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Kettner Edelmetalle

Was Goldleihe und Leihsätze über den physischen Goldmarkt verraten

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Gold liegt nicht nur still im Tresor. Ein großer Teil des weltweit gelagerten Metalls wird verliehen, etwa von Zentralbanken und großen Edelmetallbanken an Raffinerien, Münzprägestätten und Industriebetriebe. Für diese Leihe fällt eine Gebühr an, der sogenannte Leihsatz. Er verrät oft mehr über den Zustand des Goldmarkts als der Goldpreis selbst, denn er zeigt, was es kostet, echtes Metall sofort und an einem bestimmten Ort zu bekommen. Steigt er sprunghaft, ist lieferbares Gold knapp – meist lange bevor das in den Schlagzeilen auftaucht.

Zwei Arten von Goldleihe

Wer im Internet nach „Goldleihe“ sucht, stößt meist zuerst auf Angebote für Privatanleger. Dabei überlässt man sein Gold einem Anbieter und erhält dafür eine laufende Vergütung. Rechtlich ist das ein sogenanntes Sachdarlehen, und mit dem Geschäft der großen Handelsplätze hat es nur den Namen gemeinsam. Auf diese private Variante und ihre Risiken gehen wir weiter unten ein.

In diesem Artikel geht es vor allem um die Goldleihe im Großhandel. Sie wird in London, Zürich, New York und zunehmend auch in Asien abgewickelt und hält den physischen Goldkreislauf in Bewegung. Zwischen dem Abbau in der Mine, dem Einschmelzen in der Raffinerie, dem Prägen und der Auslieferung vergehen oft Wochen. In dieser Zeit muss jemand das Metall vorfinanzieren, und genau dafür wird Gold geliehen.

Auf der einen Seite stehen die Verleiher. Das waren über Jahrzehnte vor allem Zentralbanken, deren Goldreserven keine Zinsen bringen, aber Kosten für Lagerung und Versicherung verursachen. Durch das Verleihen ließ sich wenigstens ein kleiner Ertrag erzielen. Dazwischen stehen große Edelmetallbanken, die Gold leihen, weiterverleihen und den Handel am Laufen halten. Geliehen wird das Metall vor allem von Raffinerien und Prägestätten, von Schmuckherstellern und der Industrie.

Geliehenes Gold bleibt oft nicht lange beim Entleiher. Häufig wird es sofort verkauft, der Erlös wird verzinst angelegt, und am Ende der Laufzeit kauft man das Gold zurück. Solange das Leihen von Gold günstiger ist als die Zinsen, die man für das Geld bekommt, rechnet sich dieses Geschäft. In den 1990er Jahren kam auf diese Weise viel zusätzliches Gold auf den Markt.

Verliehenes Gold steht in der Bilanz des Verleihers weiterhin als Bestand. Physisch kann es sich aber längst bei einem Käufer am anderen Ende der Welt befinden. Diese Lücke zwischen Buchbestand und tatsächlichem Lagerort steht im Mittelpunkt vieler Debatten rund um die Goldleihe.

Leihsatz, GOFO und Terminpreis einfach erklärt

Drei Begriffe tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Der wichtigste ist der Leihsatz, auf Englisch Lease Rate. Man kann ihn sich wie eine Miete für Gold vorstellen. Wer eine Unze für ein Jahr zu zwei Prozent leiht, gibt am Ende die Unze zurück und zahlt zusätzlich zwei Prozent ihres Werts.

Der zweite Begriff ist der Terminpreis. Das ist der Preis, den man heute für Gold vereinbart, das erst später geliefert wird. Normalerweise liegt er etwas über dem Preis für sofortige Lieferung, dem sogenannten Spotpreis. Der Grund ist einfach. Wer das Gold bis zum Liefertermin lagert, versichert und finanziert, möchte dafür bezahlt werden.

Der dritte Begriff, GOFO, beschreibt genau diesen Aufschlag. Die Abkürzung steht für Gold Forward Offered Rate. Liegt der Preis für eine Lieferung in einem Jahr ein Prozent über dem Spotpreis, beträgt GOFO ein Prozent. Leihsatz und GOFO ergeben zusammen ungefähr den üblichen Zins für einen Dollarkredit. Die Rechnung muss man nicht im Detail kennen. Wichtig ist, was passiert, wenn das Gleichgewicht kippt.

