
Mikrozensus 2026: Der Staat will wieder alles über Sie wissen

Die Maschinerie der Datenerhebung läuft an. Seit Januar werden erneut Hunderttausende Deutsche von ihren Statistischen Landesämtern angeschrieben – und sie haben keine Wahl. Die Teilnahme am Mikrozensus ist gesetzlich verpflichtend. Ein Prozent der Bevölkerung muss Auskunft geben über die intimsten Bereiche des Lebens: Familie, Einkommen, Wohnsituation, Bildung, Migration. Der Staat will wissen, wie seine Bürger leben. Ob diese das auch wollen, spielt keine Rolle.
Was der Mikrozensus erfasst – und warum das bedenklich ist
Die Statistiker formulieren es natürlich freundlicher. Die ausgewählten Haushalte würden „stellvertretend für viele andere Menschen in Deutschland" Auskunft geben, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Themen wie Arbeitsmarktbeteiligung, Internetnutzung und Lebensbedingungen stünden im Fokus. Klingt harmlos, ist es aber nicht unbedingt.
Denn alle vier Jahre – so auch 2026 – werden zusätzlich vertiefende Fragen zum Thema Wohnen gestellt. Die Eigentumsquote interessiert den Staat ebenso wie die durchschnittliche Mietbelastung oder die Wohnfläche pro Kopf. In Zeiten explodierender Immobilienpreise und einer Wohnungspolitik, die seit Jahren versagt, mutet diese Datensammelwut fast zynisch an. Man erfasst akribisch das Ausmaß des Problems, ohne es zu lösen.
Pflicht zur Auskunft – Datenschutz als Beruhigungspille
Besonders pikant: Die Befragten können sich nicht verweigern. Sie sind gesetzlich zur Auskunft verpflichtet. Wer den Fragebogen nicht ausfüllt, muss mit Konsequenzen rechnen. Der Staat gewährt seinen Bürgern in dieser Hinsicht keine Wahlfreiheit. Immerhin dürfen sie entscheiden, ob sie die Fragen online oder auf Papier beantworten möchten – ein schwacher Trost.
Natürlich versichern die Behörden, dass Datenschutz und Geheimhaltung persönlicher Daten gewährleistet seien. Doch wie viel ist dieses Versprechen wert in einem Land, das regelmäßig von Datenskandalen erschüttert wird? Die Bürger sollen vertrauen, während der Staat immer mehr über sie erfahren will.
Politische Entscheidungen auf Basis der Erhebung
Die Ergebnisse des Mikrozensus bilden angeblich eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen. Das klingt zunächst vernünftig. Doch welche Entscheidungen wurden in den vergangenen Jahren auf Basis dieser Daten getroffen? Die Wohnungsnot wurde nicht gelindert, die Einkommensschere nicht geschlossen, die Integrationsprobleme nicht gelöst. Man sammelt Daten, erstellt Statistiken, veröffentlicht Berichte – und dann passiert: nichts.
Erste Ergebnisse sollen rund drei Monate nach Ende des Erhebungsjahres veröffentlicht werden. Bis dahin werden die Daten von Millionen Deutschen in den Archiven der Statistischen Ämter schlummern. Was genau damit geschieht, bleibt für den einzelnen Bürger intransparent.
Der Unterschied zum Zensus
Anders als der große Zensus, der nur alle zehn Jahre durchgeführt wird, findet der Mikrozensus jährlich statt. Eine permanente Überwachung der Lebensverhältnisse, könnte man sagen. Die Begründung: Man brauche aktuelle Daten für die Politik. Doch wer kontrolliert eigentlich, ob diese Daten tatsächlich sinnvoll genutzt werden?
In einer Zeit, in der das Vertrauen der Bürger in staatliche Institutionen ohnehin schwindet, wirkt diese verpflichtende Datenerhebung wie ein weiterer Eingriff in die persönliche Sphäre. Die Frage bleibt: Dient der Mikrozensus wirklich dem Wohl der Bevölkerung – oder vor allem dem Kontrollbedürfnis des Staates?

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











