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Kotau vor Peking: Mbappé lacht über Mao – und muss zu Kreuze kriechen

Kotau vor Peking: Mbappé lacht über Mao – und muss zu Kreuze kriechen
Symbolbild: KI-generiert

Ein Lacher über ein Internet-Meme kostet Kylian Mbappé drei chinesische Werbepartner. Nach einem Scherz über eine Fotomontage mit Mao Zedong haben sich der Superstar, Real Madrid und die spanische La Liga beim „chinesischen Volk“ entschuldigt. Pekings Staatsmedien hatten zuvor die Übertragung spanischer Ligaspiele gestoppt.

Ein Meme, ein Grinsen – und Peking schäumt

Losgetreten wurde der Sturm von einem kurzen Clip aus dem französischen Gesprächsformat The Bridge, der am Montag im Netz kursierte. Mbappé wird darin gefragt, welches Meme über ihn ihn am meisten zum Lachen gebracht habe. Seine Antwort: eine Montage mit seinem Gesicht auf dem Körper „irgendeines Typen – ich glaube, eines chinesischen Diktators“.

Er nutze das Bild oft, wenn er mit Freunden online spiele, erzählte der 27-Jährige. Eingeblendet wurde eine Montage, die Mbappés Kopf auf einem Bild von Mao zeigt. Solche Bilder kursieren seit Jahren. Sie spielen auf den enormen Einfluss an, den der Stürmer spätestens seit seiner Vertragsverlängerung bei Paris Saint-Germain 2022 auf seine Klubs haben soll.

Harmloser geht es kaum. Doch in Peking verstand man keinen Spaß.

Sponsoren springen ab, das Staatsfernsehen schaltet ab

Am Dienstag beendeten der Getränkehersteller Dongpeng, der Molkereikonzern Mengniu und der Käseproduzent Milkground nach Agenturberichten ihre Zusammenarbeit mit Mbappé – mit sofortiger Wirkung. Man verfolge eine „Null-Toleranz-Politik gegenüber jedem Verhalten, das nationale Gefühle beleidigt“, ließ Dongpeng wissen. Auf dessen Flaschen prangte bislang das Gesicht des Franzosen.

Der staatliche Medienkonzern China Media Group setzte die La-Liga-Übertragungen aus und entfernte Werbung mit dem Spieler. Entschuldigungen von Spieler, Klub und Liga seien Voraussetzung für weitere Gespräche, hieß es. Chinas Fußballverband verlangte eine formelle Entschuldigung. Selbst das Außenministerium in Peking meldete sich zu Wort: Worte und Taten, welche die Gefühle des chinesischen Volkes verletzten, stießen auf einhellige Ablehnung.

Wer war Mao eigentlich?

Mao Zedong herrschte von 1949 bis zu seinem Tod 1976 über die Volksrepublik und wird dort bis heute offiziell verehrt. Seine Kampagne des „Großen Sprungs nach vorn“ löste eine Hungersnot aus, in der Millionen Menschen starben. Ausgerechnet ein Witz über diesen Mann gilt nun als Majestätsbeleidigung eines ganzen Volkes.

Der große Kotau: Alle entschuldigen sich

Am schnellsten knickte die Liga ein. Präsident Javier Tebas entschuldigte sich im Namen aller Vereine – noch bevor Mbappé selbst etwas sagte. Er habe großen Respekt vor China, seinen Institutionen und seiner Bevölkerung, erklärte Tebas. Nach eigenen Angaben traf er zudem den chinesischen Botschafter in Spanien.

Mbappé folgte auf X, in drei Sprachen, darunter Chinesisch:

„Meine Äußerung war unüberlegt.“

Er habe Menschen in China und chinesische Gemeinschaften weltweit verletzt, das sei nicht seine Absicht gewesen, schrieb der Stürmer. Am Mittwoch zog Real Madrid nach. Peking erklärte, man nehme die Entschuldigung ernst. Medienberichten zufolge bleibt der TV-Boykott aber vorerst bestehen.

Wenn Geld lauter spricht als Meinungsfreiheit

Warum diese Unterwürfigkeit? Die Antwort hat viele Nullen. Erst im August schloss La Liga mit der Plattform Migu einen Vertrag über die digitale Übertragung aller 380 Saisonspiele bis 2030. Tebas nennt China einen „strategischen Partner“. Als Konsequenz kündigte die Liga nun ein „Sensibilisierungs- und Kommunikationsprotokoll“ für Vereine und Spieler an.

Übersetzt heißt das: Wer in Spanien kickt, soll künftig vorab lernen, worüber Peking nicht lachen will. Das Muster ist bekannt. 2019 verbannte das chinesische Staatsfernsehen die NBA, nachdem ein Teammanager Sympathie für die Proteste in Hongkong geäußert hatte. Der Wrestler und Schauspieler John Cena entschuldigte sich 2021 unterwürfig auf Chinesisch, nachdem er Taiwan als Land bezeichnet hatte.

Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Lehrstück. Ein autoritärer Staat setzt seine Tabus mit wirtschaftlichem Druck bis nach Madrid durch, und der westliche Profisport nimmt Haltung an. Zurück bleibt eine unbequeme Frage: Was ist die Freiheit des Wortes noch wert, wenn sie zum Preis eines Fernsehvertrags zu haben ist?

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