
Merz ruft Modi an: Rettet Indien Deutschlands Exportwirtschaft?

Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Donnerstag mit Indiens Premierminister Narendra Modi telefoniert. Beide bekräftigten dabei die "strategische Partnerschaft" beider Länder und sprachen über regionale wie internationale Fragen, wie Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte. Ein zentrales Thema: das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien – es soll schnell unterzeichnet werden.
Ein Telefonat mit Signalwirkung
Neben der Handelspolitik habe man auch ĂĽber die sicherheitspolitische Zusammenarbeit beraten, hieĂź es aus dem Kanzleramt. Klingt nach Routine-Diplomatie. Doch der Zeitpunkt ist alles andere als beliebig.
Denn Berlin und Brüssel suchen händeringend nach Absatzmärkten, die nicht von Washington oder Peking abhängig sind. Donald Trumps Zollpolitik hat europäische Exporteure hart getroffen, China gilt längst mehr als Konkurrent denn als verlässlicher Kunde. Indien ist damit für die deutsche Industrie zum strategischen Hoffnungsträger geworden.
Der Deal ist fertig – aber immer noch nicht unterschrieben
Medienberichten zufolge schlossen die EU und Indien ihre Verhandlungen ĂĽber das Freihandelsabkommen bereits am 27. Januar 2026 beim EU-Indien-Gipfel in Neu-Delhi ab. Gefeiert wurde das Ergebnis in BrĂĽssel als historischer Durchbruch, teils gar als "Mutter aller Deals".
Merz selbst war Anfang Januar 2026 nach Indien gereist und hatte auf eine rasche Unterzeichnung gedrängt. Und heute, im September 2026? Wird immer noch telefoniert, um genau das anzumahnen.
Für viele Unternehmer dürfte das ein bekanntes Muster sein: Die EU verhandelt jahrelang, verkündet triumphal die Einigung – und dann mahlen die Mühlen aus Rechtsförmlichkeitsprüfung, Übersetzung und Ratifizierung weiter vor sich hin. Zeit, die exportabhängige Mittelständler nicht haben.
Warum Indien für Deutschland zählt
Indien ist mit rund 1,4 Milliarden Menschen der bevölkerungsreichste Staat der Welt und eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften. Das Abkommen soll Zölle auf zahlreiche Warengruppen senken und Märkte öffnen – besonders die Autoindustrie, der Maschinenbau und Dienstleister erhoffen sich neue Chancen.
Ökonomen bremsten die Euphorie allerdings schon im Januar: Kurzfristig seien die Effekte begrenzt, hieß es in Analysen. Bürokratische Hürden, Normen und Zulassungsfragen blieben bestehen. Ein Freihandelsabkommen ersetzt eben keine wettbewerbsfähige Standortpolitik zu Hause – hohe Energiepreise, Steuerlast und Berichtspflichten verschwinden nicht, nur weil in Neu-Delhi ein Vertrag unterschrieben wird.
Geopolitik im Hintergrund
Auch Washington umwirbt Neu-Delhi. Anfang Februar 2026 verkündete US-Präsident Trump Berichten zufolge einen Handelspakt mit Indien samt Zollsenkungen; Modi äußerte sich damals zurückhaltend. Indien spielt seine Rolle als Schwergewicht zwischen den Blöcken selbstbewusst aus – und lässt sich von keiner Seite vereinnahmen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist die deutsche Annäherung an Indien richtig und überfällig. Entscheidend wird sein, ob aus Telefonaten und Absichtserklärungen belastbare Verträge werden – oder ob Brüssels Apparat den nächsten Standortvorteil zerredet.
Was das fĂĽr Sparer bedeutet
Handelskonflikte, Zollschocks und geopolitische Machtverschiebungen prägen die Märkte. In solchen Phasen schätzen viele Anleger physisches Gold und Silber als bewährte Ergänzung zur Streuung des Vermögens – unabhängig davon, welche Abkommen in welcher Hauptstadt gerade unterzeichnet werden.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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