
Kickls Kehrtwende: FPÖ reicht Israel die Hand – und rechts tobt es!

FPÖ-Chef Herbert Kickl hat am 16. September 2026 im EU-Parlament in Straßburg eine engere Partnerschaft mit Benjamin Netanjahus Regierungspartei Likud verkündet. Er bekannte sich zur Verantwortung Österreichs für die Shoah und sagte dem Islamismus den Kampf an. Aus Jerusalem kam Beifall. Vom rechten Rand dagegen kam ein Sturm der Entrüstung.
Ein Auftritt mit Signalwirkung
Der Ort war mit Bedacht gewählt. Auf Initiative des FPÖ-Delegationsleiters Harald Vilimsky lud die EU-Fraktion „Patrioten für Europa“ zur Konferenz „Islamismus und Antisemitismus: Bedrohungen für Europas Freiheit“. Mehrere Likud-Politiker saßen mit auf dem Podium.
Kickl zufolge sei der Likud inzwischen „vom Beobachter zum Partner“ im gemeinsamen Parteienbündnis geworden. Laut ORF sagte er außerdem:
„Die Bekämpfung des Antisemitismus, der Kampf gegen Antizionismus wird Teil des Programms einer Bundesregierung sein, die ich anführen möchte.“
Medienberichten zufolge kündigte er zudem an, die österreichische Botschaft nach Jerusalem verlegen zu wollen, sollte er nach der nächsten Wahl regieren. Das ist keine leere Drohung: In Umfragen liegt die FPÖ Berichten zufolge bei 36 bis 39 Prozent, weit vor der ÖVP.
Vom Deutschnationalismus zum Schulterschluss
Wie groß dieser Schritt ist, zeigt ein Blick zurück. Gegründet wurde die FPÖ 1956, in den Anfangsjahren prägten ehemalige Nationalsozialisten die Partei. Sie verstand sich lange als deutschnational, nicht als österreichisch-patriotisch. Noch 1988 nannte Jörg Haider die österreichische Nation eine „ideologische Missgeburt“.
Das Verhältnis zu Israel war entsprechend frostig. Als die FPÖ im Jahr 2000 unter Kanzler Wolfgang Schüssel mit der ÖVP koalierte, zog Israel aus Protest seinen Botschafter aus Wien ab. Erst 2010 taute das Eis etwas, als Heinz-Christian Strache mit anderen europäischen Rechtspolitikern nach Israel reiste. Direkte Regierungskontakte lehnte Jerusalem aber noch bis 2017 ab.
Einen echten Meilenstein brachte der Februar 2025: Damals trat der Likud den „Patrioten für Europa“ als Beobachter bei. Straßburg ist die logische Fortsetzung.
Lob aus Jerusalem, Skepsis in Wien
Israels Außenminister Gideon Saar nannte die Rede „bedeutend“. Er lobte laut ORF Kickls Bekenntnis zum Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels sowie dessen Verurteilung des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023.
Die Israelitische Kultusgemeinde Wien bleibt dagegen auf Distanz. Glaubwürdigkeit messe sich nicht an Inszenierungen in Straßburg, sondern am Verhalten in Wien, sagte ihr Generalsekretär Benjamin Nägele. Für zusätzlichen Ärger sorgte Vilimsky, der der Wiener Gemeindeführung Berichten zufolge eine zu große Nähe zu den Sozialisten vorwarf.
Wenn Rechtsaußen wie die Linke klingt
Den heftigsten Gegenwind bekommt Kickl aber aus dem eigenen Lager. Autoren aus dem Umfeld der Identitären Bewegung sprechen Medienberichten zufolge von „kompletter Unterwerfung“ und „Schuldkult“. Einige sehen in der Partnerschaft sogar eine Art zionistische Fremdherrschaft.
Beobachter fällt dabei eine pikante Parallele auf. Die Argumente ähneln verblüffend denen der postkolonialen Linken: Israels Krieg gegen eine Terrororganisation wird als Völkermord gedeutet, die Anerkennung der NS-Verbrechen als nationale Selbstaufgabe. Manche machen Israel sogar für die Massenmigration nach Europa verantwortlich. Belege dafür gibt es keine.
Ausgerechnet wer sich möglichst weit rechts sieht, landet hier argumentativ im Lager der Linken. Man könnte darüber schmunzeln, wenn es nicht so ernst wäre.
Ein Weckruf auch für Berlin?
Aus Sicht unserer Redaktion ist die Frage nach „Zionismus“ als Schimpfwort ein verlässlicher Lackmustest. Sie zeigt, ob eine rechte Partei mehrheitsfähig werden will oder sich lieber in alten Ressentiments einrichtet. Kickl hat sich für den ersten Weg entschieden, gegen Widerstände aus dem eigenen Vorfeld.
Ob den Worten Taten folgen, muss sich erst zeigen, und genau daran wird die FPÖ gemessen werden. Klar ist aber schon jetzt: Die Partei wirft historischen Ballast ab, und das dürfte auch in Deutschland genau beobachtet werden.
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