
Linke jubelt über US-Senator: Berliner Schulterschluss mit El-Sayed

Die Berliner Linken-Abgeordnete Martha Kleedörfer feiert den Wahlsieg von Abdul El-Sayed, dem ersten muslimischen US-Senator, als „historisch“. In einem Instagram-Video stellt sie den Demokraten aus Michigan auf eine Stufe mit ihrer eigenen Partei. Beide hätten mit denselben Themen gewonnen, sagt sie, darunter der Vorwurf eines „Völkermords“ Israels in Gaza.
Das ist pikant. El-Sayed steht in den USA wegen umstrittener Äußerungen und familiärer Verbindungen zur Muslimbruderschaft seit Monaten in der Kritik.
Von Wedding nach Michigan
Kleedörfer hatte bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September das Direktmandat im Wedding geholt, einem stark migrantisch geprägten Bezirk. Jetzt sucht sie offen die Nähe zu El-Sayed. In ihrem Video stichelt sie gegen die Presse:
„Die Bild-Zeitung hat zum Beispiel schon die Scharia ausgerufen, weil die Linke die Wahl gewonnen hat. Was ist denn erst in den USA los, wo gerade so ein krasser faschistischer Prozess stattfindet, wenn ein muslimischer Sozialist Senator wird?“
El-Sayeds Kampagne habe auf klassische „Brot- und Butterthemen“ gesetzt, also bezahlbare Lebensmittel, Mieten und Krankenversicherung. Dazu sei die Forderung nach einem Waffenembargo gegen Israel gekommen. Mit genau diesen Themen habe auch die Linke in Berlin gewonnen. Den Sieg nannte sie einen „Schlag ins Gesicht“ für einen „Faschisten wie Trump“. Er mache ihr Mut, weiterzukämpfen.
Ein Sieg mit Kratzern
Bei den Zwischenwahlen am 3. November setzte sich El-Sayed gegen den Republikaner Mike Rogers durch. Medienberichten zufolge holten die Demokraten landesweit die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurück und gewannen mehrere Senatssitze. Gemessen an diesem Erdrutsch fiel das Ergebnis in Michigan allerdings auffallend knapp aus.
Der Wahlkampf war hässlich, und zwar auf beiden Seiten. US-Medien berichten, Präsident Trump habe El-Sayed als „Dschihadisten“ bezeichnet. Der 42-jährige Arzt und frühere Gesundheitsdirektor von Detroit nannte solche Angriffe „beschämend“ und bestreitet nach eigenen Angaben jede Verbindung zu extremistischen Gruppen.
„Verletzte Menschen verletzen Menschen“
Den größten Schaden richtete El-Sayed aber selbst an. Im März fuhr ein Mann mit seinem Wagen in die Synagoge Temple Israel bei Detroit und eröffnete das Feuer auf einen Wachmann. Die US-Bundespolizei FBI ordnete den Täter Berichten zufolge als von der Hisbollah inspiriert ein. El-Sayed verurteilte die Tat, fügte aber hinzu, „hurt people hurt people“, also: Verletzte Menschen verletzen Menschen. Der Angreifer hatte kurz zuvor Angehörige bei einem israelischen Luftangriff im Libanon verloren.
Kritiker warfen El-Sayed vor, er rechtfertige damit den Anschlag. Ende August entschuldigte er sich bei jüdischen Demokraten in Michigan. Seine Worte seien missverstanden worden, sagte er sinngemäß, und es sei nicht der richtige Moment für Erklärungen gewesen.
Die Spur zur Muslimbruderschaft
Brisant sind auch Berichte über El-Sayeds Familie. Seine Halbschwester soll 2012 in sozialen Medien geschrieben haben, die Familie sei seit Langem mit der Muslimbruderschaft verbunden. Die gemeinsame Mutter soll sich in Ägypten für die Organisation engagiert haben. El-Sayed selbst unterzeichnete laut Berichten 2012 ein Schreiben, das politische Entscheidungen des damaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi unterstützte. Mursi war ein führendes Mitglied der Bruderschaft.
Zur Einordnung: Der deutsche Verfassungsschutz beobachtet die Muslimbruderschaft seit Jahren als islamistische Bestrebung.
Amerika als Drehbuch der Berliner Linken
Neu ist das Muster nicht. Schon Spitzenkandidatin Elif Eralp lehnte ihren Wahlkampf eng an den des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani an und feierte dessen Sieg im November 2025 in mehreren Videos. Die Linke übernimmt also das Drehbuch der amerikanischen Linken.
Bezahlbares Wohnen und Essen sind berechtigte Sorgen der Bürger. Die Frage ist, mit wem man sie verbindet. Wer einen Politiker mit dieser Vorgeschichte ohne jede Distanz zum Vorbild erklärt, sendet aus Sicht vieler Beobachter ein fragwürdiges Signal. Das gilt besonders in einer Stadt, in der jüdische Einrichtungen seit Jahren unter Polizeischutz stehen. Zur Synagogen-Äußerung und zu den Berichten über die Muslimbruderschaft sagte Kleedörfer nichts. Das Schweigen fällt auf.
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