
Machtkampf auf der Insel: Wie Britanniens Rechte um die Vorherrschaft ringt

Während die ehrwürdige Konservative Partei Großbritanniens in den Trümmern ihrer eigenen Fehlentscheidungen versinkt, entbrennt ein erbitterter Kampf um die Zukunft des rechten Lagers. Was sich derzeit auf der Insel abspielt, gleicht einem politischen Schlachtfeld, auf dem alte Loyalitäten zerbrechen und neue Allianzen geschmiedet werden – oft nur, um kurz darauf wieder zu zerfallen.
Der tiefe Fall der Tories: Ein Lehrstück politischen Versagens
Vierzehn Jahre lang regierten die Konservativen das Vereinigte Königreich. Was haben sie hinterlassen? Eine beispiellose Migrationswelle, explodierende Staatsschulden, den Skandal um die sogenannten Grooming-Banden und eine Gesellschaft, die sich von ihrer politischen Führung im Stich gelassen fühlt. Das Wahlergebnis von 2024 war vernichtend – das schlechteste seit fast zwei Jahrhunderten. Mittlerweile dümpeln die Tories bei mageren 14 Prozent in den Umfragen.
Dominic Cummings, einst Chefberater von Boris Johnson, findet drastische Worte: Die Partei sei „vollständig am Ende". Die Menschen wollten nicht einmal mehr darüber diskutieren, wie sehr sie die Tories ablehnten. Ein vernichtendes Urteil, das die Realität schonungslos widerspiegelt.
Nigel Farage: Der ewige Rebell wird zum Establishment
In dieses Vakuum stößt Nigel Farage mit seiner Partei Reform UK vor. Der 61-Jährige, dem der Brexit zugeschrieben wird, dominiert seit über einem Jahrzehnt die Schlagzeilen. Mit mehr als 200.000 Mitgliedern ist Reform UK inzwischen die fünftgrößte Partei Europas. In den Umfragen liegt sie mit zweistelligem Vorsprung vor den Tories.
Doch der Erfolg hat seinen Preis. Farage orientiert sich zunehmend zur Mitte, versucht sich zu professionalisieren – und verliert dabei jene, die ihn einst groß gemacht haben. Der beliebte stellvertretende Vorsitzende Ben Habib wurde im Sommer 2024 entlassen. Der neue Parteivorsitzende Mohammed Zia Yusuf begann, schwarze Listen zu erstellen und kritische Mitglieder zu entfernen.
Die Überläufer aus dem Tory-Lager
Besonders brisant: Reform UK nimmt reihenweise ehemalige Tory-Politiker auf. Der frühere Einwanderungsminister Robert Jenrick, die ehemalige Innenministerin Suella Braverman – ausgerechnet jene, die für die höchste Einwanderungsrate in der britischen Geschichte verantwortlich waren. Kritiker werfen Farage vor, er recycele lediglich gescheiterte Konservative, anstatt echte Alternativen zu bieten.
Rupert Lowe: Der neue Hoffnungsträger der Dissidenten
Inmitten dieser Turbulenzen ist ein neuer Stern am rechten Firmament aufgegangen: Rupert Lowe. Der ehemalige Fußballpräsident und Geschäftsmann wurde innerhalb weniger Monate nach seinem Einzug ins Unterhaus zur Galionsfigur der rechten Dissidenten. Seine direkte, kompromisslose Rhetorik, insbesondere in Migrationsfragen, hat ihm eine halbe Million Anhänger auf X beschert – und die Unterstützung von Elon Musk.
Lowes Suspendierung aus Reform UK im Dezember 2024 während einer Fehde mit Yusuf machte ihn erst recht zum Märtyrer der Bewegung. Seine Kernthemen – das Verbot religiöser Schlachtungen, die Todesstrafe, Gerechtigkeit für vermeintliche Covid-Verbrechen – sind mittlerweile Teil der öffentlichen Debatte. Jüngste Umfragen geben einer theoretischen Lowe-Partei bereits neun Prozent der Stimmen.
„Bei den nächsten Wahlen wird es eine tragfähige Alternative geben, das verspreche ich Ihnen."
Tommy Robinson: Der Ausgestoßene mit Massenbasis
Eine Figur bleibt dabei weitgehend von der Wahlszene ausgeschlossen: Tommy Robinson. Der Anti-Einwanderungsaktivist, der 2022 noch eine bedrängte Menge von nur 2.000 Menschen durch Telford führte, versammelte 2025 über 250.000 Anhänger in London. Gestärkt durch die sozialen Medien ist Robinson heute eine politische Macht – doch eine, die das Establishment um jeden Preis von den Wahlurnen fernhalten will.
Robinson unterstützte zunächst Reform UK, wurde jedoch von Farage persönlich angegriffen. Sein Segen könnte für jeden Konkurrenten zum Fluch werden – oder zum entscheidenden Vorteil bei der Arbeiterklasse.
Was Deutschland von Britannien lernen kann
Der Blick über den Kanal offenbart ein Muster, das auch hierzulande bekannt vorkommt: Eine etablierte konservative Partei, die ihre Wähler verraten hat. Neue Kräfte, die um die Gunst der Enttäuschten ringen. Und ein politisches Establishment, das mit allen Mitteln versucht, echte Alternativen zu marginalisieren.
Doch während in Deutschland die AfD trotz aller Anfeindungen als geschlossene Kraft auftritt, zerfleischt sich die britische Rechte in internen Machtkämpfen. Streit, Spaltung, persönliche Fehden – all das schwächt jene, die eigentlich gemeinsam für eine Wende kämpfen sollten. Die Lehre für konservative Kräfte überall in Europa liegt auf der Hand: Nur Einigkeit führt zum Erfolg. Zersplitterung ist der sichere Weg in die politische Bedeutungslosigkeit.

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