Wird Gold plötzlich dringend gebraucht, steigt der Leihsatz. Liegt er schließlich höher als der Dollarzins, rutscht GOFO unter null. Dann ist Gold, das man sofort bekommt, mehr wert als Gold, das erst später geliefert wird. Im Normalfall ist es genau umgekehrt. Fachleute nennen diesen Zustand Backwardation. Für den Markt ist er ein deutliches Zeichen, dass sofort lieferbares Metall knapp ist.

Abstrakte, steil ansteigende Kurve in Goldtönen neben einem Goldbarren
Ein sprunghaft steigender Leihsatz zeigt vor allem an, wie dringend Metall gebraucht wird.

Wer diese Werte selbst verfolgen möchte, hat es allerdings schwer. Der Londoner Edelmetallverband LBMA veröffentlichte GOFO ab 1989 täglich, stellte das aber Anfang 2015 ein, weil für solche Referenzwerte strengere Regeln eingeführt wurden. Seither handeln Banken und Händler die Sätze untereinander aus. Eine öffentliche Tagesreihe gibt es nicht mehr. Außerdem hängt GOFO stark vom allgemeinen Zinsniveau ab. In den Jahren mit Leitzinsen nahe null konnte die Kennzahl deshalb kaum ausschlagen.

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Was frühere Ausschläge zeigen

Das bekannteste Beispiel stammt aus dem Herbst 1999. Im Sommer jenes Jahres war der Goldpreis auf rund 252 Dollar je Unze gefallen, den tiefsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Viele Marktteilnehmer fürchteten weitere Verkäufe der Notenbanken. Am 26. September 1999 einigten sich dann 15 europäische Zentralbanken im sogenannten Washingtoner Goldabkommen darauf, in den folgenden fünf Jahren zusammen höchstens 2.000 Tonnen zu verkaufen. Zugleich sagten sie zu, ihr Verleihgeschäft nicht auszuweiten. Für alle, die sich Gold geliehen und verkauft hatten, war das ein Schock. Sie mussten befürchten, künftig kein günstiges Gold mehr nachleihen zu können. Die Leihsätze zogen kräftig an, und der Goldpreis stieg innerhalb von drei Handelstagen um knapp 14 Prozent.

Die Finanzkrise 2008 zeigte die Kehrseite. Vielen Banken fehlten damals Dollar, also liehen sie sich Gold und verkauften es sofort, um an Geld zu kommen. Dadurch rutschte GOFO unter null, während gleichzeitig der Goldpreis unter Druck geriet. Zwischen März und November 2008 fiel er von etwa 1.000 auf rund 750 Dollar je Unze, erst danach begann der mehrjährige Anstieg. Ein negativer GOFO signalisiert also Stress im Finanzsystem, aber nicht zwingend steigende Goldpreise. Er kann ebenso bedeuten, dass jemand dringend Gold zu Geld machen muss.

Die jüngsten Beispiele folgen einem ähnlichen Muster. Anfang 2025 wuchs die Erwartung, die USA könnten Einfuhrzölle auf Edelmetalle erheben. Händler brachten daraufhin große Mengen Gold per Flugzeug von London nach New York, und in London wurde frei verfügbares Metall knapp. Innerhalb weniger Wochen stieg der Leihsatz für einen Monat von nahezu null auf mehr als drei Prozent. Es fehlte also nicht an Gold insgesamt, sondern an Gold am richtigen Ort und in der richtigen Barrenform.

Beim Silber fiel der Ausschlag noch viel heftiger aus. Im Oktober 2025 stieg der Londoner Leihsatz für einen Monat auf rund 39 Prozent, obwohl er normalerweise unter einem Prozent liegt. Anfang Februar 2026 folgte ein kleineres Nachbeben mit gut sechs Prozent. Weil der Silbermarkt deutlich kleiner ist als der Goldmarkt, reagiert er auf dieselben Auslöser meist um ein Vielfaches stärker. Die Hintergründe beschreiben wir ausführlich im Beitrag zum Silber-Squeeze 2026 und den Leasingraten.

