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13.06.2026
09:12 Uhr

Personalposse bei der AfD: Chrupalla wollte Ex-Linke ins Boot holen – der Betriebsrat zog die Reißleine

Personalposse bei der AfD: Chrupalla wollte Ex-Linke ins Boot holen – der Betriebsrat zog die Reißleine

Es ist eine Personalie, die selbst eingefleischten Beobachtern der politischen Bühne die Stirn in Falten legt: AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla soll einem Bericht der Jungen Freiheit zufolge ernsthaft erwogen haben, die ehemalige Linken- und BSW-Bundestagsabgeordnete Zaklin Nastic für die AfD-Bundestagsfraktion anzustellen. Ausgerechnet eine Politikerin also, die sich in der Vergangenheit als scharfe Gegnerin eben jener Partei einen Namen gemacht hatte. Doch der eigene Betriebsrat funkte dazwischen – und das einstimmig.

Eine Grundsatzreferentin mit linker Vergangenheit?

Wie es heißt, sei für Nastic die Position einer Grundsatzreferentin im Gespräch gewesen. Eine durchaus einflussreiche Rolle, in der man maßgeblich an der programmatischen Ausrichtung mitwirken kann. Doch der AfD-Betriebsrat soll die Personalie geschlossen abgelehnt haben – mit dem dürren Verweis auf den Betriebsfrieden. Eine Begründung, die man getrost als diplomatische Untertreibung verbuchen darf. Denn der Unmut innerhalb der Fraktion war offenbar erheblich.

„Ich verstehe nicht, was da in Tino gefahren ist, so eine Personalie auch nur zu erwägen“, soll ein nicht namentlich genannter AfD-Abgeordneter geäußert haben.

Chrupalla selbst, der für die Personalentscheidung verantwortlich gewesen sein soll, habe sich auf Anfrage in Schweigen gehüllt. Ein vielsagendes Schweigen, möchte man meinen.

Vom linken Lager über das BSW ins politische Niemandsland

Werfen wir einen Blick auf den Werdegang von Zaklin Nastic. Sie trat 2008 in die Linke ein, kehrte der Partei im Herbst 2023 jedoch gemeinsam mit der Gruppe um Sahra Wagenknecht den Rücken. Im Januar 2024 gehörte sie dem Bundesvorstand des neu gegründeten BSW an, kandidierte 2025 in Hamburg als Spitzenkandidatin – doch das Wagenknecht-Projekt verpasste bekanntlich knapp den Einzug in den Bundestag. Ende März dieses Jahres dann der nächste Bruch: Nastic verließ auch das BSW und kritisierte dessen interne Führungsstruktur.

Interessant ist die Wendung in ihrer Rhetorik. In jüngerer Zeit fand Nastic durchaus versöhnliche Töne in Richtung AfD. Sie lobte Chrupalla namentlich für dessen Forderung nach einem Abzug der US-Soldaten aus Deutschland und kritisierte, dass mit der AfD in den ostdeutschen Ländern nicht über Koalitionen verhandelt werde.

Doch die Vergangenheit lässt sich nicht wegwischen

Wer jedoch glaubt, hier handle es sich um eine geläuterte Konservative, sollte einen genaueren Blick in die Geschichtsbücher werfen. Als Linken-Mitglied agitierte Nastic über Jahre hinweg gegen die AfD, die sie unverhohlen als „Gefahr von rechts“ brandmarkte. Auch mit der Klimabewegung Fridays for Future um Luisa Neubauer und Greta Thunberg zeigte sie sich solidarisch – jener Bewegung also, die für ideologische Verbohrtheit und realitätsferne Forderungen geradezu sinnbildlich steht.

Ein Lehrstück über politische Glaubwürdigkeit

Man muss kein Stratege sein, um die Brisanz dieser Personalie zu erkennen. Eine Partei, die sich als klare Alternative positioniert, verspielt ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie ausgerechnet ehemalige Gegner aus dem linken Spektrum mit einflussreichen Posten betrauen will. Dass der Betriebsrat hier ein Machtwort sprach und die Notbremse zog, dürfte vielen Anhängern als Beweis funktionierender innerparteilicher Kontrolle gelten.

Bemerkenswert bleibt dennoch die Frage: Was bewog einen erfahrenen Politiker wie Chrupalla, eine solche Personalie überhaupt in Erwägung zu ziehen? Ob es sich um eine taktische Geste der Öffnung handelte oder schlicht um eine Fehleinschätzung – die Antwort bleibt er bislang schuldig. Eines aber zeigt der Vorgang deutlich: In der politischen Landschaft Deutschlands sind die Fronten in Bewegung geraten, und alte Gewissheiten gelten immer weniger.

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