
Patriot-Poker: Polen schnappt Deutschland das Raketen-Zentrum weg!

Warschau gewinnt, Berlin schaut zu. Polen bekommt das europäische Service-Zentrum für die begehrten PAC-3-Abfangraketen des US-Luftabwehrsystems Patriot. Das gab die polnische Vize-Verteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarnecka am Dienstag auf X bekannt, kurz darauf bestätigte auch das US-Verteidigungsministerium die Wahl.
Mitbeworben hatten sich Deutschland, die Niederlande und Norwegen. Den Zuschlag bekamen sie nicht. Für die Bundesrepublik ist das ein weiterer Dämpfer im Rennen um die Rüstungsprojekte, die Europas Sicherheit auf Jahrzehnte prägen werden.
Eine Milliarde Złoty für ein Unikat
Nach Angaben des polnischen Senders TVP World soll das Projekt rund eine Milliarde Złoty kosten, umgerechnet etwa 227 Millionen Euro. Die Vizeministerin spricht von der einzigen Einrichtung dieser Art außerhalb der Vereinigten Staaten. Darauf ist man in Warschau sichtlich stolz.
„Vier Länder konkurrierten um den europäischen Standort dieser Investition: neben Polen Deutschland, die Niederlande und Norwegen. Dieser Erfolg war keine Selbstverständlichkeit“
So zitiert Reuters Sobkowiak-Czarnecka. Vorausgegangen seien monatelange Verhandlungen. Die Grundlage dafür hatten die USA, Polen, Deutschland, die Niederlande und Schweden im Juli gemeinsam mit dem Hersteller Lockheed Martin gelegt. Unterzeichnet wurde die Absichtserklärung laut Konzernangaben am Rande des Nato-Gipfels in Ankara.
Monatelange Reise über den Atlantik
Bisher wird jede PAC-3-Rakete, die gewartet werden muss, in die USA geschickt. Laut dem polnischen Sender RMF24 vergehen dann mehrere Monate, bis sie wieder einsatzbereit in Europa steht. In einer Zeit, in der russische Marschflugkörper und ballistische Raketen fast täglich auf die Ukraine niedergehen, ist das kaum hinnehmbar.
Das neue Zentrum soll die Raketen der Staaten in der Region technisch betreuen, prüfen und einsatzbereit halten. Gebaut werden sie dort vorerst nicht. Warschau hofft laut TVP World allerdings, dass langfristig auch eine eigene Patriot-Produktion im Land möglich wird. Wo genau das Zentrum entsteht, ist offiziell noch nicht festgelegt. Im Gespräch sei ein Elektronikwerk des Unternehmens WZE in Zielonka nordöstlich von Warschau.
Das Gold der Luftverteidigung
Die PAC-3-Raketen gelten als eine der weltweit gefragtesten Flugabwehrmunitionen. Sie können anfliegende ballistische Raketen abfangen und sind daher für die Ukraine besonders wichtig. Kiew drängt seine Verbündeten Medienberichten zufolge seit Langem auf weitere Lieferungen.
Nach Berichten polnischer Medien haben auch die Kämpfe zwischen den USA und Iran seit Ende Februar die westlichen Bestände zusätzlich geleert. Lockheed Martin will die jährliche Produktion bis 2033 von 650 auf 2.000 Stück erhöhen. Bis dahin bleibt jede Rakete knapp.
Und Deutschland? Bekommt ein Trostpflaster
Das Pentagon würdigte zwar eine „führende Rolle“ Deutschlands, der Niederlande und Schwedens bei der Einbindung wichtiger Lieferketten. Das klingt nett, aber den Standort samt Arbeitsplätzen und Know-how hat Polen. Immerhin gibt es in Süddeutschland schon ein Standbein: 2024 bestellten Deutschland, die Niederlande und Spanien bis zu 1.000 Raketen des älteren Typs PAC-2 für 5,1 Milliarden Euro. Das ebnete den Weg für die erste europäische Patriot-Fertigung auf deutschem Boden.
Polen hat seine Lektion aus der Geschichte gelernt. Das Land rüstet konsequent auf, betreibt zwei Patriot-Batterien und hat sechs weitere in den USA bestellt. Warschau investiert gezielt und tritt in Washington selbstbewusst auf. Berlin dagegen hat sich jahrelang durch Debatten über Beschaffungsregeln, Zuständigkeiten und Haushaltsposten gequält.
Die Regierung Merz verspricht mit Milliardenschulden die „Zeitenwende 2.0“. Die Entscheidung für Polen zeigt aber, dass Geld allein nicht reicht. Wer bei solchen Projekten nicht vorne steht, bezahlt am Ende Lieferketten, deren Herzstück woanders liegt. Das wird für Deutschlands Industrie und seine Bürger gleichermaßen bitter.
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