
Nukleares Neuland: USA und Russland ohne Rüstungskontrolle

Die Welt ist am Donnerstag in eine neue, beunruhigende Ära eingetreten. Der New START-Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Russland – das letzte verbliebene Abkommen zur Begrenzung strategischer Atomwaffen – ist ohne Verlängerung ausgelaufen. Was dies für die globale Sicherheit bedeutet, lässt sich kaum überschätzen.
Das Ende einer Ära der Rüstungskontrolle
Der letzte aktive Tag des Paktes war der 4. Februar 2026. Russische Staatsmedien bestätigten am Donnerstag das Auslaufen des Abkommens. Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS habe Washington auf einen Vorschlag von Präsident Wladimir Putin vom September 2025, die quantitativen Grenzen für Sprengköpfe und Trägersysteme ein weiteres Jahr einzuhalten, nicht reagiert. Das Dokument selbst sehe keine weitere formelle Verlängerung vor, wie sie noch 2021 erfolgt war.
Damit wird ab dem 5. Februar das letzte bilaterale Abkommen, das die amerikanisch-russischen Beziehungen im Bereich der strategischen Stabilität regelte, zur Geschichte. Ein Umstand, der jeden vernünftigen Beobachter mit Sorge erfüllen muss.
Geheime Verhandlungen in letzter Minute
Doch ganz so hoffnungslos scheint die Lage nicht zu sein. Berichten zufolge nähern sich die USA und Russland einer Vereinbarung, die Bestimmungen des auslaufenden Vertrages zumindest vorübergehend weiter einzuhalten. Drei mit den Gesprächen vertraute Quellen bestätigten, dass in den vergangenen 24 Stunden Verhandlungen in Abu Dhabi stattgefunden hätten.
„Wir haben mit Russland vereinbart, in gutem Glauben zu handeln und eine Diskussion über Aktualisierungsmöglichkeiten zu beginnen"
So äußerte sich ein US-Beamter. Allerdings warnten zwei der Quellen, dass der Entwurf noch der Zustimmung beider Präsidenten bedürfe. Vorerst bestehe lediglich eine informelle Übereinkunft, die Bedingungen von New START für weitere sechs Monate einzuhalten – rechtlich bindend ist dies freilich nicht.
Trumps China-Argument
Außenminister Marco Rubio gab am Mittwoch Einblick in die Beweggründe des Weißen Hauses, New START auslaufen zu lassen. Der Präsident habe in der Vergangenheit klargemacht, dass eine echte Rüstungskontrolle im 21. Jahrhundert ohne China unmöglich sei – angesichts dessen rasch wachsenden Atomwaffenarsenals. Diese Beschwerde begleitet Trump bereits seit seiner ersten Amtszeit.
Man mag diesem Argument durchaus etwas abgewinnen können. China hat sein nukleares Arsenal in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, ohne sich an internationale Rüstungskontrollabkommen gebunden zu fühlen. Dennoch bleibt die Frage, ob es klug war, ein funktionierendes bilaterales Abkommen aufzugeben, bevor ein trilaterales Nachfolgeabkommen auch nur in Sichtweite ist.
Eine gefährliche Lücke
Die Situation erinnert an die dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges. Erstmals seit Jahrzehnten gibt es keine verbindlichen Grenzen mehr für die nuklearen Arsenale der beiden größten Atommächte. Nichts hindert nun eine der beiden Seiten daran, ihre nukleare Expansion voranzutreiben.
In Zeiten, in denen die geopolitischen Spannungen ohnehin auf einem Höchststand sind – der Ukraine-Krieg dauert an, der Nahost-Konflikt eskaliert – ist das Fehlen jeglicher Rüstungskontrolle zwischen Washington und Moskau ein beunruhigendes Signal. Die Hoffnung ruht nun auf den informellen Gesprächen. Doch Hoffnung allein hat noch nie einen Krieg verhindert.

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