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Kettner Edelmetalle
16.01.2026
17:37 Uhr

Philippinen und Frankreich kurz vor historischem Verteidigungsabkommen

Philippinen und Frankreich kurz vor historischem Verteidigungsabkommen

Die geopolitischen Spannungen im Südchinesischen Meer treiben die Philippinen in die Arme europäischer Verbündeter. Ein bahnbrechendes Militärabkommen mit Frankreich steht unmittelbar vor der Unterzeichnung – ein Schritt, der das Kräfteverhältnis in der umkämpften Region nachhaltig verändern könnte.

„Operative Intimität" als neues Schlagwort der Sicherheitspolitik

Die französische Botschafterin in Manila, Marie Fontanel, ließ bei einem Pressegespräch in ihrer Residenz keinen Zweifel daran, dass die Verhandlungen über das sogenannte Status of Forces Visiting Agreement (Sofva) in die finale Phase eingetreten seien. Mit einem Augenzwinkern bemerkte sie: „Bei den Franzosen wünscht man sich ohnehin immer Intimität." Die Unterzeichnung werde voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 erfolgen.

Der Begriff „operative Intimität" beschreibt dabei weit mehr als bloße diplomatische Höflichkeitsfloskeln. Er steht für eine tiefgreifende militärische Zusammenarbeit, die gemeinsame Übungen, Truppenstationierungen und den Austausch von Geheimdienstinformationen umfassen könnte. Für die Philippinen wäre es das erste derartige Abkommen mit einer europäischen Macht überhaupt.

Frankreichs strategische Präsenz im Indo-Pazifik

Was macht ausgerechnet Frankreich zu einem attraktiven Partner für Manila? Die Antwort liegt in der oft unterschätzten französischen Präsenz im Indo-Pazifik. Mit Überseegebieten wie Neukaledonien, Französisch-Polynesien und Réunion unterhält Paris permanente Militärstützpunkte in der Region. Diese geographische Verankerung verleiht dem europäischen NATO-Mitglied eine Glaubwürdigkeit, die anderen westlichen Nationen fehlt.

Beobachter sehen in dem Abkommen einen klugen Schachzug der philippinischen Regierung. Während die Beziehungen zu China wegen der territorialen Streitigkeiten im Südchinesischen Meer zunehmend angespannt sind, diversifiziert Manila seine Sicherheitspartnerschaften geschickt. Neben Frankreich laufen Verhandlungen mit Großbritannien und Deutschland über ähnliche Vereinbarungen.

Balanceakt zwischen den Großmächten

Botschafterin Fontanel betonte allerdings, dass Frankreich trotz seiner Allianz mit den Vereinigten Staaten eine eigenständige Position einnehme. Man werde sich von einer „US-China-Konfrontation" fernhalten, stellte sie klar. Diese Aussage dürfte in Peking mit Interesse zur Kenntnis genommen werden – und in Washington möglicherweise für Stirnrunzeln sorgen.

Die erste Verhandlungsrunde fand bereits Anfang 2025 in Paris statt, die zweite folgte Monate später in Manila. Marita Yoro, stellvertretende Staatssekretärin für internationale Angelegenheiten im philippinischen Verteidigungsministerium, unterstrich die Bedeutung des Abkommens: „Das Sofva ist entscheidend für die Schaffung eines klaren rechtlichen Rahmens zur Unterstützung gemeinsamer militärischer Aktivitäten."

Ein „muskulöses Verteidigungsarsenal" als Ziel

Für die Philippinen geht es um weit mehr als symbolische Gesten. Das Land strebt nach einem „muskulösen Verteidigungsarsenal", wie es Analysten formulieren. Die Kombination aus amerikanischer Unterstützung, japanischer Kooperation und nun europäischer Beteiligung könnte Manila tatsächlich in eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber dem übermächtigen Nachbarn China bringen.

Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie sich die globalen Allianzen im 21. Jahrhundert neu formieren. Europa, lange Zeit als sicherheitspolitischer Zwerg im Indo-Pazifik belächelt, beginnt seine Interessen in der Region aktiver zu vertreten. Ob dies den Frieden sichert oder die Spannungen weiter anheizt, wird die Zukunft zeigen.

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