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Was ein steigender Leihsatz aussagt und was nicht

Es liegt nahe, jeden Anstieg als Vorboten eines Preissprungs zu deuten. Das greift jedoch zu kurz. Ein Leihsatz misst zunächst nur, wie dringend jemand Metall an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht. Die folgende Übersicht zeigt, wie unterschiedlich ein Anstieg zu lesen sein kann.

So lässt sich ein steigender Leihsatz deuten
BeobachtungMögliche UrsacheWas daraus folgt
Leihsatz und Goldpreis steigen gemeinsam Die Nachfrage nach Metall übersteigt kurzfristig das lieferbare Angebot Echte Knappheit, oft begleitet von höheren Aufgeldern
Leihsatz steigt, Goldpreis fällt Banken leihen sich Gold und verkaufen es, um an Dollar zu kommen Stress im Finanzsystem, nicht unbedingt Metallknappheit
Leihsatz steigt nur an einem Handelsplatz Transportwege, drohende Zölle oder Umlagerungen zwischen Tresoren Regionale Verschiebung, weltweit oft ohne große Folgen
Leihsatz bleibt niedrig und stabil Der Markt ist gut versorgt Keine besondere Spannung im physischen Markt

In der Praxis kommt der dritte Fall am häufigsten vor. Gold in London ist nicht ohne Weiteres dasselbe wie Gold in New York, und große Handelsbarren mit gut zwölf Kilogramm lassen sich nicht einfach gegen Kilobarren tauschen. Umschmelzen und Transport kosten Zeit und Geld. Viele der auffälligen Ausschläge der vergangenen Jahre waren deshalb im Kern ein Logistikproblem und kein Mengenproblem.

Leihsätze sollte man daher nie allein betrachten. Sie liefern eine Gegenprobe zu dem, was an den Terminbörsen auf dem Papier gehandelt wird. Wie weit Papier- und Metallmarkt auseinanderlaufen können, zeigt unser Beitrag über Papiergold. Wie die Preisbildung an den neueren Handelsplätzen in Asien funktioniert, erklärt der Artikel zum Gold-Clearing in Hongkong.

Warum Privatkäufer Knappheit am Aufgeld spüren

Für Anleger, die Münzen und Barren kaufen, ist eine Erkenntnis besonders wichtig. Der Spotpreis ist der Preis für große Barren im Großhandel. Er spiegelt Engpässe im Leihmarkt meist nur abgeschwächt wider, denn die Knappheit entsteht an anderer Stelle, nämlich auf dem Weg vom großen Handelsbarren zur Unze im heimischen Tresor. Auf diesem Weg gibt es mehrere Engstellen.

  1. Umschmelzen: Große Handelsbarren müssen in der Raffinerie in kleinere Formate gebracht werden, und deren Kapazität ist begrenzt.
  2. Prägen: Münzprägestätten arbeiten mit festen Vorlaufzeiten, die sich kurzfristig kaum verkürzen lassen.
  3. Vorfinanzierung: Händler, die Ware auf Lager nehmen, müssen sie finanzieren. Steigen die Leihsätze, wird das teurer.
  4. Transport und Versicherung: In angespannten Zeiten werden diese Leistungen knapper und teurer.

All das schlägt sich im Aufgeld nieder, also im Unterschied zwischen dem Preis einer fertigen Münze oder eines kleinen Barrens und dem reinen Metallwert. In ruhigen Zeiten bleibt das Aufgeld recht stabil. In angespannten Phasen steigt es, und zwar zuerst bei kleinen Stückelungen, weil dort die Verarbeitung pro Gramm am meisten kostet. Gleichzeitig verlängern sich häufig die Lieferzeiten. Für Privatkäufer sind das die sichtbaren Folgen dessen, was im Großhandel als Leihsatz gemessen wird.

Goldmünzen mit Springbock-, Ahornblatt-, Känguru- und Adlermotiv neben kleinen Goldbarren und einem Versandkarton
Knappheit im Großhandel kommt bei Privatkäufern meist als höheres Aufgeld und längere Lieferzeit an.

Wer in einer angespannten Phase kauft, zahlt für dieselbe Menge Gold deshalb oft mehr als in ruhigen Zeiten. Das liegt dann weniger am Spotpreis als an den Kosten für Verarbeitung und Verfügbarkeit. Gängige Standardprodukte, die in großen Stückzahlen gehandelt werden, sind in solchen Phasen meist besser lieferbar als Sondereditionen. Einen Überblick über gängige Formate bietet die Kategorie Goldbarren, das gesamte Sortiment finden Sie unter Gold.

