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30.07.2026
16:56 Uhr

Kiews neuer Armeechef setzt auf Fernschläge – während die Front bröckelt und Europa die Rechnung bezahlt

Kiews neuer Armeechef setzt auf Fernschläge – während die Front bröckelt und Europa die Rechnung bezahlt

Ein neuer Name an der Spitze, eine neue Strategie in der Schublade – und die alte Illusion, dass sich der Krieg in der Ukraine mit dem Austausch von Generälen gewinnen lasse. Mychajlo Drapatyj, seit etwas mehr als einer Woche Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, hat verkündet, was er künftig zur Priorität erheben wolle: Angriffe mittlerer und großer Reichweite auf Ziele tief im russischen Hinterland. Verkündet wurde dies nicht in einer Pressekonferenz, sondern über einen Messenger-Kanal – ein Detail, das mehr über den Zustand der ukrainischen Kommunikationsarchitektur verrät als jedes Kommuniqué.

Ein Telefonat mit der Nato, dann die Ankündigung

Bemerkenswert ist der zeitliche Ablauf. Erst sprach Drapatyj mit dem Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, General Alexus Grynkewich. Danach folgte die Ankündigung der verstärkten Tiefschläge. Wer nun glaubt, dies sei reiner Zufall, glaubt vermutlich auch, dass die Ukraine ihre Marschflugkörper und Langstreckendrohnen in Hinterhofwerkstätten zusammenschraubt, ohne dass westliche Satellitendaten, Aufklärung und Zielkoordinaten dabei irgendeine Rolle spielten.

Drapatyj erklärte, die Ukraine müsse ihre technologischen Fähigkeiten und asymmetrischen Methoden gezielt einsetzen, um das militärische und wirtschaftliche Potenzial Russlands zu schwächen. Gleichzeitig gelte es, kleinere russische Infanteriegruppen abzuwehren, die an mehreren Frontabschnitten in die ukrainischen Verteidigungslinien einzudringen versuchten. Man beachte die Reihenfolge der Prioritäten – und was sie über die Lage an der Front aussagt.

Wenn das Geld fehlt, wird die Not zur Doktrin erklärt

Verteidigungsminister Jewhenij Chmara hatte den Kurs bereits zuvor umschrieben: Man könne den russischen Streitkräften mit gleichwertigen Mitteln nicht begegnen, die Ressourcen seien begrenzt. Stattdessen wolle man mit vergleichsweise günstigen Schlägen gegen Ölraffinerien und andere strategisch relevante Infrastruktur maximalen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Wer aus Materialnot eine Strategie macht, hat den Krieg an der Front bereits verloren – er kämpft nur noch um die Schlagzeile.

Das ist die ehrlichste Passage der ganzen Angelegenheit. Denn hinter dem Begriff der „asymmetrischen Kriegsführung“ verbirgt sich nichts anderes als das Eingeständnis: Für den konventionellen Abnutzungskrieg reicht es nicht mehr. Nicht an Munition, nicht an Männern, nicht an Geld. Und weil es nicht reicht, verlagert man den Krieg dorthin, wo er billiger zu führen ist – in die Weiten des russischen Hinterlands, wo jede getroffene Raffinerie ein Bild und jede Rauchsäule eine Erfolgsmeldung liefert.

Kostjantyniwka – dort, wo über den Krieg tatsächlich entschieden wird

Während Kiew über Reichweiten redet, marschieren russische Verbände nach Angaben des ukrainischen Analyseprojekts Deepstate im Raum Kostjantyniwka im Donbass weiter vor. Kleinere Infanteriegruppen sollen versuchen, in die massiv beschossene Stadt einzudringen. Kostjantyniwka gilt als Schlüssel zum ukrainischen Verteidigungszentrum um Kramatorsk und Slowjansk – jenem Bollwerk also, das seit 2014 den Kern der ukrainischen Donbass-Verteidigung bildet.

Man muss keine Generalstabsausbildung besitzen, um zu erkennen, dass hier zwei völlig verschiedene Kriege stattfinden: der eine in den Ruinen des Donbass, der andere in der Öffentlichkeitsarbeit. Und die europäischen Regierungen, allen voran die deutsche, haben sich mit bemerkenswerter Konsequenz für die Berichterstattung über den zweiten entschieden.

Die deutsche Rechnung läuft weiter

Hier beginnt der Teil, der den deutschen Steuerzahler unmittelbar betrifft. Berlin liefert, finanziert, verlängert – und diskutiert über nahezu alles, nur nicht über das Ende. Während die Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgelegt und die Verschuldungsschleusen weiter geöffnet hat, obwohl vor der Wahl das Gegenteil versprochen wurde, wird die deutsche Beteiligung an diesem Krieg als moralische Selbstverständlichkeit behandelt. Kritische Fragen? Gelten als unfein.

Doch die Fragen bleiben. Wer bezahlt die immer teureren Waffensysteme? Wer trägt die Inflation, die aus schuldenfinanzierten Rüstungsprogrammen zwangsläufig entsteht? Und wer haftet, wenn die Eskalationsspirale eines Tages weiter dreht, als es sich die Strategen in Brüssel und Berlin in ihren Planspielen ausgemalt haben? Die Antwort lautet in allen drei Fällen gleich: der Bürger. Er zahlt an der Zapfsäule, an der Kasse, auf dem Lohnzettel – und mit der schleichenden Entwertung seiner Ersparnisse.

Krieg ist der Vater der Geldentwertung

Die Geschichte lehrt eine unbequeme Lektion: Kriege wurden noch nie aus Überschüssen finanziert, sondern stets über Schulden und die Notenpresse. Von den Kriegsanleihen des Kaiserreichs bis zu den Notenbankbilanzen der Gegenwart – am Ende trug immer der Sparer die Last. Wer 1914 dem Staat sein Geld lieh, hielt 1923 Altpapier in den Händen. Wer damals hingegen Gold besaß, besaß es auch danach noch.

Genau deshalb blicken viele Anleger in Zeiten geopolitischer Zuspitzung wieder auf das, was sich nicht per Beschluss vervielfachen lässt. Physisches Gold und Silber kennen keine Ausfallwahrscheinlichkeit, keinen Emittenten, keine politische Umwidmung. Sie sind, was sie sind – und das seit Jahrtausenden. Während Staatspapiere von der Zahlungsfähigkeit von Regierungen abhängen, die gerade Rekordschulden auftürmen, liegt ein Edelmetallbestand außerhalb dieses Systems. Ein solider Sachwertanteil im Portfolio ist in solchen Zeiten weniger Spekulation als Selbstverteidigung.

Was bleibt

Ein neuer Oberbefehlshaber, eine neue Doktrin, dieselbe Ausgangslage. Der Krieg marschiert auf sein fünftes Jahr zu, die Fronten verhärten sich, die Zerstörung wächst – und von echter diplomatischer Bewegung ist weit und breit nichts zu sehen. Es wäre die Aufgabe europäischer Staatskunst, endlich Wege aus dieser Sackgasse zu suchen, statt jede Eskalationsstufe als Fortschritt zu feiern. Dass diese Erwartung inzwischen als naiv gilt, sagt weniger über die Erwartung als über den Zustand unserer politischen Klasse. Und der überwiegende Teil der Bevölkerung, das zeigen Umfragen seit Jahren, sieht das durchaus ähnlich – man hört ihm nur nicht zu.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die enthaltenen Einschätzungen spiegeln die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung – insbesondere in Edelmetalle, Wertpapiere oder andere Vermögenswerte – erfolgt eigenverantwortlich und sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche beruhen. Kurs- und Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragestellungen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Rechts- oder Steuerberater.

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