
Klingbeils Sekt-Steuer: Jetzt wackelt sogar der alkoholfreie Sekt!

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will zum 1. Januar 2027 die Alkohol- und die Schaumweinsteuer um jeweils 20 Prozent erhöhen. Der Bundesverband Wein, Sekt und Spirituosen (BWS) schlägt deshalb Alarm. Treffen könnte es ausgerechnet ein Segment, in dem Deutschland international vorne liegt: den alkoholfreien Sekt.
Die Rechnung des Ministeriums klingt simpel. Jährlich 455 Millionen Euro mehr sollen in die Staatskasse fließen, rund 65 Millionen Euro davon aus der Sektsteuer. Aber geht diese Rechnung wirklich auf?
Branche warnt vor „dramatischer“ Lage
Verbandschef Alexander Tacer findet gegenüber dem Gesundheits-Newsletter des Magazins „Politico“ klare Worte. Die höhere Steuer auf Spirituosen sei ein „schmerzhafter Kompromiss“. Beim Schaumwein sehe die Lage aber noch „dramatischer“ aus, denn die Mehrbelastung komme für die Branche zur Unzeit.
Tacer erklärt das so: Sinken die Umsätze, müssten die Sekthersteller sparen, und zwar zuerst bei Investitionen in Zukunftsprodukte. Der alkoholfreie Sekt, bei dem Deutschland aktuell noch eine „Vorreiterrolle“ habe, könnte darunter besonders leiden. Mit dem Geld aus dem klassischen Sekt bauen die Kellereien also auch das alkoholfreie Geschäft auf. Eine Steuer, die angeblich auch der Gesundheit dienen soll, würde damit ausgerechnet die gesündere Alternative bremsen. Mehr Ironie geht kaum.
Die Zahlen hinter dem Korkenknall
Der Verband hat die Folgen durchgerechnet:
- Minus 12 Prozent Absatz beim Schaumwein im Jahr 2027. Sieben Prozentpunkte davon gingen auf die Steuer zurück, fünf auf den ohnehin erwarteten Rückgang.
- Plus 5 Prozent bei den Verbraucherpreisen.
- Minus 93 Millionen Euro Umsatz in einem Markt, der laut Verband ein Volumen von rund 800 Millionen Euro hat.
Wenn die Zahlen stimmen, wäre das ein schlechtes Geschäft. Der Staat nimmt 65 Millionen Euro mehr ein, und der Branche brechen 93 Millionen Euro weg. Am härtesten träfe es nach Einschätzung des Verbands die kleinen Betriebe, also familiengeführte Kellereien und Winzer. Viele von ihnen kämpfen schon heute mit Bürokratie, hohen Energiekosten und einer schwachen Nachfrage.
Eine Steuer mit kaiserlicher Vergangenheit
Eingeführt wurde die Schaumweinsteuer im Jahr 1902, um die kaiserliche Kriegsflotte zu bezahlen. Die Flotte ist längst Geschichte, die Steuer gibt es bis heute. Sie zeigt gut, wie eine Abgabe ihren eigentlichen Zweck überleben kann.
Bei Spirituosen soll der Steuersatz laut Medienberichten von 13,03 auf 15,64 Euro je Liter Reinalkohol steigen. Eine 0,7-Liter-Flasche Wodka würde dadurch knapp 90 Cent teurer. Für Bier ändert sich nichts, und auf Wein gibt es in Deutschland weiterhin keine eigene Steuer.
Suchtforscher: Kein großer Wurf
Auch aus der Wissenschaft kommt wenig Beifall. Jakob Manthey, Suchtforscher an der Universität Hamburg, begrüßt die Pläne zwar grundsätzlich. Es sei die erste Erhöhung seit 30 Jahren. Für die Gesundheit werde sie aber „kein großer Wurf“.
„Die neuen Steuern bedeuten vielleicht ein paar Cent Preiserhöhung.“
Betroffen seien nur etwa 30 Prozent des Gesamtmarkts, so Manthey. Wer viel und regelmäßig trinkt, werde voraussichtlich einfach zu Bier oder Wein greifen. Wer nur gelegentlich Alkohol kauft, werde sich wegen ein paar Cent kaum anders verhalten. Eine echte Lenkungswirkung gebe es also kaum. Übrig bleibt im Kern eine Einnahmequelle für den Haushalt.
Streit in der Koalition
Politisch ist die Sache noch nicht entschieden. Die Union hat sich gegen die Erhöhung der Sektsteuer ausgesprochen und will sie Medienberichten zufolge im Parlament stoppen. Auch die Mittelstandsunion kritisiert die Pläne. Für viele Bürger passt das in ein bekanntes Muster: Die schwarz-rote Regierung nimmt über das Sondervermögen Schulden in Rekordhöhe auf und sucht gleichzeitig bei den Steuerzahlern nach jedem zusätzlichen Euro.
Ob mit oder ohne Alkohol: Die Rechnung landet am Ende bei den Bürgern. Und die Steuer, die einst Kriegsschiffe finanzierte, soll nun Löcher in einem Haushalt stopfen, in dem das Geld trotz aller Schulden nicht reicht.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt unsere eigene Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Er ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.
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