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Zentralbanken verleihen weniger und kaufen mehr

Die wichtigste Veränderung der vergangenen Jahre betrifft die Verleiher. Zentralbanken waren lange die großen Adressen, die in angespannten Zeiten Gold bereitstellen konnten. Heute kaufen sie in Summe Gold hinzu, um ihre Währungsreserven breiter aufzustellen. In den Jahren 2022 bis 2024 erwarben die Notenbanken weltweit jeweils mehr als 1.000 Tonnen. Wer Gold als Absicherung hält, hat wenig Interesse daran, es zu verleihen. Dieses Metall liegt fest im Tresor und steht dem Leihmarkt nicht mehr zur Verfügung.

Die Deutsche Bundesbank setzt dabei auf Offenheit. Sie verwahrt ihr Gold in Frankfurt am Main, New York und London und betont, dass es dort vollständig und physisch vorhanden ist. Ende 2025 umfasste der Bestand rund 3.350 Tonnen, gut die Hälfte davon in Frankfurt. Der leichte Rückgang über die Jahre geht auf Goldmünzen zurück, für deren Prägung die Bundesbank regelmäßig kleine Mengen an den Bund abgibt.

Für den Leihmarkt hat diese Entwicklung Folgen. Wenn weniger Gold zum Verleihen bereitsteht und gleichzeitig mehr lieferbares Metall gefragt ist, reagieren die Leihsätze empfindlicher als früher. Ausschläge, die vor zwanzig Jahren durch Notenbankgold abgefedert worden wären, schlagen heute schneller durch. Welche Rolle Staatsschulden und Zinspolitik dabei spielen, ordnen wir im Beitrag über Fiskaldominanz und finanzielle Repression ein. Mit der Zinsseite befasst sich der Artikel zur Fed-Zinspolitik 2026.

Goldleihe für Privatanleger

Zurück zu der Variante, die Privatanlegern begegnet. Wer sein Gold einem Anbieter gegen eine laufende Vergütung überlässt, schließt in der Regel ein Sachdarlehen ab. Der Unterschied zum eigenen Tresor oder zum Bankschließfach ist größer, als viele denken. Mit der Übergabe gehört das Gold nicht mehr Ihnen. Sie haben dann nur noch einen Anspruch darauf, später Gold gleicher Art und Menge zurückzubekommen.

Das hat vor allem dann Folgen, wenn der Anbieter in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Im Fall einer Insolvenz ist Ihr Anspruch Teil der Insolvenzmasse, und Sie stehen in einer Reihe mit anderen Gläubigern. Anders als bei verwahrtem Eigentum können Sie Ihr Gold dann nicht einfach herausverlangen. Ebenso wichtig ist die Frage, woher die versprochene Vergütung stammt. Lässt sich kein nachvollziehbares Geschäft dahinter erkennen, bleibt offen, ob sie aus echten Erträgen oder aus dem Geld neuer Kunden bezahlt wird. Auch Laufzeiten und Kündigungsfristen verdienen einen genauen Blick, denn sie bestimmen, wann Sie wieder an Ihr Gold kommen. Gerade in unruhigen Marktphasen kann das entscheidend sein.

Hinzu kommt die steuerliche Seite. Vergütungen aus einem Sachdarlehen werden steuerlich anders behandelt als der bloße Besitz von physischem Gold, was vor einem Vertragsabschluss geklärt sein sollte. Das alles ist keine pauschale Ablehnung, wohl aber eine Einordnung. Viele Anleger halten physisches Gold gerade deshalb, weil es nicht vom Versprechen eines Dritten abhängt. Mit einem Sachdarlehen tauschen sie genau diese Eigenschaft gegen einen laufenden Ertrag. Ob sich das lohnt, muss jeder selbst entscheiden, und zwar in Kenntnis des Kleingedruckten.

Hinweis zu Steuern und Recht. Die steuerliche Behandlung hängt stark von Ihrer persönlichen Situation ab. Holen Sie sich deshalb vor einer Entscheidung individuellen Rat bei einem Steuerberater ein. Dieser Artikel ist zudem eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Fragen zu einem konkreten Vertrag, bei drohender Insolvenz eines Anbieters oder bei einer bevorstehenden Vermögensauskunft sollten Sie einen Rechtsanwalt oder eine anerkannte Schuldnerberatung einschalten.

