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Kettner Edelmetalle
17.03.2026
07:03 Uhr

Nahöstliches Öl wird zum teuersten der Welt – und Europa schaut hilflos zu

Was sich derzeit an den globalen Rohölmärkten abspielt, ist nichts weniger als ein tektonischer Schock. Der Krieg gegen den Iran hat die Ölversorgung aus dem Nahen Osten in eine beispiellose Krise gestürzt. Die Benchmark-Preise für nahöstliches Rohöl haben historische Rekordmarken durchbrochen und machen das schwarze Gold aus der Region zum teuersten Öl der Welt. Für europäische Verbraucher und die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft verheißt das nichts Gutes.

Rekordpreise sprengen alle bisherigen Dimensionen

Der Platts-Dubai-Rohölpreis sei auf unfassbare 153,25 US-Dollar pro Barrel für Mai-Lieferungen gestiegen, wie S&P Global Platts am Montag feststellte. Damit übertrifft dieser Preis sogar den bisherigen Allzeit-Rekord der Brent-Futures von 147,50 Dollar aus dem Krisenjahr 2008. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Barrel nahöstliches Rohöl kostet nun mehr als jemals zuvor in der Geschichte – mehr als während der Finanzkrise, mehr als während der Ölpreisschocks der 1970er Jahre in inflationsbereinigter Betrachtung.

Der Aufschlag von Dubai-Rohöl auf die Swap-Preise explodierte auf 56,01 Dollar pro Barrel – ein Drittel des gesamten Rohölpreises besteht mittlerweile allein aus dieser Prämie. Zum Vergleich: Im Februar lag dieser Aufschlag noch bei durchschnittlich 90 Cent. Ähnlich dramatisch die Lage bei Oman-Rohöl-Futures, die auf 147,79 Dollar kletterten und eine Prämie von über 50 Dollar gegenüber den Dubai-Swaps aufwiesen.

Die Straße von Hormus – Nadelöhr der Weltwirtschaft

Der Grund für diese Preisexplosion ist so simpel wie erschreckend: Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Schifffahrt durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gebracht. Durch diese schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fließt normalerweise ein gewaltiger Strom an Rohöl in Richtung Asien. Doch die Exporte aus dem Nahen Osten nach Asien brachen im März auf nur noch 11,665 Millionen Barrel pro Tag ein – gegenüber fast 19 Millionen Barrel im Februar. Das entspricht einem Rückgang von rund 32 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau, wie Daten des Analyseunternehmens Kpler zeigen.

Mehrere asiatische Raffinerien hätten bereits ihre Auslastung gedrosselt, heißt es aus Branchenkreisen. Die Konsequenzen werden sich wie ein Dominoeffekt durch die gesamte globale Lieferkette fressen – von Benzinpreisen an der Tankstelle bis hin zu Heizkosten und Industrieproduktion.

Händler sprechen von „kaputten" Benchmarks

Besonders brisant: Zahlreiche Händler und Raffinerie-Quellen stellen die Aussagekraft der aktuellen Preise grundsätzlich infrage. Die Bewertungen seien verzerrt, da S&P Global Platts drei Rohölsorten, die normalerweise durch die Straße von Hormus transportiert werden, aus dem Bewertungsprozess herausgenommen habe. Die verbleibenden Sorten – Oman und Murban – seien nicht repräsentativ für den Benchmark, der zur Preisfindung für nahöstliches und teilweise auch russisches Rohöl verwendet werde.

„Es handelt sich um unnatürliche und unfaire Preisbildung aufgrund des dünnen Handels", erklärte eine Branchenquelle, die anonym bleiben wollte.

Ein weiterer Raffinerie-Insider bezeichnete die Dubai- und Oman-Benchmarks schlicht als „kaputt". Der Handel mit Mai-Lieferungen aus dem Nahen Osten sei praktisch zum Stillstand gekommen. Pikant dabei: Offenbar sei der französische Energiekonzern TotalEnergies der einzige Käufer gewesen, der im Platts-Bewertungsfenster Ladungen entgegengenommen habe – insgesamt 24 Oman- und Murban-Rohölladungen im Umfang von 12 Millionen Barrel allein in diesem Monat.

Verzweifelte Suche nach Alternativen treibt Preise weltweit

Die asiatischen Raffinerien suchen derweil fieberhaft nach Ersatzlieferungen – und treiben damit die Preise auch in anderen Förderregionen in die Höhe. Brasilianisches Rohöl erreichte Rekordaufschläge von 12 bis 15 Dollar pro Barrel auf den ICE-Brent-Preis. Auch westafrikanisches Rohöl verteuerte sich spürbar, wobei die meisten verfügbaren Ladungen bereits verkauft seien.

Für Deutschland und Europa bedeutet diese Entwicklung eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Energiesituation. Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht hat und damit die Staatsverschuldung weiter in die Höhe treibt, drohen explodierende Energiekosten die Inflation erneut anzuheizen. Die Zeche zahlt – wie immer – der deutsche Steuerzahler und Verbraucher.

Geopolitische Naivität rächt sich bitter

Die aktuelle Krise offenbart einmal mehr die fatale Energieabhängigkeit Europas von geopolitisch instabilen Regionen. Nachdem Deutschland sich bereits durch die Sanktionen gegen Russland von günstigen Gaslieferungen abgeschnitten hat, trifft nun der nächste Energieschock die Volkswirtschaft mit voller Wucht. Wer jahrelang eine ideologiegetriebene Energiepolitik betrieben hat, statt auf Versorgungssicherheit und Diversifizierung zu setzen, darf sich über solche Verwerfungen nicht wundern.

Die Frage, die sich jeder deutsche Bürger stellen sollte, lautet: Wie lange können wir uns eine Politik leisten, die systematisch die wirtschaftlichen Grundlagen unseres Wohlstands untergräbt? Steigende Energiepreise, galoppierende Inflation, eine deindustrialisierte Wirtschaft – das sind keine Naturkatastrophen, sondern die Folgen politischer Fehlentscheidungen.

In Zeiten derartiger geopolitischer Unsicherheit und explodierender Rohstoffpreise zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Instrument der Vermögenssicherung. Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie in Krisenzeiten ihren Wert bewahren – ganz im Gegensatz zu Papierwährungen, die durch Inflation und Staatsverschuldung stetig an Kaufkraft verlieren.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige finanzielle Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Basis dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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