
Kupfer vor dem großen Knall: Warum das rote Gold ab 2027 zum Mangelmetall werden könnte

Wer geglaubt hat, die Rohstoffmärkte hätten ihre Überraschungen bereits verbraucht, dürfte sich getäuscht sehen. Die Analysten von BMI, einer Tochter der Ratingagentur Fitch Solutions, prophezeien dem Kupfermarkt eine Zeitenwende – und zwar eine, die es in sich hat. Aus einem gemütlichen Angebotsüberschuss soll ab 2027 ein handfestes strukturelles Defizit werden. Die Preisprognose für 2026 wurde bereits auf stolze 12.700 US-Dollar je Tonne angehoben, bis 2035 sollen es gar 17.000 Dollar werden. Das rote Metall, so scheint es, steht vor einem Höhenflug, den viele bislang unterschätzt haben.
Ein Angebot, das an allen Ecken bröckelt
Die Liste der Probleme liest sich wie ein Katalog des Grauens für jeden Rohstoffplaner. Ausgerechnet Schwefelsäure – ein unscheinbarer, aber unverzichtbarer Grundstoff für das sogenannte SX-EW-Verfahren – entwickelt sich zum Nadelöhr. Mehr als 15 Prozent der weltweiten Primärkupferproduktion hängen an diesem Prozess. Und was passiert? Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gerät ins Stocken, wodurch rund die Hälfte des seewärts transportierten Schwefels betroffen ist. Als hätte das nicht gereicht, hat China den Export von Schwefelsäure kurzerhand bis Jahresende untersagt. In etlichen Minen reichen die Vorräte nur noch für 30 bis 60 Tage.
Besonders hart trifft es die Demokratische Republik Kongo, wo rund 45 Prozent der Kupferproduktion auf Laugungsverfahren beruhen, sowie das rohstoffreiche Chile. Dazu gesellen sich handfeste Katastrophen: Im indonesischen Grasberg-Bergwerk hätten Erdrutsche die Förderung halbiert, eine vollständige Erholung sei erst 2028 zu erwarten. Die Kamoa-Kakula-Mine im Kongo leide noch immer unter den Folgen schwerer Überschwemmungen. Und in Chile hätten Unwetter mit bis zu 150 Millimetern Niederschlag für Stromausfälle gesorgt. Wenig überraschend senkte BMI seine Wachstumsprognose für die Minenproduktion 2026 von 2,8 auf 2,4 Prozent.
17 Jahre bis zur ersten Tonne – ein Armutszeugnis der Planbarkeit
Doch das eigentliche Drama liegt in der Struktur. Eine neue Kupfermine braucht im Schnitt sagenhafte 17 Jahre bis zur Inbetriebnahme. Ein Zeitraum, in dem sich ganze Generationen von Bürokraten in ihre Rente verabschieden. Gleichzeitig sind die Erzgehalte seit 1991 um 40 Prozent gesunken, die Kosten für Minenerweiterungen im Vergleich zu 2020 um satte 65 Prozent gestiegen. Und die Kirsche auf dieser bitteren Torte: Nur fünf Prozent der in den letzten 35 Jahren entdeckten Kupfervorkommen wurden im vergangenen Jahrzehnt gefunden.
Die Nachfrage kennt nur eine Richtung: nach oben
Auf der anderen Seite dieser Gleichung steht ein Hunger nach Kupfer, der geradezu unstillbar erscheint. Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass der weltweite Bedarf an raffiniertem Kupfer bis 2040 um über 25 Prozent – rund sieben Millionen Tonnen – zulegen wird. Getrieben wird dies vor allem von zwei Megatrends unserer Zeit.
Ein batterieelektrisches Fahrzeug verschlingt durchschnittlich 53,2 Kilogramm Kupfer – mehr als doppelt so viel wie ein solider Verbrenner.
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, welch ironisches Spiel hier abläuft. Die politisch mit Gewalt vorangetriebene Energiewende, die uns als Heilsbringer verkauft wird, treibt den Rohstoffhunger in schwindelerregende Höhen. Eine Offshore-Windkraftanlage benötigt rund 8.000 Kilogramm Kupfer je Megawatt, während ein verpöntes Kohlekraftwerk mit gerade einmal 1.150 Kilogramm auskommt. Wer die grüne Transformation predigt, sollte sich fragen, woher all das Metall kommen soll – und zu welchem Preis für den Bürger.
Hinzu kommt der explodierende Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Für jedes zusätzliche Megawatt Rechenleistung werden laut Copper Development Association 20 bis 40 Tonnen Kupfer für Stromverteilung, Erdung und Kühlung fällig.
Das Defizit in Zahlen
BMI erwartet bereits ab 2027 ein Defizit von rund 66.000 Tonnen, das sich bis 2035 auf beinahe 1,5 Millionen Tonnen ausweiten könnte. Entsprechend klettert die Preisprognose Jahr für Jahr: 13.500 Dollar je Tonne 2028, 15.000 Dollar 2029, 15.800 Dollar 2030 und schließlich 17.000 Dollar im Jahr 2035. Ein Bild, das für Anleger durchaus einige Fragen aufwirft.
Was der kluge Anleger daraus mitnimmt
Die Geschichte des Kupfers ist letztlich ein Lehrstück über die Zerbrechlichkeit globaler Lieferketten und die Folgen politisch verordneter Umbrüche. Während Papierwerte an den Börsen von Stimmungen und Notenbank-Launen getrieben werden, spricht ein realer, physisch begrenzter Rohstoff eine ehrliche Sprache: Was knapp ist und gebraucht wird, gewinnt an Wert. Genau dieses Prinzip macht seit Jahrtausenden physische Edelmetalle wie Gold und Silber zum sicheren Hafen in stürmischen Zeiten. Wer sein Vermögen breit aufstellen und gegen die Turbulenzen der Märkte absichern möchte, sollte physische Edelmetalle als bewährte Ergänzung eines gesunden Portefeuilles ernsthaft in Betracht ziehen – als greifbaren Gegenpol zu einer Finanzwelt aus Versprechen und Papier.
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