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Lagarde-Nachfolge: Spanier de Cos sieht Inflationsgefahr nicht gebannt

Lagarde-Nachfolge: Spanier de Cos sieht Inflationsgefahr nicht gebannt
Symbolbild: KI-generiert

Pablo Hernández de Cos, einer von nur noch zwei Bewerbern um die Nachfolge von Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank, fordert Wachsamkeit gegenüber neuen Inflationsrisiken. Im Interview mit dem Schweizer „Tages-Anzeiger“, das an diesem Samstag erschienen ist, verwies der Spanier auf die hohen Energiepreise. Bis zur Entscheidung sind es nur noch wenige Tage, die Euro-Finanzminister beraten bereits am Montag.

Noch kein Flächenbrand, aber es glimmt

Nach Darstellung von de Cos sind die gefürchteten Zweitrundeneffekte bisher ausgeblieben. Ökonomen verstehen darunter den Moment, in dem Unternehmen ihre gestiegenen Energiekosten an die Kunden weiterreichen und Beschäftigte deshalb höhere Löhne fordern. Gehen die Preise erst einmal so in die Breite, ist die Inflation nur noch schwer zu bremsen.

Beruhigen sollte das niemanden. Die Teuerung im Euroraum ist im Oktober laut der Schnellschätzung auf 4,0 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit drei Jahren und doppelt so viel, wie die EZB mit ihrem Zwei-Prozent-Ziel anpeilt. Den Einlagensatz ließen die Währungshüter am 29. Oktober trotzdem bei 2,50 Prozent.

Die zweite Energiewelle rollt

Treiber ist der Konflikt im Nahen Osten. Mitte Juni hatten die USA und Iran zwar eine Absichtserklärung zur Beendigung der Kämpfe unterzeichnet. Der Krieg ging jedoch weiter, und nach Angaben aus dem EZB-Direktorium steigen Öl- und Gaspreise seitdem in einer zweiten Welle. Zugleich sind die europäischen Gasspeicher vor dem Winter vergleichsweise schwach gefüllt.

Falke gegen Taube: Wer übernimmt im Frankfurter Turm?

Lagarde will die EZB am 7. Februar 2027 verlassen, regulär wäre ihre Amtszeit erst im Oktober 2027 abgelaufen. Spanien hat de Cos offiziell nominiert, die Niederlande schicken Klaas Knot ins Rennen.

  • Pablo Hernández de Cos (55): von 2018 bis 2024 Gouverneur der spanischen Notenbank, seit Juli 2025 Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Medienberichten zufolge gilt er als gemäßigte „Taube“.
  • Klaas Knot (59): von 2011 bis 2025 Präsident der niederländischen Zentralbank. Er gilt als pragmatischer „Falke“, der schon 2022 früh auf eine straffere Geldpolitik gedrängt habe.

Ganz so eindeutig sind die Etiketten allerdings nicht. Eine KI-gestützte Auswertung öffentlicher Reden durch das Mannheimer ZEW kam zu dem Ergebnis, dass Knot zwischen Anfang 2023 und September 2024 sogar etwas „taubenhafter“ geklungen habe als de Cos.

Warum die Wortwahl gerade jetzt zählt

Dass ein als Taube geltender Kandidat kurz vor dem Votum auf Wachsamkeit setzt, wirkt kaum zufällig. Vor allem in Berlin, Den Haag und Wien sitzen Finanzminister, die einen Zentralbanker mit lockerer Hand fürchten. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel rechnet Berichten zufolge bereits im Dezember mit einer Zinserhöhung.

Die Bürger erinnern sich noch gut an 2021. Damals redete die EZB die Inflation monatelang als „vorübergehend“ klein. Die Folge war ein Preisschock, der Sparern Kaufkraft in Milliardenhöhe nahm. Ob das Bekenntnis zur Vorsicht eine echte Haltung ist oder vor allem Bewerbungsrhetorik, wird sich erst im Amt zeigen.

Fazit: Das Vertrauen in den Euro steht auf dem Spiel

Egal ob Spanier oder Niederländer: Der neue EZB-Chef übernimmt eine Währung, die erneut unter Inflationsdruck steht, dazu hoch verschuldete Mitgliedsstaaten, die an niedrigen Zinsen hängen. Hinzu kommen schuldenfinanzierte Milliardenprogramme wie das deutsche Infrastruktur- und Verteidigungspaket. Wer sein Erspartes nicht allein dem Kurs der Notenbanker anvertrauen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen nutzen. Edelmetalle haben über Jahrhunderte gezeigt, dass sie Kaufkraft bewahren können, ganz gleich, wer gerade in Frankfurt den Ton angibt.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.

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