eine international kaum noch konkurrenzfĂ€hige Steuer- und Abgabenlast â das ist die Rechnung fĂŒr Jahre einer Politik, die Industriepolitik mit Klimaideologie verwechselt hat. Man hat den Verbrenner verteufelt, bevor eine tragfĂ€hige Alternative existierte. Man hat die Kernkraft abgeschaltet und dann ĂŒber Strompreise gestaunt. Und nun wundert man sich, dass WeltmarktfĂŒhrer taumeln.
Die GroĂe Koalition unter Friedrich Merz hat den Kurs bislang nicht korrigiert â im Gegenteil, die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 steht mittlerweile im Grundgesetz. Wer das fĂŒr Standortpolitik hĂ€lt, hat noch nie eine Bilanz gelesen.
Die Zeche zahlen die BeschÀftigten
Porsche reagiert, wie Konzerne in solchen Lagen reagieren: mit dem Rotstift. Bis 2035 sollen weitere 5.000 Stellen wegfallen, nachdem bereits im Vorjahr der Abbau von 3.900 ArbeitsplĂ€tzen beschlossen wurde. Macht summa summarum rund 9.000 gestrichene Jobs seit 2025. Auch bei den GehĂ€ltern soll es Einschnitte geben. Familien, Existenzen, ganze Zulieferketten â alles Kollateralschaden einer Transformation, die niemand von unten bestellt hat.
Wenn selbst Porsche, die Ikone deutscher Ingenieurskunst, ins Straucheln gerÀt, dann ist das kein Betriebsunfall. Dann ist das ein Systembefund.
Was Anleger daraus lernen sollten
Der Fall Porsche zeigt exemplarisch, wie schnell industrielle Substanz verdampfen kann, wenn politische Rahmenbedingungen kippen. Wer sein Vermögen ausschlieĂlich an die Aktienkurse einer Volkswirtschaft koppelt, deren Industriepolitik von ideologischen Zielvorgaben statt von MarktrealitĂ€ten getrieben wird, geht ein erhebliches Risiko ein. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen weder Quartalsberichte noch Stellenabbau â sie sind unabhĂ€ngig von Absatzzahlen, Subventionspolitik und regulatorischen Kehrtwenden. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio erfĂŒllen sie genau die Funktion, die in Zeiten wie diesen zĂ€hlt: Substanzerhalt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Informationen und EinschĂ€tzungen geben die Auffassung unserer Redaktion zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und beruhen auf öffentlich zugĂ€nglichen Quellen. Jede Anlageentscheidung erfordert eine eigenstĂ€ndige PrĂŒfung und liegt in der alleinigen Verantwortung des Anlegers. Eine Haftung fĂŒr VermögensschĂ€den ist ausgeschlossen.
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