
Lieferketten-Alarm: Europas Souveränität ist nur eine teure Fassade!

Europa redet gern von Unabhängigkeit und hängt dabei weiter an den Lieferungen aus Asien und Amerika. Auf dem ILS Main Event 2026 in Graz haben Wissenschaftler und Logistikexperten der Industrie diese Woche deutlich gemacht, wie es um ihre Versorgung steht. Ihre Botschaft: Sichere Lieferketten kosten Geld, und wer daran spart, zahlt im Krisenfall deutlich mehr.
Schöne Worte, harte Realität
Am klarsten sagten es die Wirtschaftswissenschaftlerin Margaretha Gansterer von der Universität Klagenfurt und der Logistikexperte Sebastian Kummer von der Wirtschaftsuniversität Wien bei ihrem gemeinsamen Auftritt:
„Wir sprechen über digitale Souveränität, importieren aber Rohstoffe, Hardware und Software-Updates fast ausnahmslos aus Asien und den USA. Wer Resilienz will, muss bereit sein, dafür zu bezahlen. Sonst ist Risikomanagement reine Fassade.“
Peter Klimek, Leiter des Instituts ASCII, sieht in seiner aktuellen Analyse ein ähnliches Bild. Versteckte Risiken in Österreichs Lieferketten nähmen demnach zu, auch wenn Unternehmen bei mehreren Lieferanten einkaufen. Am stärksten betroffen seien Maschinenbau, Robotik und Halbleiter, also genau die Branchen, auf denen auch der deutsche Wohlstand beruht.
Pekings Rohstoff-Hebel
Dass die Warnung berechtigt ist, zeigt ein Blick nach China. Im April 2025 führte Peking Exportkontrollen für sieben Seltene Erden ein. Nach Zahlen der Internationalen Energieagentur entfallen rund 60 Prozent des weltweiten Abbaus und 92 Prozent der Verarbeitung auf die Volksrepublik.
Die Folgen sind deutlich. Laut der Deutschen Rohstoffagentur lagen die europäischen Preise für Yttrium zuletzt beim 146-Fachen des chinesischen Inlandspreises, für Gadolinium beim 57-Fachen. Die EU-Importe der betroffenen Seltenen Erden aus China seien in den ersten fünf Monaten 2026 um 45 Prozent eingebrochen. Die Europäische Handelskammer in China warnt sogar, Peking könne der europäischen Wirtschaft „beispiellosen Schaden“ zufügen, wenn es das wolle.
Resilienz kostet, ein Ausfall kostet mehr
Für die Unternehmen ist das eine schwierige Rechnung. Zusätzliche Lieferanten und Ausweichquellen kosten sofort Geld. Fehlen sie aber, wenn eine Lieferkette reißt, wird es noch teurer.
Herbert Ritter, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark, sieht in schnellen und verlässlichen Lieferketten einen Vorteil im Wettbewerb. Vorne lägen jene Firmen, die sie bieten könnten, sagte er in einer Runde, an der unter anderem Vertreter von Knapp und AVL teilnahmen. Während Brüssel Strategiepapiere schreibt, müssen die Betriebe diese Rechnung selbst aufmachen.
E-Lkw: 35 Cent Vorteil, zumindest laut Anbieter
Heimo Aichmaier, Geschäftsführer von E.ON Drive Austria, stellte das Modell DepotOne vor, das gemeinsam mit NEoT angeboten wird. Spediteure bekommen dabei E-Lkw, Ladeinfrastruktur und Strom aus einer Hand und zahlen nach Nutzung. Nach Rechnung des Anbieters kostet ein elektrischer 40-Tonner 0,98 Euro pro Kilometer, ein Diesel dagegen 1,33 Euro.
Das klingt gut, aber es sind Angaben des Anbieters selbst. Mit welcher Fahrleistung und welchen Strompreisen gerechnet wurde, ist offen. Und woher Batterien und Ladetechnik stammen, gehört ebenfalls zur Frage nach der Abhängigkeit.
Ohne Fachkräfte hilft keine Technik
Vertreter von SSI Schäfer, Siemens und Sick sprachen darüber, wie Anlagen in Lager und Produktion Daten selbst auswerten und auf Veränderungen reagieren können. Mindestens genauso wichtig war aber die Frage, wer diese Anlagen künftig bedient. Walter Bostelmann, CEO von Kellner & Kunz, forderte, der beruflichen Bildung „endlich wieder den Stellenwert“ zu geben, den sie verdiene. Er spricht damit vielen Mittelständlern aus der Seele, die seit Jahren erleben, dass die Lehre im Vergleich zum Studium wenig Ansehen genießt.
Die Lehre für Sparer
Was für Konzerne gilt, gilt auch im eigenen Haushalt: Wer alles auf eine Karte setzt, steht im Ernstfall ohne Reserve da. Physisches Gold und Silber ist von keinem Lieferanten, Software-Update oder Exportlizenz abhängig. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen kann es deshalb eine sinnvolle Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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