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Kettner Edelmetalle
19.08.2026
05:53 Uhr
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Klinik ohne Klimaanlage: Nur 41 Prozent können Zimmer kühlen

Klinik ohne Klimaanlage: Nur 41 Prozent können Zimmer kühlen
Symbolbild: KI-generiert

Deutschlands Krankenhäuser sind gegen Hitze so gut gerüstet wie ein Zelt gegen Frost. Nach einer Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), über die die Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" berichten, lassen sich nur in 41 Prozent der Kliniken Patientenzimmer überhaupt aktiv kühlen. An der bundesweiten Umfrage beteiligten sich 458 Einrichtungen.

Die Zahlen hinter dem Prozentwert sind noch ernüchternder

Fast sechs von zehn Häusern haben demnach schlicht keine technische Möglichkeit, Zimmer herunterzukühlen. Und selbst dort, wo Kühltechnik existiert, ist sie die Ausnahme: Im Mittel sind nur rund 24 Prozent der Zimmer klimatisiert – Intensivbereiche ausgenommen.

Die Hälfte dieser Kliniken kommt sogar auf höchstens elf Prozent gekühlte Zimmer, das untere Viertel auf maximal fünf Prozent. Psychiatrien schneiden dem Bericht zufolge noch schlechter ab als Allgemeinkrankenhäuser.

"Niemand käme auf die Idee, ein Krankenhaus ohne Heizung zu bauen"

DKG-Chef Gerald Gaß nannte den Befund alarmierend. Dem RND sagte er:

"Es wird Zeit, dass Patientinnen und Patienten sowie die Beschäftigten in den Kliniken vor Hitze genauso geschützt werden wie vor Kälte."

Niemand würde ein Krankenhaus ohne Heizung planen – fehlende Kühltechnik aber sei nach wie vor der Normalfall, so Gaß sinngemäß. Es sei beschämend, dass es erst Tausende Hitzetote brauche, bis in der Debatte um Hitzeschutz in Kliniken und Pflegeheimen überhaupt etwas passiere.

97 Prozent scheitern am Geld – und an der Bürokratie

Das Haupthindernis ist banal: 97 Prozent der befragten Häuser gaben an, finanzielle Gründe verhinderten eine Nachrüstung. Hinzu kommen laut Umfrage hoher bürokratischer Aufwand und starre Förderregeln, die viele Häuser von vornherein abschrecken.

Gaß macht dafür die aus seiner Sicht unzureichende Investitionskostenfinanzierung der Bundesländer verantwortlich. Diese seien gesetzlich zur Finanzierung verpflichtet, deckten die Kosten aber nur zu rund 60 Prozent. Die Kliniken könnten Kühltechnik und andere Investitionen nicht allein stemmen.

Wie groß die Lücke ist, zeigen Zahlen der DKG selbst: Der bestandserhaltende Investitionsbedarf der Krankenhäuser wurde im Juli 2026 mit rund sieben Milliarden Euro beziffert – 2024 stellten die Länder nach Verbandsangaben nur etwa 4,24 Milliarden Euro nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz bereit.

12.500 Hitzetote – ein trauriger Rekord

Der Druck kommt nicht von ungefähr. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts starben in diesem Sommer bereits rund 12.500 Menschen in Deutschland hitzebedingt, mit einer Schwankungsbreite von 11.200 bis 13.600 Fällen. Damit übertrifft 2026 die bisherigen Höchstwerte von 1994 und 2003 mit jeweils rund 10.200 Fällen deutlich; neue Zahlen wurden für Donnerstag erwartet.

Betroffen sind fast ausschließlich Ältere: Rund 90 Prozent der Fälle entfallen laut RKI auf Menschen über 65, etwa die Hälfte auf über 85-Jährige. Allein auf die extrem heiße zweite Junihälfte gehen demnach rund 9.600 Sterbefälle zurück.

Milliarden für Klimaziele – aber kein Geld für kühle Zimmer?

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Befund ein Grundproblem deutscher Politik: Während Bund und Länder ein 500-Milliarden-Sondervermögen auflegen und Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankern, fehlt in Kliniken das Geld für simple Kühltechnik.

Wer über Jahrzehnte Grundlegendes verschleppt, darf sich über solche Zahlen nicht wundern. Gaß' Ziel klingt bescheiden – und ist doch ein Armutszeugnis: dass es im nächsten Sommer "spürbar besser" werde.

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