
Niger zeigt Europa die kalte Schulter: Visa-Vergabe nur noch über Moskau, Ankara und Genf
Was für eine Demütigung für die selbsternannte Wertegemeinschaft Europa! Niger, das westafrikanische Land, das bis vor kurzem noch als treuer Partner des Westens galt, hat den europäischen Staaten einen diplomatischen Tiefschlag versetzt. Italiener, Deutsche, Niederländer, Belgier und Briten, die in das Land reisen möchten, müssen ihre Visa-Anträge künftig in Moskau, Ankara oder Genf stellen. Die Botschaften in den jeweiligen Heimatländern? Für diese Angelegenheit geschlossen.
Der Preis der moralischen Überheblichkeit
Diese Maßnahme sei eine Frage der "Reziprozität", ließ Nigers Außenminister Bakary Yaou Sangare in einem internen Memo vom 20. August verlauten. Übersetzt bedeutet das: Wie ihr uns, so wir euch. Seit dem Militärputsch im Juli 2023 würden nigrische Staatsbürger erhebliche Schwierigkeiten haben, europäische Visa zu erhalten. Sie müssten in Nachbarländer reisen, um überhaupt einen Antrag stellen zu können. Die Bitte, diese Visa direkt in Niamey ausstellen zu lassen, sei von den europäischen Botschaften schlichtweg ignoriert worden.
Man könnte fast meinen, die europäischen Diplomaten hätten vergessen, dass Diplomatie auf Gegenseitigkeit beruht. Oder war es vielleicht die typische europäische Arroganz, die davon ausging, dass ein afrikanisches Land sich schon nicht wehren würde? Nun, Niger hat gezeigt, dass es sehr wohl Zähne hat – und beißen kann.
Frankreichs koloniales Erbe bröckelt
Besonders pikant ist die Rolle Frankreichs in diesem diplomatischen Schachspiel. Die französische Botschaft in Niamey war bis zum Putsch 2023 für die Bearbeitung von Schengen-Visa für Nigrer zuständig. Doch die Zeiten, in denen Paris in seinen ehemaligen Kolonien nach Belieben schalten und walten konnte, sind vorbei. Niger hat den französischen Botschafter des Landes verwiesen und die Verteidigungskooperation beendet. Gemeinsam mit seinen Sahel-Verbündeten Burkina Faso und Mali – ebenfalls unter Militärherrschaft – wirft Niger Frankreich Aggression vor.
Die neue Realität in der Sahelzone sollte Europa zu denken geben. Drei Länder haben sich von der französischen Bevormundung befreit und suchen neue Partner. Dass Niger ausgerechnet Moskau als eine der drei Städte für die Visa-Vergabe ausgewählt hat, ist kein Zufall. Es ist ein deutliches Signal: Die Welt ist multipolar geworden, und Afrika wählt seine Partner selbst aus.
Europa erntet, was es sät
Im Dezember 2023 kündigte Niger zwei wichtige Sicherheitsabkommen mit der Europäischen Union auf und entzog den EU-Truppen ihre Privilegien und Immunitäten. Die jüngsten Visa-Beschränkungen seien Teil umfassender Reformen zur Regulierung der Migration und zum Schutz nationaler Interessen, erklärte der nigrische Außenminister.
Was für eine Ironie! Jahrzehntelang predigte Europa den afrikanischen Staaten, wie sie ihre Grenzen zu kontrollieren hätten. Nun dreht Niger den Spieß um und zeigt Europa, wie sich Grenzkontrollen anfühlen, wenn sie gegen einen selbst gerichtet sind. Die Botschaft ist klar: Respekt ist keine Einbahnstraße.
Die neue Weltordnung nimmt Gestalt an
Diese Entwicklung fügt sich nahtlos in das größere Bild einer sich wandelnden Weltordnung ein. Während Europa sich in endlosen Debatten über Geschlechteridentitäten und Klimaneutralität verliert, positionieren sich andere Akteure neu. Russland, die Türkei und sogar die neutrale Schweiz werden zu den neuen diplomatischen Drehscheiben für Afrika-Europa-Beziehungen.
Die Entscheidung Nigers sollte ein Weckruf für die europäische Politik sein. Die Zeit der kolonialen Reflexe ist vorbei. Afrika fordert Respekt auf Augenhöhe ein – und ist bereit, dafür auch unbequeme Maßnahmen zu ergreifen. Wer weiterhin glaubt, mit moralischer Überheblichkeit und diplomatischer Arroganz punkten zu können, wird sich bald in einer sehr einsamen Position wiederfinden.
Vielleicht ist es an der Zeit, dass Europa seine Afrika-Politik grundlegend überdenkt. Statt belehrend aufzutreten, sollte man auf echte Partnerschaft setzen. Doch dafür müsste man erst einmal von seinem hohen Ross heruntersteigen. Ob die europäischen Eliten dazu bereit sind? Die kommenden Monate werden es zeigen. Bis dahin heißt es für europäische Niger-Reisende: Willkommen in Moskau, Ankara oder Genf!
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