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Kettner Edelmetalle
12.03.2026
11:02 Uhr

Mikrokreditfonds vor dem Aus: Bundesregierung dreht Kleinunternehmern den Geldhahn zu

Mikrokreditfonds vor dem Aus: Bundesregierung dreht Kleinunternehmern den Geldhahn zu

Während die Große Koalition unter Friedrich Merz nicht müde wird, ihre Unterstützung für den Mittelstand zu beteuern, spricht eine aktuelle Entscheidung eine gänzlich andere Sprache. Die Bundesregierung hat beschlossen, den Mikrokreditfonds Deutschland zum 30. Juni 2026 auslaufen zu lassen – ein Förderinstrument, das seit 2010 zehntausenden kleinen Unternehmen den Zugang zu dringend benötigtem Kapital ermöglichte. Neue Kredite werden nur noch bis zu diesem Stichtag genehmigt und ausgezahlt.

Ein bewährtes Instrument wird geopfert

Die Zahlen sprechen für sich: Seit seiner Auflegung im Jahr 2010 wurden über den Fonds rund 38.000 Mikrokredite mit einem Gesamtvolumen von mehr als 400 Millionen Euro vergeben. Mikrokredite von bis zu 25.000 Euro richteten sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen, die am regulären Bankmarkt schlicht keine Chance hatten. Allein seit 2015 seien damit Betriebe mit etwa 70.000 bestehenden Arbeitsplätzen gestützt worden. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: 70.000 Arbeitsplätze, die ohne dieses Instrument womöglich nie existiert hätten oder längst verschwunden wären.

Zwar bleibt der Fonds wegen laufender Rückzahlungen formal noch bis mindestens Ende 2030 bestehen. Doch das ändert nichts an der bitteren Realität: Wer ab Juli 2026 als Kleinunternehmer frisches Kapital braucht, steht vor verschlossenen Türen.

Grüne wittern „schweren Fehler" – und haben ausnahmsweise einen Punkt

Die Grünen-Finanzexpertin Katharina Beck bezeichnete die Entscheidung als „schweren Fehler". Man mag von der wirtschaftspolitischen Kompetenz der Grünen halten, was man will – und in der Regel ist gesunde Skepsis mehr als angebracht –, doch in diesem speziellen Fall trifft die Kritik einen wunden Nerv. Gerade in einer Phase, in der die deutsche Wirtschaft unter den Folgen der Trumpschen Zollpolitik, explodierender Energiekosten und einer allgemeinen Investitionsschwäche ächzt, braucht der Mittelstand verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten und Planungssicherheit.

Die Ironie könnte kaum größer sein: Dieselbe Bundesregierung, die ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht hat – finanziert auf Pump und zu Lasten kommender Generationen –, streicht ausgerechnet ein vergleichsweise bescheidenes Programm, das nachweislich funktioniert hat. Hier offenbart sich ein Grundproblem der deutschen Politik: Für gigantische Prestigeprojekte und ideologisch motivierte Ausgabenprogramme ist stets Geld vorhanden, während bewährte, pragmatische Instrumente der Mittelstandsförderung sang- und klanglos beerdigt werden.

Der Mittelstand als Rückgrat – nur in Sonntagsreden

Es ist ein altbekanntes Muster. In Wahlkämpfen und bei Festtagsansprachen wird der Mittelstand als „Rückgrat der deutschen Wirtschaft" gepriesen. Doch wenn es darauf ankommt, konkrete Hilfe zu leisten, zeigt sich die wahre Prioritätensetzung. Der Bäcker um die Ecke, die Schneiderin mit Migrationshintergrund, der junge Handwerksmeister, der sich selbstständig machen will – sie alle profitieren nicht von milliardenschweren Subventionspaketen für Großkonzerne. Sie brauchen niedrigschwellige, unbürokratische Finanzierungswege. Genau das bot der Mikrokreditfonds.

Dass Friedrich Merz, der einst als Wirtschaftsexperte der CDU galt, eine solche Entscheidung mitträgt, dürfte viele seiner Wähler enttäuschen. Wer im Koalitionsvertrag „Verantwortung für Deutschland" schreibt, sollte diese Verantwortung auch gegenüber den Kleinsten im Wirtschaftsgefüge ernst nehmen. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass die neue Große Koalition in der Wirtschaftspolitik dort weitermacht, wo die gescheiterte Ampel aufgehört hat: mit falschen Prioritäten und einem erschreckenden Mangel an Gespür für die Nöte derjenigen, die dieses Land tatsächlich am Laufen halten.

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wäre es klüger gewesen, den Fonds nicht nur zu verlängern, sondern auszubauen. Doch Klugheit und Regierungshandeln – das scheint in Berlin nach wie vor ein Widerspruch in sich zu sein.

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