
Krieg im Nahen Osten: Deutsche Urlauber sitzen fest – Wadephul verspricht Hilfe
Während im Nahen Osten die Bomben fallen und weite Teile des Luftraums in der Region gesperrt sind, sitzen Tausende deutsche Urlauber in den Golfstaaten und angrenzenden Ländern fest. Die Bundesregierung steht vor einer logistischen Herausforderung enormen Ausmaßes – und Außenminister Johann Wadephul (CDU) bemüht sich, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.
Lufträume dicht, Optionen begrenzt
Die Lage ist dramatisch. Teils ständiger Beschuss und die daraus resultierende Schließung der Lufträume in den meisten Staaten der Region machen einen regulären Lufttransport schlicht unmöglich. „Die Sicherheit unserer Staatsangehörigen hat für uns erste Priorität", erklärte Wadephul am Montag in Berlin. Man tue alles, was in der jetzigen Situation möglich sei, und eruiere weitere Optionen. Schöne Worte – doch was bedeuten sie konkret für die gestrandeten Deutschen?
Immerhin: Der Außenminister kündigte eine enge Koordination mit der Reiseindustrie an. Er stehe im Gespräch mit der Lufthansa, dem Touristikkonzern Tui und dem Deutschen Reiseverband. Ziel sei es, Deutschen bei der Heimreise zu helfen. Ob das angesichts der eskalierenden Sicherheitslage schnell genug gelingen kann, bleibt allerdings fraglich.
Krisenteams werden entsandt
Wadephul hat die Entsendung von Krisenunterstützungsteams des Auswärtigen Amts nach Maskat, Doha und Dubai angeordnet. Weitere Teams sollen die Lage an den Grenzübergängen erkunden – konkret geht es um Übergangsmöglichkeiten zwischen den betroffenen Ländern in Richtung Oman und Saudi-Arabien, deren Lufträume noch geöffnet seien. Von dort aus könnte also noch geflogen werden.
Für besonders vulnerable Gruppen – Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen, Kranke – wolle man so schnell wie möglich Maschinen der Luftfahrtindustrie nach Riad und Maskat schicken. Die Lufthansa verfüge grundsätzlich über Kapazitäten, die Voraussetzungen müssten jedoch im Einzelfall geprüft werden.
Eine Eskalation mit Ansage
Man muss sich die Frage stellen, ob diese Krise nicht vorhersehbar war. Die Spannungen im Nahen Osten haben sich seit Monaten zugespitzt. Die israelischen Großangriffe auf iranische Atomanlagen und die iranische Vergeltung mit Raketen auf Israel – all das kam nicht über Nacht. Und dennoch befanden sich offenbar zahlreiche Deutsche in einer Region, die längst als Pulverfass galt. Wo waren die rechtzeitigen Reisewarnungen? Wo die präventiven Maßnahmen?
Es ist ein Muster, das sich in der deutschen Politik immer wieder zeigt: Man reagiert, statt zu agieren. Man verwaltet Krisen, statt sie zu antizipieren. Dass Wadephul nun persönlich die Koordination übernimmt, ist löblich – aber es offenbart auch, wie dünn die Personaldecke im diplomatischen Krisenmanagement offenbar ist.
Die Lehren aus vergangenen Evakuierungen
Deutschland hat in den vergangenen Jahren mehrfach Erfahrungen mit Evakuierungsoperationen sammeln müssen – man denke nur an das Desaster in Afghanistan 2021, als die Bundesregierung viel zu spät reagierte und Menschen in Lebensgefahr zurückließ. Diesmal scheint man zumindest schneller zu handeln. Ob es schnell genug ist, werden die kommenden Tage zeigen.
Die Bürger dieses Landes haben ein Recht darauf, dass ihr Staat sie im Ernstfall nicht im Stich lässt. Wadephuls Worte klingen entschlossen. Jetzt müssen Taten folgen – und zwar rasch. Denn jede Stunde, die deutsche Familien in einer Kriegsregion festsitzen, ist eine Stunde zu viel.
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