
Lohn-Schieflage bei Oxfam: Weiße Mitarbeiter verdienen ein Drittel weniger!

Ausgerechnet bei den großen Moralinstanzen Großbritanniens kehrt sich die Lohnlücke um. Laut ihrem eigenen Jahresbericht zahlte die Hilfsorganisation Oxfam ihren weißen Beschäftigten zuletzt im Median 33 Prozent weniger als Kollegen, die sich als schwarz oder „Person of Colour“ bezeichnen. Auch Cancer Research UK und das Britische Rote Kreuz melden ähnliche Werte. Auf der Insel ist deshalb eine heftige Debatte losgebrochen.
Die Zahlen hinter dem Aufschrei
Bei Oxfam lag die ethnische Lohnlücke im Median bei minus 33,0 Prozent und im Durchschnitt bei minus 12,9 Prozent. Ein Jahr zuvor betrug der Medianwert noch minus 10,4 Prozent. Die Lücke hat sich also mehr als verdreifacht.
Die Organisation schränkt das selbst ein: Nur 69,2 Prozent der Belegschaft hätten Angaben zu ihrer Herkunft gemacht. In den beiden oberen Gehaltsquartilen hätten das mehr Mitarbeiter getan. Außerdem stellen Beschäftigte, die sich als schwarz oder „Person of Colour“ bezeichnen, nur 10,5 Prozent des Personals. Diese kleine Gruppe könne die Statistik verzerren. Die Daten seien deshalb nicht abschließend, deuteten aber auf eine niedrigere Durchschnittsbezahlung weißer Mitarbeiter hin.
Ein Sprecher betonte, Oxfam betreibe keine positive Diskriminierung. Die Lohnlücke beweise auch nicht, dass für gleiche Arbeit ungleich bezahlt werde.
Rotes Kreuz und Krebshilfe ziehen mit
Bei Cancer Research UK verdienten weiße Beschäftigte 2025 im Schnitt 7,6 Prozent weniger. Eine Lücke zugunsten von Minderheiten verzeichnet die Organisation schon seit 2020. Den Grund sieht sie in der Struktur der Belegschaft: Viele weiße Mitarbeiter arbeiten in schlecht bezahlten Charity-Läden, Minderheiten dagegen häufiger in gut dotierten Technikjobs. Beim Britischen Roten Kreuz beträgt die Lücke 11,4 Prozent. Dort versichert man, alle würden unabhängig von ihrer Herkunft fair bezahlt.
Gleichstellung oder neue Ungleichheit?
Im Mittelpunkt der Kritik steht der Equality Act von 2010. Das Gesetz erlaubt sogenannte „Positive Action“: Arbeitgeber dürfen verhältnismäßige Schritte unternehmen, um Benachteiligung oder Unterrepräsentation auszugleichen. Positive Diskriminierung, also die direkte Bevorzugung, bleibt dagegen verboten. Kritiker meinen allerdings, diese Grenze verschwimme bei Einstellungen und Beförderungen längst.
Der konservative Schattenminister James Wild sagte, Bezahlung müsse sich an Leistung, Können und Talent orientieren und nicht an Merkmalen, die niemand beeinflussen könne. Suella Braverman, Gleichstellungssprecherin von Reform UK, nannte die Zahlen „the Equality Act laid bare“. Ihrer Ansicht nach benachteiligten ausufernde Förderprogramme weiße Briten aus der Arbeiterschicht. Lord Young of Acton, Gründer der Free Speech Union, bezeichnete die Klausel als Freifahrtschein für Diskriminierung. Er rechne mit weiteren Fällen, sobald die Berichtspflicht verbindlich werde.
Auch die BBC steht im Fokus
Ein Einzelfall ist das nach Ansicht der Kritiker nicht. Bei der BBC erhielten weiße Mitarbeiter laut den neuesten Zahlen des Senders in sechs von sieben Gehaltsstufen einen niedrigeren Medianlohn als Kollegen aus ethnischen Minderheiten. In der untersten Stufe betrug der Abstand 13,2 Prozent, im Top-Management 5,3 Prozent. Medienberichten zufolge soll eine Polizeibehörde für bestimmte Stellen sogar Bewerbungen weißer Kandidaten blockiert haben.
Wer Gerechtigkeit nach Quote verwaltet, schafft offenbar neue Ungerechtigkeit. Das ist zumindest der Eindruck, der sich aufdrängt. Die eigentliche Ursache sind dabei nicht die Beschäftigten, sondern ein politisch gewolltes Regelwerk, das Gruppenzugehörigkeit über Leistung stellt.
Ein Warnsignal für Deutschland
Die britische Regierung will Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern bald verpflichten, Lohnlücken nach Herkunft und Behinderung zu veröffentlichen. Bisher geschieht das freiwillig. Auch hierzulande rollt mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie die nächste Berichtswelle auf die Betriebe zu.
Für deutsche Unternehmer ist die Botschaft aus London deutlich: Je mehr Kennzahlen Brüssel und Berlin vorschreiben, desto größer werden der Bürokratieaufwand und der Druck, Statistiken zu glätten. Der Grundsatz, gleiche Arbeit gleich zu bezahlen, gerät dabei schnell aus dem Blick.
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