
Kindesmissbrauch an deutschen Schulen: Das Schweigen muss endlich enden

Es ist eine dieser Nachrichten, die einem den Atem stocken lassen. Während die politische Klasse in Berlin über Gendersternchen und Klimaneutralität bis 2045 debattiert, geschieht hinter den Mauern unserer Schulen offenbar Unaussprechliches – und niemand will hinsehen. Die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Kindesmissbrauch, Kerstin Claus, hat nun den Finger in eine Wunde gelegt, die viel zu lange ignoriert wurde.
Ein Schutzalter, das den Namen nicht verdient
Claus fordert eine grundlegende Verschärfung der Gesetze zum Schutz von Jugendlichen. Das derzeit geltende Schutzalter von 14 Jahren für sexuelle Kontakte mit Erwachsenen sei, so erklärte sie dem Tagesspiegel, schlicht zu niedrig. Man möge sich diese Zahl einmal auf der Zunge zergehen lassen: Vierzehn Jahre. Ein Alter, in dem Kinder gerade die Grundschule hinter sich gelassen haben und noch mitten in der Entwicklung stecken.
Den Vorstoß von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD), das Prinzip "Nur Ja heißt Ja" auch für Minderjährige zu verankern, begrüßte Claus grundsätzlich. Doch sie ließ keinen Zweifel daran, dass dies allein nicht genüge:
"Das ist ein erster Schritt. Doch er allein reicht nicht, wenn es darum geht, Jugendliche künftig besser zu schützen."
Schulen als Orte des Wegschauens
Besonders erschütternd ist die Feststellung, dass deutsche Schulen auf Fälle sexualisierter Gewalt durch Lehrkräfte regelrecht unvorbereitet seien. Es fehle bundesweit an Wissen über Täterstrategien und Missbrauchsmuster – und zwar nicht nur bei den Lehrern selbst, sondern sogar bei jener Schulaufsicht, die eigentlich die disziplinarische Prüfung solcher Vorwürfe zu verantworten habe. Wie konnte es so weit kommen, dass ausgerechnet die Verantwortlichen offenbar überfordert sind?
Claus fordert deshalb verpflichtende Schulungen in allen Bundesländern. Doch das eigentliche Problem sitzt tiefer: Es ist das Schweigen. Vorfälle würden, so kritisiert die Missbrauchsbeauftragte, selten aufgearbeitet, Betroffene fänden schlicht kein Gegenüber. Schulen meldeten Fälle kaum den zuständigen Unfallkassen – obwohl betroffene Kinder dort Anspruch auf Therapiekosten oder sogar Renten hätten. Claus nennt diesen Zustand unmissverständlich einen "Skandal". Recht hat sie.
Ein konkreter Fall rüttelt auf
Anlass für die deutliche Forderung ist eine Recherche des Tagesspiegels über den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch mehrerer Schülerinnen durch einen Berliner Lehrer. Zwischen 2016 und 2021 soll er sich an mehreren Mädchen vergangen haben – in einem Fall soll es gar zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Der Prozess läuft derzeit vor dem Berliner Landgericht, das Urteil wird am kommenden Freitag erwartet. Fünf Jahre lang konnte ein mutmaßlicher Täter ungehindert agieren. Fünf Jahre, in denen das System versagte.
Wenn der Staat seine Kinder nicht schützt
Für den Spätsommer kündigte Claus eine deutschlandweite Befragung von Neuntklässlern zu Gewalterfahrungen an. Es ist ein notwendiger Schritt – doch er offenbart zugleich das ganze Ausmaß des Versagens. Während in diesem Land über jede ideologische Symbolpolitik endlos gestritten wird, bleibt der Schutz unserer Schwächsten auf der Strecke. Ein Staat, der seine Kinder nicht zu schützen vermag, hat seine elementarste Aufgabe verfehlt.
Es ist nicht allein die Meinung unserer Redaktion, sondern die Überzeugung eines Großteils der deutschen Bevölkerung: Der Schutz von Kindern und Jugendlichen muss endlich oberste Priorität bekommen. Was es braucht, ist nicht das nächste Diversitätsseminar, sondern entschlossenes Handeln, klare Gesetze und ein Ende der Kultur des Wegschauens. Familie, Kinder und ihr Schutz gehören ins Zentrum jeder vernünftigen Politik – und nicht an den Rand.
Bleibt zu hoffen, dass die Worte der Missbrauchsbeauftragten in Berlin nicht ungehört verhallen. Denn jeder Tag des Zögerns ist ein Tag zu viel.
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