
Phantom-Gipfel in Brüssel: Selenskyj-Treffen platzt – EU ahnungslos!

Ein Spitzentreffen zum Ukraine-Krieg in Brüssel ist geplatzt, bevor es überhaupt offiziell feststand. Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag Gespräche mit den USA, der EU und der Nato für diese Woche angekündigt. In Brüssel wusste davon aber offenbar niemand etwas. Kiew schob die Verantwortung am Ende nach Washington.
Ein Gipfel, den es nie gab
Im ukrainischen Staatsfernsehen hatte Selenskyj am Sonntag erklärt, die Amerikaner wollten sich nicht mehr mit einem bloßen Briefing begnügen. Sie wollten in Brüssel ausführlich über Sicherheitsgarantien und die Rolle der EU sprechen. Erwartet wurden die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte.
Medienberichten zufolge sollten Witkoff und Kushner die Europäer über ihr jüngstes Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in St. Petersburg informieren. Danach wurde es wirr. Erst hieß es aus Kiew, die Reise sei abgesagt. Am Montagmorgen meldeten Quellen aus Selenskyjs Umfeld, der Präsident fliege doch. Journalisten berichteten bereits darüber, während EU- und Nato-Vertreter die Neuigkeit offenbar ungefähr zur gleichen Zeit erfuhren wie die Öffentlichkeit.
Brüssel packt lieber die Koffer für Kanada
Wie das Portal Kyiv Independent berichtet, sagte ein hochrangiger EU-Beamter, man habe keine Ahnung von dem Besuch gehabt. Man versuche nun herauszufinden, ob Selenskyj überraschend auftauchen wolle. Man reise nach Kanada und erwarte keine Gäste. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa bereiteten sich tatsächlich auf den EU-Kanada-Gipfel in Montreal vor.
Die Kommission teilte nur mit, sie arbeite weiter mit Partnern an einem gerechten und dauerhaften Frieden und habe keine weiteren Informationen. Das ist eine bemerkenswerte Szene. Europa trägt finanziell einen großen Teil der Ukraine-Hilfe, Deutschland zählt zu den größten Unterstützern. Wann und wo über ein Kriegsende gesprochen wird, erfährt man in Brüssel trotzdem offenbar aus der Zeitung.
Trump behält seine Männer daheim
Der Grund für das Durcheinander liegt laut einem Vertreter der ukrainischen Regierung im Weißen Haus. Donald Trump habe Witkoff und Kushner rund um die israelische Parlamentswahl am 27. Oktober in Washington behalten wollen. Ohne die beiden Unterhändler hatte das Treffen keinen Zweck mehr.
Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn erklärte, man könne das Treffen wegen geänderter Pläne auf amerikanischer Seite nicht bestätigen. Dem Bericht zufolge soll es im ukrainischen Kommunikationsteam danach heftigen Streit über die widersprüchlichen Angaben gegeben haben. Ein EU-Beamter habe es diplomatisch formuliert: Man liebe die Ukrainer, sie seien aber manchmal etwas chaotisch.
Das gab es schon einmal
Neu ist so ein Hin und Her nicht. Schon Anfang Dezember 2025 wurde ein Treffen in Brüssel kurzfristig abgesagt. Damals flog Witkoff nach fünfstündigen Gesprächen im Kreml laut Medienberichten direkt in die USA zurück. Für Beobachter zeigt sich ein Muster: Washington bestimmt das Tempo, Europa wartet.
Nächste Station: Abu Dhabi?
Die Gespräche sollen trotzdem weitergehen. Selenskyj hatte am 23. Oktober angekündigt, dass sich Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA im November in Abu Dhabi treffen sollen. Aus dem Kreml hieß es Berichten zufolge, Moskau sei nach dem 4. November zu neuen Gesprächen bereit.
Die EU hofft vorher noch auf eine Runde in Europa. Ein EU-Vertreter räumte allerdings ein, ob es dazu komme, hänge vom Temperament aller Beteiligten ab. Eine feste Zusage gibt es nicht.
Die Folgen sind klar: Solange Brüssel und Berlin bei den entscheidenden Weichenstellungen nur zusehen, bleibt Europas Gewicht am Verhandlungstisch klein. Das gilt auch für die Bundesregierung von Friedrich Merz. Für die Bürger, die den Krieg seit Jahren über Steuern und hohe Energiepreise mitbezahlen, ist das ein schlechtes Zeugnis.
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