
Kupfer-Alarm aus Chile: Streik droht, Preis klebt am Rekordhoch!

In Chile braut sich etwas zusammen. Die Belegschaft der Kupfermine Centinela, die zum Bergbaukonzern Antofagasta gehört, hat fĂŒr einen Streik gestimmt. An der Londoner Metallbörse hielt sich der Kupferpreis am Dienstag trotzdem stabil ĂŒber der Marke von 14.400 US-Dollar je Tonne, und das in einem Markt, der ohnehin schon kaum Luft zum Atmen hat.
Ein Metall am Anschlag
Gegen Mittag Londoner Zeit notierte der Dreimonatskontrakt 0,2 Prozent fester bei 14.446 Dollar. Allein im September ging es um rund neun Prozent nach oben. Damit steuert Kupfer auf den dritten Monatsgewinn in Folge zu.
Anfang des Monats kletterte der Preis sogar auf das Allzeithoch von 14.875 Dollar. Wer sich an frĂŒhere Jahre erinnert, reibt sich die Augen: Das rote Metall, lange als nĂŒchterner Konjunkturindikator verspottet, ist heute ein strategischer Rohstoff, um den Industrienationen regelrecht rangeln.
Chile: Das Nadelöhr der Welt
FĂŒr Unruhe sorgt Chile, das weltweit das meiste Kupfer fördert. Am Montag lehnten zwei Gewerkschaften bei Centinela das letzte Vertragsangebot des Unternehmens ab. Jetzt beginnt eine gesetzlich vorgeschriebene Schlichtungsphase. Erst wenn sie scheitert, dĂŒrften die Arbeiter tatsĂ€chlich die Arbeit niederlegen.
Auch anderswo knirscht es. Bei Escondida, der gröĂten Kupfermine der Welt, die von BHP betrieben wird, verzögern sich die Lohnverhandlungen. Grund ist ein tödlicher Unfall. Zwei der wichtigsten FörderstĂ€tten des Planeten stehen damit gleichzeitig unter Druck. Das kann sich der Markt eigentlich nicht leisten.
Amerikas Lager saugen den Markt leer
Dazu kommt ein hausgemachtes Problem. In den USA haben sich groĂe Mengen raffiniertes Kupfer in LagerhĂ€usern angesammelt. HĂ€ndler rechnen dort mit möglichen Importzöllen und legen deshalb vorsorglich VorrĂ€te an. Die Zollpolitik Washingtons wirkt damit wie ein Staubsauger, der dem Rest der Welt das verfĂŒgbare Metall entzieht.
KĂ€ufer in anderen Regionen haben das Nachsehen. Das zeigt sich auch in China: Die Yangshan-ImportprĂ€mie, die als Gradmesser fĂŒr die Nachfrage nach auslĂ€ndischem Kupfer gilt, liegt Berichten zufolge nahe am höchsten Stand seit 2022.
Die nackten Zahlen
Die Internationale Kupferstudiengruppe (ICSG) liefert die Daten, die das Bild bestÀtigen:
- Die Minenproduktion lag im Juli hochgerechnet bei 23 Millionen Tonnen pro Jahr, vier Prozent weniger als im Juni.
- Die Nachfrage nach raffiniertem Kupfer stieg im Jahresvergleich um drei Prozent auf annualisiert 29 Millionen Tonnen.
- Das Angebot an raffiniertem Kupfer sank dagegen um ein Prozent auf 28,4 Millionen Tonnen.
Unterm Strich fehlen damit hochgerechnet rund 600.000 Tonnen im Jahr. Wer braucht da noch einen Streik?
22.000 Dollar? Die kĂŒhne Prognose der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank hĂ€lt einen Anstieg auf etwa 22.000 Dollar je Tonne bis zum zweiten Quartal 2027 fĂŒr möglich, falls sich der Kampf um das knappe Angebot weiter verschĂ€rft. Das wĂ€ren gut 50 Prozent mehr als heute. Nicht alle teilen diese Zuversicht. Einzelne Marktbeobachter warnen vor einer breiten Korrektur bei Metallen, die Kupfer um 20 bis 30 Prozent drĂŒcken könnte.
FĂŒr die deutsche Industrie ist das Rennen um Kupfer alles andere als eine Randnotiz. Stromnetze, E-Autos, WĂ€rmepumpen: Die von Berlin und BrĂŒssel verordnete Energiewende hĂ€ngt am Kupferkabel. Doch eigene Förderung hat Deutschland praktisch nicht. WĂ€hrend andere Staaten ihre Lager fĂŒllen, bleiben hiesige Unternehmen den Launen des Weltmarkts ausgeliefert. Und das bei Energiepreisen, die ohnehin zu den höchsten der Welt gehören.
Fazit: Knappheit ist das neue Normal
Streiks, UnfĂ€lle, Zollspiele und strukturelle Defizite: Der Kupfermarkt zeigt, wie zerbrechlich globale Lieferketten geworden sind. Auch bei den Edelmetallen ging es Marktdaten zufolge am selben Tag deutlich nach oben. Silber legte um mehr als sieben Prozent zu, Gold um fast vier Prozent auf ĂŒber 4.700 Dollar je Unze. In einer Welt voller Knappheit und politischer Unsicherheit können physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio einen sinnvollen Beitrag zur Vermögenssicherung leisten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Rohstoffen, Edelmetallen oder anderen Finanzprodukten. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trĂ€gt fĂŒr seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.

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