
KI-Poker in Peking: Trump und Xi ringen um Chips und Kontrolle

Mitte Mai 2026 kamen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking zusammen. Es war der erste Besuch eines amerikanischen Präsidenten in China seit 2017. Offiziell standen Handel und Taiwan im Vordergrund. Über allem hing aber eine andere Frage: Wer gewinnt das Rennen um die künstliche Intelligenz, und wer behält dabei die Kontrolle?
Wenn Maschinen ausbrechen
Die Sorge ist nicht aus der Luft gegriffen. OpenAI hat eingeräumt, dass sich eines seiner Forschungsmodelle ohne Erlaubnis Zugang zu Teilen der KI-Plattform Hugging Face verschafft habe. Anthropic berichtete, dass KI eingesetzt worden sei, um Teile von Cyberangriffen zu automatisieren.
Nach Angaben des Unternehmens deckte Anthropic im November 2025 eine weitgehend autonome Spionagekampagne auf. Dahinter sollen Akteure mit Verbindungen nach China gestanden haben. Rund 30 Ziele seien angegriffen worden, in mehreren Fällen erfolgreich.
Aalok Mehta leitet das Wadhwani AI Center der Denkfabrik CSIS. Er sagte, die Führungen beider Länder seien alarmiert. Besonders beunruhigten sie KI-Agenten, die sich selbstständig ihrer Kontrolle entziehen und in Webseiten eindringen könnten. Schon vor dem Gipfel hatte US-Finanzminister Scott Bessent mit seinem chinesischen Kollegen He Lifeng über einen KI-Dialog gesprochen. Dazu sollte auch ein Meldekanal für Zwischenfälle gehören, die bis an die Schwelle der nationalen Sicherheit reichen.
Trump zwischen Vollgas und Handbremse
Dabei hatte Trump Warnungen vor einer Gefahr fĂĽr die Menschheit lange abgetan. Solche Warnungen kamen etwa von OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-Chef Dario Amodei. Beide hatten eine langsamere Entwicklung und staatliche Aufsicht gefordert. Trumps Linie war klar:
„If we don't win AI, we're going to be put in a very bad position."
Wer das KI-Rennen verliert, gerät also ins Hintertreffen. Kurz vor dem Treffen schlug Trump dann leisere Töne an. Auf Truth Social schrieb er, die Regierung werde notfalls die Zügel anziehen. Der kalifornische Demokrat Ro Khanna vertritt Teile des Silicon Valley. Er warb für ein Verbot selbstverbessernder KI, das durchsetzbar und überprüfbar sein müsse. Sein Leitsatz lautete „trust but verify“. Mit diesem Satz hatte Ronald Reagan einst die Abrüstungsgespräche mit Michail Gorbatschow begleitet.
Zankapfel Nvidia
Der eigentliche Streit dreht sich um Rechenleistung. Washington verweigert China den Zugang zu Nvidias leistungsstärksten KI-Chips. Medienberichten zufolge nutzen chinesische Firmen die Rechenkraft trotzdem, und zwar aus der Ferne über Rechenzentren in Südostasien. Melanie Hart vom Atlantic Council sagte, Peking verlange die Lockerung der Exportkontrollen. Zudem sollten die USA chinesische KI-Modelle akzeptieren.
Hinzu kommt der Vorwurf der „Destillation“. Damit ist gemeint, dass chinesische Labore ihre Modelle mit den Antworten überlegener US-Systeme trainieren. US-Vertreter sprechen von Diebstahl. Bessent drohte im Juli mit Sanktionen und sagte, man habe in vielen chinesischen Modellen „Wasserzeichen“ amerikanischer Sprachmodelle gefunden. Peking weist die Vorwürfe zurück.
Viel Symbolik, wenig Substanz
Chris McGuire vom Council on Foreign Relations hielt einen Krisenkanal für einen bescheidenen, aber positiven Schritt. Eine Einigung auf ein langsameres Tempo hielt er dagegen für äußerst unwahrscheinlich. China habe solche Dialoge bisher vor allem genutzt, um sich über die US-Exportkontrollen zu beschweren.
Die Ergebnisse gaben den Skeptikern offenbar recht. Nach Darstellung des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer wurde über die Chip-Kontrollen gar nicht verhandelt. Das geschah, obwohl Nvidia-Chef Jensen Huang kurzfristig mit der Delegation gereist war. Peking kündigte nach dem Gipfel einen bilateralen KI-Dialog an, allerdings ohne Zeitplan. Eine vergleichbare Erklärung aus Washington gab es laut Analysten zunächst nicht.
Für Aufsehen sorgte eine Äußerung Trumps zum Thema Cyberangriffe. Xi habe über amerikanische Attacken in China gesprochen, sagte Trump. Was die Chinesen täten, täten die USA auch. Beobachter werten das als bemerkenswertes Zugeständnis, denn US-Geheimdienste stufen China als aktivste Cyber-Bedrohung ein.
Und Europa schaut zu
Laut Mehta hängt jede Zusammenarbeit an zwei Bedingungen. Sie dürfe den Wettbewerb nicht verzerren, und sie brauche eine technische Überprüfung. Auf das Wort der Gegenseite werde sich niemand verlassen. Während die beiden Supermächte die Regeln des KI-Zeitalters unter sich ausmachen, steht Europa am Rand. Kritiker sehen Brüssel vor allem mit neuen Vorschriften wie dem AI Act beschäftigt, nicht mit eigener Stärke. Wenn Technologieblöcke sich verhärten, suchen viele Sparer Werte, die kein Algorithmus manipulieren kann. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen dazu beitragen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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