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Kettner Edelmetalle
11.03.2026
05:59 Uhr

Lufthansa-Chaos: Erneuter Pilotenstreik legt Deutschlands größte Airline lahm

Es ist ein Déjà-vu, das mittlerweile zur traurigen Routine geworden ist: Die Passagiere der Lufthansa müssen sich einmal mehr auf massive Flugausfälle einstellen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat über 5.000 Piloten zu einem 48-Stunden-Streik am Donnerstag und Freitag aufgerufen. Was einst als stolzes Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst und Zuverlässigkeit galt, verkommt zunehmend zum Schauplatz endloser Tarifkämpfe – auf dem Rücken der Reisenden.

Drei Flugbetriebe betroffen – erstmals auch Cityline

Betroffen sind diesmal nicht nur die Lufthansa-Kerngesellschaft und die Frachttochter Lufthansa Cargo, sondern erstmals auch die Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline. Damit weitet sich der Arbeitskampf auf eine dritte Front aus. Hunderte Flüge dürften ausfallen, Zehntausende Passagiere gestrandet zurückbleiben. Wer sich an den letzten Streik vom 12. Februar erinnert, weiß, was das bedeutet: Damals fielen mehr als 800 Flüge aus, rund 100.000 Reisende waren betroffen.

Einen kleinen Lichtblick gibt es immerhin: Flüge in den arabischen Raum sollen vom Streik ausgenommen bleiben. Die VC hat angesichts der angespannten Sicherheitslage im Nahen Osten Destinationen wie Ägypten, Israel, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ausdrücklich vom Arbeitskampf ausgenommen. Ein bemerkenswerter Schritt – wenngleich er für die Masse der innerdeutschen und europäischen Fluggäste wenig Trost bietet.

Sieben Verhandlungsrunden – und kein Ergebnis

Der Kern des Konflikts dreht sich um die betriebliche Altersversorgung. VC-Präsident Andreas Pinheiro beklagte, dass trotz sieben Verhandlungsrunden kein substanzielles Angebot des Arbeitgebers vorliege. Die Gegenseite signalisiere zwar Gesprächsbereitschaft, wolle aber nicht über echte Verbesserungen der Betriebsrenten sprechen. Tarifkommissionssprecher Arne Karstens formulierte es noch deutlicher: Erst wenn ein verhandlungsfähiges Angebot auf dem Tisch liege, werde man überhaupt wieder miteinander reden.

Man muss kein Gewerkschaftsfreund sein, um zu erkennen, dass hier auf beiden Seiten mit harten Bandagen gekämpft wird. Vorstandschef Carsten Spohr konterte, die Piloten interessierten sich in Wahrheit weit mehr für ihre Karrierechancen als für das „ohnehin auskömmliche Betriebsrentensystem". Eine Aussage, die in den Cockpits vermutlich für hochgezogene Augenbrauen gesorgt haben dürfte.

Das Cityline-Drama: Schließung im nächsten Jahr

Besonders pikant ist die Lage bei der Lufthansa Cityline. Die Regionalgesellschaft, die mit 30 Jets und rund 500 Piloten Zubringerflüge für die Kernmarke abwickelt, soll nach Angaben des Konzern-Managements im kommenden Jahr ihren Flugbetrieb einstellen. Ihre Verbindungen werden sukzessive auf die neue Tochter Lufthansa City Airlines übertragen. Die VC betont zwar, die bevorstehende Schließung habe nichts mit den aktuellen Tarifverhandlungen zu tun – doch die Piloten fordern für die Jahre 2024 bis 2026 Vergütungsanpassungen von jeweils 3,3 Prozent. Ein erstes Angebot wurde abgelehnt, weil es eine Friedenspflicht bis Ende 2027 vorsah.

Konzernstrategie in der Kritik

Hinter dem vordergründigen Tarifstreit schwelt ein tiefgreifender Strukturkonflikt. Die VC kritisiert seit langem die Konzernstrategie, mit neuen Flugbetrieben wie City Airlines und Discover Airlines die Arbeitsbedingungen bei den etablierten Gesellschaften systematisch unter Druck zu setzen. Es ist das alte Spiel: Neue Töchter mit günstigeren Tarifverträgen gründen, die alten Belegschaften austrocknen lassen. Was betriebswirtschaftlich nachvollziehbar sein mag, hinterlässt bei den Betroffenen einen bitteren Nachgeschmack.

Und bei der Kabinengewerkschaft Ufo brodelt es ebenfalls. Man befinde sich in Gesprächen zum Manteltarifvertrag, heißt es lapidar aus dem Konzern. Bei Eurowings läuft derweil eine Urabstimmung, die am kommenden Montag endet. Sollte auch dort das Votum für Streik ausfallen, könnte dem Lufthansa-Konzern eine regelrechte Streiklawine bevorstehen.

Ein Symptom tieferliegender Probleme

Was sich bei der Lufthansa abspielt, ist symptomatisch für den Zustand des Wirtschaftsstandorts Deutschland insgesamt. Während andere Nationen ihre Infrastruktur modernisieren und wettbewerbsfähig halten, verstrickt sich die einstige Vorzeige-Airline in endlose Tarifkonflikte. Die Leidtragenden sind – wie so oft – die ganz normalen Bürger, die pünktlich zu ihrem Geschäftstermin oder in den wohlverdienten Urlaub fliegen wollen.

Es wäre an der Zeit, dass beide Seiten zu einer Einigung finden, statt den Luftverkehr als Geisel ihrer Verhandlungstaktiken zu missbrauchen. Denn jeder ausgefallene Flug ist nicht nur ein logistisches Ärgernis – er ist ein weiterer Kratzer im ohnehin ramponierten Image des Wirtschaftsstandorts Deutschland. In Zeiten, in denen die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz vollmundig von wirtschaftlicher Erneuerung spricht, wirken solche Bilder gestrandeter Passagiere an deutschen Flughäfen wie ein Hohn.

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