
Mossad-Beichte: 21.000 Festnahmen im Iran – und das war gewollt?

Der frühere Mossad-Chef David Barnea hat erstaunlich offen erzählt, wie der Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 hinter den Kulissen gelaufen sein soll. Auf dem Priority Summit am 22. Oktober sagte er vor geladenem Publikum, Israel habe Videos seiner Agenten im Iran mit Absicht veröffentlicht. Ziel sei gewesen, Teheran zu Massenverhaftungen zu treiben und so die echten Spione in der Menge verschwinden zu lassen.
Ein Video mit Mossad-Logo als Täuschungsmanöver
Am Morgen des 13. Juni 2025 begann die israelische „Operation Rising Lion“. Kampfjets griffen iranische Anlagen an, hochrangige Militärs und Atomwissenschaftler kamen ums Leben. Gleichzeitig verbreitete der Mossad Aufnahmen, die nach eigenen Angaben seine Agenten bei Angriffen auf Raketen- und Luftabwehrstellungen mitten im Iran zeigten. Die Gesichter waren unkenntlich gemacht. Für einen Geheimdienst, der sonst kaum etwas über sich preisgibt, war das ungewöhnlich.
Laut Berichten israelischer Medien erklärte Barnea jetzt, worum es dabei ging:
„One of the reasons we immediately released an official video on the morning of Operation Rising Lion, with the Mossad logo, was to protect the agents who were there.“
Auf Deutsch heißt das: Das offizielle Video sei auch veröffentlicht worden, um die Agenten vor Ort zu schützen. Man habe erreichen wollen, dass der Iran so viele Menschen festnimmt, dass er die Spreu nicht mehr vom Weizen trennen könne und am Ende alle freilassen müsse. Die Gegenspionage sollte also mit Absicht überlastet werden.
„Ich ging die Straße entlang“
Barnea zufolge nahmen die iranischen Behörden 21.000 Menschen fest. Wer so viele Leute einsperre, müsse sie irgendwann wieder laufen lassen, selbst wenn ein oder zwei Agenten darunter seien. Alle würden schließlich dasselbe erzählen: Sie seien spazieren gegangen oder Auto gefahren und dann festgenommen worden. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.
Die Zahl selbst ist allerdings belegt. Die iranische Polizei meldete im August 2025, sie habe während des Konflikts rund 21.000 Personen festgenommen. Polizeisprecher Saeed Montazer al-Mahdi sprach von Hinweisen aus der Bevölkerung und verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Mehr als 260 Verdächtige seien wegen Spionage festgenommen worden, 172 Menschen wegen illegalen Filmens.
Medienberichten zufolge sagte Barnea außerdem, die Agenten von damals lebten bis heute unbehelligt in Teheran. 99,9 Prozent der Mossad-Leute seien nie aufgeflogen.
Hingerichtet – für einen Dienst, für den sie nie gearbeitet haben?
Am meisten Aufsehen erregt ein anderer Teil seiner Rede. Barnea räumte ein, dass manche Menschen, die im Iran als angebliche Mossad-Agenten gehängt wurden, nach seinem Wissen nie für Israel gearbeitet hätten. Wahrscheinlich auch für keinen anderen Geheimdienst. Er nannte sie „unfortunate people“, also unglückliche Menschen, die Teheran einfach zu Agenten erklärt habe.
Trita Parsi, Vizepräsident des Quincy Institute in Washington, reagierte scharf. Auf X schrieb er, Israel habe gewöhnliche Iraner als Werkzeuge benutzt, um seine Agenten zu schützen. Selten finde man ein derart unverblümtes Eingeständnis, Tausende Menschen bewusst in Gefahr gebracht zu haben, die man angeblich befreien wolle.
Zwei Seiten, eine bittere Bilanz
Bei aller Empörung lohnt ein Blick darauf, wer die Menschen tatsächlich verhaftet hat. Das war das Mullah-Regime selbst, nicht der Mossad. Amnesty International und Human Rights Watch berichteten im September 2025 von mehr als 20.000 Festnahmen nach Kriegsbeginn. Betroffen waren vor allem Journalisten, Menschenrechtler, Nutzer sozialer Medien, ethnische und religiöse Minderheiten sowie Ausländer. Kritiker sehen darin einen Vorwand, mit dem Teheran unter dem Deckmantel der Spionageabwehr gegen die eigene Opposition vorgeht. Die iranische Führung betont dagegen, sie wehre sich nur gegen echte Bedrohungen durch israelische Spione und ihre Helfer.
Was nach Barneas Auftritt bleibt, ist unbequem. Im Schattenkrieg zwischen Israel und dem Iran kalkuliert die eine Seite die Paranoia der anderen ein, und die andere lebt diese Paranoia mit dem Strang aus. Den Preis zahlen gewöhnliche Iraner, die auf dem Weg zur Arbeit in die Räder zweier Machtapparate geraten. Für Europa ist das eine weitere Mahnung: Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass, und daran hat auch die Waffenruhe nach zwölf Kriegstagen nichts geändert.
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