
Ölpreis explodiert, Börsen im Sturzflug: Trumps zynische Beschwichtigung verpufft
Was sich in den vergangenen Tagen an den globalen Energiemärkten abspielt, hat das Zeug zu einer wirtschaftlichen Erschütterung historischen Ausmaßes. Der Iran-Krieg – ausgelöst durch die amerikanisch-israelischen Angriffe auf iranische Atomanlagen – hat den Ölpreis auf ein Niveau katapultiert, das die Welt seit dem Sommer 2022 nicht mehr gesehen hat. Ein Barrel der Nordsee-Referenzsorte Brent schoss in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar nach oben. Und obwohl sich der Preis im Tagesverlauf leicht auf etwa 115 Dollar zurückzog, bleibt das Plus gegenüber dem Freitagsschluss bei atemberaubenden 24 Prozent.
Seit Kriegsbeginn: Fast 60 Prozent Preisanstieg beim Öl
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Seit dem Beginn der militärischen Eskalation vor gut einer Woche hat sich der Brent-Preis um nahezu 60 Prozent verteuert. Ende Februar zahlte man noch rund 70 Dollar pro Barrel – eine Welt, die plötzlich unendlich weit entfernt scheint. Noch dramatischer fällt die Bilanz bei der amerikanischen Sorte WTI aus: Hier beläuft sich das Plus seit Kriegsbeginn auf knapp 70 Prozent. In der Nacht auf Montag sprang WTI um bis zu 21 Prozent auf ebenfalls fast 120 Dollar, bevor der Preis sich bei rund 113 Dollar einpendelte.
Die Spritpreise an deutschen Tankstellen sind bereits deutlich gestiegen – und ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht. Für den ohnehin gebeutelten deutschen Verbraucher, der unter einer schleichenden Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten ächzt, kommt diese Entwicklung zur denkbar ungünstigsten Zeit.
Europäisches Erdgas verdoppelt sich – Erinnerungen an 2022 werden wach
Doch nicht nur beim Öl brennt es lichterloh. Der europäische Erdgaspreis hat sich seit Kriegsbeginn in etwa verdoppelt. An der Amsterdamer Börse sprang der richtungweisende TTF-Terminkontrakt zum Handelsbeginn um rund 30 Prozent auf 69,50 Euro je Megawattstunde. Zwar fiel der Preis im frühen Handel auf 61,80 Euro zurück, doch selbst das bedeutet noch ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Es handelt sich um den stärksten Anstieg seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren.
Für Deutschland, das sich unter der Ampelregierung sehenden Auges in eine energiepolitische Sackgasse manövriert hat – Stichwort Atomausstieg, Stichwort ideologiegetriebene Energiewende –, könnte diese Entwicklung zum perfekten Sturm werden. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz erbt ein energiepolitisches Trümmerfeld, auf dem nun auch noch die geopolitische Realität mit voller Wucht einschlägt.
Börsen weltweit im Sinkflug
Die Aktienmärkte reagierten, wie man es erwarten durfte: mit Panik. Der deutsche Leitindex Dax verlor am Montagmorgen nach Börseneröffnung zunächst rund 600 Punkte und rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 23.000 Zählern. Am Vormittag lag das Minus bei etwa zwei Prozent – ein Wert, der angesichts der Dramatik der Lage fast noch moderat erscheint.
In Ostasien fielen die Kurse deutlich heftiger. Der japanische Nikkei-Index stürzte zeitweise um rund sieben Prozent ab und durchbrach die 52.000-Punkte-Marke nach unten. In Südkorea brach der KOSPI sogar um etwa acht Prozent ein. Die ostasiatischen Volkswirtschaften sind in besonderem Maße auf Ölimporte angewiesen – jeder Dollar mehr pro Barrel trifft sie ins Mark.
Die Straße von Hormus: Achillesferse der Weltwirtschaft
Das eigentliche Schreckgespenst der Märkte trägt einen Namen: Straße von Hormus. Durch diese schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fließt in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Seit den gegenseitigen Angriffen zwischen der amerikanisch-israelischen Koalition und dem Iran passieren kaum noch Schiffe diesen neuralgischen Punkt. Auch für den Transport von Flüssiggas – etwa aus Katar – ist die Route von entscheidender Bedeutung.
Katars Energieminister Saad al-Kaabi warnte bereits Ende vergangener Woche in einem Interview vor schwerwiegenden Konsequenzen. Es sei zu befürchten, dass sämtliche Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen könnten. In diesem Szenario wäre ein Ölpreis von 150 Dollar pro Barrel durchaus realistisch – eine Vorstellung, die einem den Atem raubt.
Trumps zynische Kalkulation
Und was sagt der Mann, der diese Eskalation maßgeblich mit zu verantworten hat? US-Präsident Donald Trump griff einmal mehr zu seiner bewährten Methode der brachialen Vereinfachung. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, die „kurzzeitigen Ölpreise" seien ein „sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt". Und fügte in seiner unnachahmlichen Art in Großbuchstaben hinzu: „NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!"
Man fragt sich unwillkürlich, ob Trump die Heizungsrechnung einer deutschen Durchschnittsfamilie jemals zu Gesicht bekommen hat – oder ob „geringer Preis" in seinem Universum eine andere Bedeutung trägt als im Rest der Welt.
Für Trump, der mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst eigentlich niedrige Energiepreise braucht, ist die Lage durchaus heikel. Seine Wählerschaft spürt die steigenden Spritpreise an der Zapfsäule unmittelbar. Doch der Präsident setzt offenbar darauf, dass die Preise nach einer „Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran" rasch wieder sinken werden. Eine gewagte Wette – und eine, die Millionen von Verbrauchern weltweit teuer bezahlen.
G7 beraten über Freigabe strategischer Ölreserven
Immerhin scheint sich auf internationaler Ebene etwas zu bewegen. Die Finanzminister der führenden G7-Staaten wollen noch am Montag über eine mögliche koordinierte Freigabe von Erdölreserven unter Federführung der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Drei G7-Staaten, darunter die USA, hätten dem Vorschlag bereits ihre Unterstützung zugesagt. Ob eine solche Maßnahme den Preisanstieg tatsächlich abfedern kann, bleibt allerdings fraglich – denn das fundamentale Problem einer blockierten Straße von Hormus lässt sich mit strategischen Reserven allenfalls überbrücken, nicht lösen.
Für den deutschen Bürger bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Es wird teurer. Sprit, Gas, Strom, Lebensmittel – die Kaskade steigender Energiepreise wird sich durch die gesamte Wirtschaft fressen. Und einmal mehr zeigt sich, wie verwundbar eine Nation ist, die ihre eigene Energieversorgung sträflich vernachlässigt hat. Wer Kernkraftwerke abschaltet, Gaslieferverträge kündigt und sich auf das Wohlwollen globaler Lieferketten verlässt, der steht in Krisenzeiten nackt da. Diese bittere Lektion wird Deutschland nun erneut erteilt.
In Zeiten derartiger geopolitischer Verwerfungen und explodierender Energiepreise erweist sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Vermögenssicherung. Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie in Krisenzeiten als verlässlicher Wertspeicher fungieren – unabhängig von Börsenturbulenzen, Währungsschwankungen und politischen Fehlentscheidungen.
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