Woran Sie Spannung im Goldmarkt erkennen

Da es keine offizielle GOFO-Reihe mehr gibt, achten Marktbeobachter auf indirekte Anzeichen. Einige davon lassen sich auch ohne teure Börsendaten gut verfolgen.

  • Aufgelder: Steigen sie bei gängigen Münzen und Barren über mehrere Wochen, ist meist etwas in der Lieferkette angespannt.
  • Lieferzeiten: Häufen sich Hinweise wie „nicht lieferbar“ bei Standardprodukten, sagt das oft mehr als jede Schlagzeile.
  • Preisunterschiede zwischen London und New York: Deutliche Abweichungen deuten auf Probleme bei Transport oder Verfügbarkeit hin.
  • Altgold: Wird mehr Altgold eingeschmolzen, reagiert der Markt auf hohe Preise und knappes Neuangebot, wie unser Beitrag zum Goldrecycling zeigt.

Fazit

Der Leihsatz für Gold ist ein unscheinbarer, aber aufschlussreicher Wert. Er zeigt, wie viel Marktteilnehmer bezahlen, um Metall sofort in die Hand zu bekommen. Steigt er, kann das echte Knappheit bedeuten, einen Engpass an einem einzelnen Handelsplatz oder schlicht Geldnot im Finanzsystem. Erst der Blick auf die Begleitumstände verrät, welcher Fall vorliegt. Für Privatkäufer zeigt sich eine Anspannung im Großhandel meist nicht am Goldpreis, sondern am Aufgeld und an den Lieferzeiten. Wer das weiß, kann Meldungen über steigende Leihsätze gelassener einordnen.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Frühere Marktentwicklungen lassen keine Rückschlüsse auf künftige Kursverläufe zu.

Häufige Fragen zur Goldleihe

Was ist der Leihsatz für Gold?

Der Leihsatz, auf Englisch Lease Rate, ist die Gebühr für das Leihen von physischem Gold. Er wird aufs Jahr gerechnet in Prozent des Metallwerts angegeben. In ruhigen Zeiten lag er zuletzt oft nahe null, in angespannten Phasen kann er innerhalb weniger Tage auf ein Vielfaches steigen.

Was bedeutet ein negativer GOFO?

Ein negativer GOFO bedeutet, dass Gold für eine spätere Lieferung günstiger ist als Gold, das man sofort bekommt. Sofort verfügbares Metall ist in diesem Moment also besonders gefragt. Das deutet auf Anspannung hin, ist aber kein Kaufsignal. 2008 wurde GOFO negativ, während der Goldpreis gleichzeitig fiel.

Warum wird GOFO nicht mehr veröffentlicht?

Der Londoner Edelmetallverband LBMA stellte die tägliche Veröffentlichung Anfang 2015 ein. Grund waren strengere Regeln für Referenzzinssätze. Seither werden die Sätze zwischen Händlern ausgehandelt und sind nicht mehr öffentlich einsehbar.

Verleihen Zentralbanken heute noch Gold?

Deutlich weniger als früher. In den 1990er Jahren war das Verleihgeschäft der Notenbanken ein wichtiger Teil des Goldangebots. Heute kaufen die Zentralbanken in Summe Gold hinzu und halten es überwiegend als Reserve im eigenen Tresor.

Wirkt sich ein hoher Leihsatz auf den Preis aus, den ich zahle?

Meist indirekt und mit Verzögerung. Der Spotpreis reagiert oft nur gedämpft. Spürbar wird die Anspannung vor allem am Aufgeld auf Münzen und kleine Barren sowie an längeren Lieferzeiten.

Ist die private Goldleihe dasselbe wie die Leihe im Großhandel?

Nein. Private Angebote sind in der Regel Sachdarlehen. Ihr Gold wird dabei zu einem Anspruch gegen den Anbieter, der im Fall einer Insolvenz nicht geschützt ist. Prüfen Sie deshalb genau, woher die Vergütung stammt und wie die Rückgabe geregelt ist. Im Zweifel sollten Sie rechtlichen und steuerlichen Rat für Ihre persönliche Situation einholen.

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