
Merkels Schatten über dem Schloss Bellevue: Grüne träumen von der Rückkehr der Altkanzlerin
Man reibt sich verwundert die Augen. Kaum hat Deutschland die Ära Merkel hinter sich gelassen, kaum beginnen die Bürger, das ganze Ausmaß der politischen Hinterlassenschaften dieser 16-jährigen Kanzlerschaft zu begreifen, da geistert ein Gerücht durch die Berliner Republik, das vielen den Atem stocken lässt: Angela Merkel als Bundespräsidentin. Was zunächst wie ein schlechter Scherz klang, gewinnt offenbar an Fahrt – und ausgerechnet die Grünen spielen dabei die Rolle der eifrigsten Stichwortgeber.
Vom Dementi zur „offenen Tür"
Begonnen hatte alles mit Berichten, wonach in CDU-Kreisen Gerüchte kursierten, die Grünen könnten die Altkanzlerin für das höchste Staatsamt vorschlagen. Merkel selbst bezeichnete eine solche Kandidatur als „abwegig". Eigentlich hätte damit Ruhe einkehren müssen. Doch weit gefehlt. Statt das Thema zu den Akten zu legen, drehte sich die mediale Maschinerie erst richtig warm.
Den Anfang machte ein Interview des Spiegel mit dem grünen Ex-Umweltminister Jürgen Trittin. Eine ehemalige Kanzlerin mit dieser weltpolitischen Erfahrung sei selbstverständlich für das Amt des Staatsoberhaupts geeignet, ließ Trittin verlauten – um sich anschließend auf der Plattform X darüber zu beschweren, das Magazin habe seine Aussage verdreht. „Gehts noch?", empörte sich der Grünen-Politiker. Ein bemerkenswerter Vorgang: Erst lobt man, dann rudert man zurück. Die Choreographie wirkt dabei so unbeholfen, dass man sich fragt, ob hier nicht doch ein größeres Kalkül dahintersteckt.
Künast schwärmt, der Spiegel träumt
Deutlich weniger Berührungsängste zeigte hingegen Renate Künast. Die Grünen-Politikerin machte aus ihrer Begeisterung keinen Hehl und schwärmte regelrecht von Merkels Qualifikation. Die Altkanzlerin verfüge über Berufs- und Lebenserfahrung, Ausstrahlung und ein starkes Bewusstsein für die Aufgaben des Amtes. Sie würde stets wahrnehmen, „wo im Land der Schuh drückt", so Künast. Man möchte fast laut auflachen: Ausgerechnet jene Kanzlerin, die Deutschland eine gescheiterte Migrationspolitik, den überstürzten Atomausstieg und eine chronische Vernachlässigung der Bundeswehr als Erbe hinterließ, soll nun wissen, wo der Schuh drückt?
Doch damit nicht genug. Der Spiegel legte mit einem Kommentar nach, in dem allen Ernstes gefragt wurde, ob Merkels „Nein" denn wirklich ein „Nein" sei. Man rühmte die Altkanzlerin als Erinnerung an eine CDU, „die stärker auf Ausgleich setzte als auf Zuspitzung". Die strukturellen Versäumnisse ihrer Amtszeit? Ach, die könne man schließlich nicht auf eine einzige Person zurückführen. Wie bequem. Und dann der Satz, der aufhorchen lässt:
„Vielleicht ist Merkels Nein also weniger ein Schlussstrich als eine offene Tür. Man muss ein Amt nicht wollen, damit es einen findet."
Die eigentliche Frage: Wem nützt das?
Dass ausgerechnet die Grünen sich als Merkels lauteste Fürsprecher positionieren, überrascht bei nüchterner Betrachtung kaum. Schließlich war es Angela Merkel, die während ihrer Kanzlerschaft weite Teile der grünen Agenda in die CDU importierte – vom Atomausstieg über die Energiewende bis hin zur Grenzöffnung 2015. Manche Beobachter bezeichneten sie nicht ohne Grund als die „erste grüne Kanzlerin". Dass die Grünen nun ihre schützende Hand über Merkels politisches Vermächtnis halten wollen, folgt einer gewissen inneren Logik.
Für Bundeskanzler Friedrich Merz, der sich mühsam von Merkels Erbe zu emanzipieren versucht, wäre eine Bundespräsidentin Merkel ein politischer Albtraum. Eine Frau im Schloss Bellevue, die mit jeder Rede, jedem Empfang und jeder Unterschrift unter ein Gesetz an jene Politik erinnern würde, von der sich die neue CDU-Führung eigentlich distanzieren wollte. Man darf gespannt sein, ob Merz auf dem kommenden CDU-Parteitag, an dem Merkel erstmals seit 2019 wieder in Präsenz teilnehmen will, klare Worte findet – oder ob er einmal mehr einknickt.
Ein Land, das nicht zur Ruhe kommt
Die Debatte um eine mögliche Merkel-Rückkehr ist symptomatisch für den Zustand der deutschen Politik. Statt sich den drängenden Problemen zu widmen – der galoppierenden Staatsverschuldung durch das 500-Milliarden-Sondervermögen, der explodierenden Kriminalität, der wirtschaftlichen Stagnation –, beschäftigt sich das politisch-mediale Berlin mit der Frage, ob eine Altkanzlerin, deren Politik maßgeblich zu eben diesen Problemen beigetragen hat, nun auch noch das höchste Staatsamt bekleiden soll. Es ist, als würde man den Brandstifter zum Feuerwehrhauptmann befördern wollen.
Ob das Gerücht am Ende Substanz hat oder lediglich als Testballon dient, wird sich zeigen. Eines aber steht fest: Die bloße Tatsache, dass eine solche Diskussion überhaupt geführt wird, offenbart das ganze Ausmaß der politischen Orientierungslosigkeit in diesem Land. Deutschland braucht keine Rückkehr in die Vergangenheit. Es braucht Politiker, die den Mut haben, die Fehler dieser Vergangenheit zu benennen – und vor allem zu korrigieren.
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