
Niqab im Westminster Palace: Britischer Bürgerpreis für „Frauenstärkung“ – die Ironie sitzt tief

Es gibt Bilder, die ganze Bücher ersetzen. Eines davon entstand vergangene Woche im Herzen der britischen Demokratie: Im Westminster Palace nahm eine vollverschleierte Frau eine Medaille entgegen – ausgezeichnet dafür, „junge Frauen zu stärken“. Wer bei dieser Szene keine Nachfragen stellt, hat entweder die Sprache verloren oder den Mut.
Eine Auszeichnung, die mehr über die Preisverleiher aussagt als über die Preisträgerin
Khadija Patel, Gemeindeaktivistin aus Bolton und Gründerin eines Mädchen-Jugendvereins, gehört zu den 25 Geehrten des British Citizen Award. Die offizielle Begründung liest sich wie aus dem Baukasten moderner Diversitätsrhetorik: Sie habe durch Sport „kulturelle Barrieren“ abgebaut, einen „sicheren, inklusiven Raum“ geschaffen, Selbstvertrauen und Führungsqualitäten gefördert. Ihr Verein sei ein „Leuchtturm der Hoffnung“. Hunderte junge Frauen seien inspiriert worden, an sich selbst zu glauben.
Nur: Auf der Website des Vereins blicken dem Betrachter reihenweise verschleierte Mädchen entgegen. Und die Preisträgerin selbst trug bei der Verleihung im Parlamentsgebäude einen Niqab – jenes Kleidungsstück, das das Gesicht bis auf einen Sehschlitz verhüllt. Man darf die naive Frage stellen: Welches Signal der Selbstermächtigung geht von einem Gewand aus, das die Identität einer Frau im öffentlichen Raum buchstäblich unsichtbar macht?
Wer Emanzipation ausgerechnet unter dem Vollschleier feiert, hat den Begriff nicht erweitert – er hat ihn ausgehöhlt.
Der Westen als Meister der Selbstverleugnung
Frankreich, Belgien, Dänemark, Österreich, die Niederlande – eine ganze Reihe europäischer Staaten hat die Vollverschleierung im öffentlichen Raum untersagt, weil sie mit einer offenen Gesellschaft, in der man sich gegenseitig ins Gesicht sieht, schwerlich vereinbar ist. Selbst in Deutschland dringen Teile der Union inzwischen auf ein Verbot. Und Großbritannien? Dort wird der Niqab nicht diskutiert, sondern dekoriert. Medaille, Urkunde, Ehrentafel, das Recht auf ein Kürzel hinter dem Namen und zum Abschluss eine Busfahrt durch Westminster.
Nominiert wurde die Aktivistin übrigens von einer offenbar verwandten Person – ein Detail, das in seriösen Auswahlverfahren gewöhnlich Stirnrunzeln auslöst. Auch der örtliche Fußballverband der Grafschaft Lancashire zeigte sich hocherfreut über die Auszeichnung einer seiner Freiwilligen. Aus derselben Stadt wurde zudem ein Mann geehrt, der einen Jugendtreff für Flüchtlinge, Asylbewerber und behinderte Jugendliche betreibt und über 1.300 Menschen mit Lebensmitteln, Wohnraum und Bildungsangeboten unterstützt haben soll. Der Preis, seit elf Jahren verliehen, versteht sich als „Auszeichnung des Volkes“ für Mut und Selbstlosigkeit.
Wenn Toleranz zur Kapitulation wird
Ehrenamt verdient Anerkennung – ohne Frage. Doch der Fall offenbart einen tieferliegenden Defekt: Der Westen hat sich angewöhnt, jede kulturelle Praxis zu adeln, solange sie nur als „vielfältig“ etikettiert werden kann. Kritik gilt als Übergriff, Widerspruch als Ausgrenzung. Wer die Vollverschleierung hinterfragt, wird schneller zum Verdächtigen als jene, die sie propagieren. Genau diese Denkfaulheit hat in Großbritannien über Jahrzehnte Parallelgesellschaften wachsen lassen, deren Konsequenzen von Rotherham bis Bolton sichtbar sind – und die auch in Deutschland längst kein Randphänomen mehr darstellen.
Es geht nicht um die Herkunft eines Menschen. Es geht um Prinzipien: Gleichberechtigung, offenes Antlitz, Rechtsstaat. Eine Gesellschaft, die diese Prinzipien nicht mehr verteidigt, sondern ihre Aushöhlung mit Medaillen belohnt, verliert nicht durch äußeren Druck – sie kapituliert vor sich selbst. Und ein erheblicher Teil der Bürger in Europa spürt das längst, auch wenn er es in Talkshows nicht sagen darf.
Der Blick nach Deutschland
Nur einen Tag vor dieser Preisverleihung beschäftigte ein islamistisch motivierter Anschlag die deutsche Öffentlichkeit – während der Bundeskanzler die Tat verurteilte, ohne das Wort Islamismus in den Mund zu nehmen. Zwei Länder, zwei Szenen, ein Muster: die konsequente Weigerung, Probleme beim Namen zu nennen. Wer sich davor drückt, wird sie nicht lösen, sondern verwalten – bis sie ihn verwalten.
Unsere Redaktion ist überzeugt: Es braucht Politiker, die für ihre Länder regieren, nicht gegen sie. Diese Auffassung dürfte ein Großteil der Bürger teilen – in London wie in Berlin.
Hinweis: Dieser Beitrag spiegelt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wider. Er stellt keine Rechtsberatung und keine Anlageberatung dar. Für eigene Entscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich.
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