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28.04.2026
17:54 Uhr

Kerosin-Schock erschüttert Europas Luftfahrt: Ryanair-Chef prophezeit Pleitewelle im Herbst

Kerosin-Schock erschüttert Europas Luftfahrt: Ryanair-Chef prophezeit Pleitewelle im Herbst

Es brodelt gewaltig in den Cockpits Europas. Während Politiker in Brüssel und Berlin noch immer von der grünen Verkehrswende schwadronieren und Fliegen am liebsten zur Sünde erklären würden, schlägt ausgerechnet einer der bekanntesten Branchenköpfe Alarm: Ryanair-Chef Michael O'Leary sieht düstere Zeiten auf Europas Fluggesellschaften zukommen. Steigende Kerosinpreise, verursacht durch die geopolitische Eskalation im Nahen Osten, könnten schon im Oktober oder November dieses Jahres mehrere Airlines in die Insolvenz reißen.

Wenn der Tank zur Existenzfrage wird

Im Gespräch mit der italienischen Zeitung Il Sole 24 Ore zeigte sich der streitbare Ire wenig diplomatisch. Zwei oder drei europäische Airlines würden nach seiner Einschätzung bald die Segel streichen müssen, sollten die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau verharren. Namentlich nannte er Wizz Air und Air Baltic – ein Frontalangriff, wie er typisch ist für O'Leary, der seine Rivalen schon mehrfach mit beißendem Spott überzogen hat. Für sein eigenes Geschäft sieht er darin freilich keinen Nachteil: Weniger Konkurrenz bedeutet höhere Margen.

Der Hintergrund ist alarmierend. Der Preis für Flugtreibstoff ist innerhalb kürzester Zeit von 74 auf 150 Dollar pro Barrel explodiert. Allein im April hat Ryanair zusätzliche 50 Millionen Dollar für Kerosin aufwenden müssen. Europas Versorgung mit Flugtreibstoff sei durch den Konflikt mit dem Iran drastisch eingeschränkt, die Reserven würden gerade einmal noch sechs Wochen reichen. Schon ab Juni könnten erste Flugstreichungen folgen, sollte sich die Lage nicht entspannen.

Ryanair gut abgesichert – die Konkurrenz weniger

Während andere Airlines nun händeringend nach Lösungen suchen, sitzt Ryanair im trockenen Cockpit. Das Unternehmen hat 80 Prozent seines Treibstoffbedarfs bis März kommenden Jahres zu einem Festpreis von 67 Dollar pro Barrel abgesichert. Die restlichen 20 Prozent muss der Konzern zwar zu den aktuellen Mondpreisen am Markt einkaufen, doch insgesamt steht die irische Billigflug-Linie vergleichsweise solide da. Eine kluge Hedging-Strategie, die zeigt, was vorausschauendes Management bedeutet – während andere die Augen vor den geopolitischen Risiken verschlossen haben.

Wizz Air kontert energisch

Die ungarische Wizz Air ließ sich die Pleiteprognose nicht gefallen und wies O'Learys Einschätzung scharf zurück. Man verfüge über ausreichend Liquidität für mindestens 18 Monate, habe stabile Partnerschaften mit Leasinggebern und Herstellern und gehöre zu den am besten abgesicherten Unternehmen der Branche. O'Learys Insolvenzwarnung sei „kategorisch unwahr und falsch". Man darf gespannt sein, wer am Ende recht behält – die Realität an den Rohstoffmärkten ist gnadenlos.

Auch AirBaltic bestätigte, ihre Flugpläne anzupassen. Das lettische Parlament hat ein Notdarlehen über 30 Millionen Euro genehmigt, um die finanziellen Folgen der Nahost-Krise abzufedern. Die Rückzahlung muss bis Ende August erfolgen – ein sportlicher Zeitplan, der zeigt, wie angespannt die Lage tatsächlich ist.

Lufthansa streicht 20.000 Flüge – die Krise erreicht den Marktführer

Auch der deutsche Branchenprimus Lufthansa bleibt nicht verschont. 20.000 Flüge wurden für den Sommer gestrichen, immerhin rund zehn Prozent des gesamten Flugplans. Die Treibstoffkosten sind seit Jahresbeginn um 40 Prozent gestiegen. Was bedeutet das für die Passagiere? Höhere Preise, weniger Verbindungen, längere Wartezeiten. Genau jene Mittelschicht, die in Deutschland ohnehin schon unter Inflation, Energiepreisen und einer stetig wachsenden Steuerlast ächzt, wird nun auch noch beim Reisen zur Kasse gebeten.

Die geopolitische Realität schlägt zurück

Was sich hier abspielt, ist ein Lehrstück über die Verletzlichkeit moderner Volkswirtschaften. Während die deutsche Politik jahrelang ideologische Klimadebatten führte und sich in Verbotsfantasien gegen den Individualverkehr und das Fliegen erging, zeigt die harte Wirklichkeit, wie schnell ganze Branchen ins Wanken geraten können, wenn geopolitische Konflikte die Energieversorgung bedrohen. Die Straße von Hormus ist eben nicht nur eine geographische Fußnote, sondern eine Schlagader der Weltwirtschaft.

Der ehemalige EU-Energiekommissar Andris Piebalgs warf indes die Frage auf, ob Fluggesellschaften die Krise möglicherweise nutzen, um Preiserhöhungen zu rechtfertigen. Eine berechtigte Frage – aber auch eine, die den Kern des Problems verfehlt. Solange Europa energiepolitisch derart abhängig bleibt von instabilen Regionen, solange die heimische Energieerzeugung durch ideologische Fehlentscheidungen geschwächt wird, bleiben solche Schockwellen vorprogrammiert.

Was bedeutet das für den Anleger?

Die aktuelle Krise in der Luftfahrtbranche zeigt einmal mehr, wie schnell vermeintlich solide Geschäftsmodelle ins Trudeln geraten können, wenn externe Faktoren wie Energiepreise oder geopolitische Verwerfungen zuschlagen. Aktien zyklischer Branchen wie der Luftfahrt sind besonders anfällig für solche Schockwellen. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen will, sollte daher auf einen breit gestreuten Vermögensmix setzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Anker in unruhigen Zeiten bewährt – sie sind nicht abhängig von Kerosinpreisen, Flottengrößen oder den Launen geopolitischer Akteure und bilden eine sinnvolle Beimischung zu jedem ausgewogenen Portfolio.

Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Wir sprechen ausdrücklich keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere oder Finanzprodukte aus. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und gegebenenfalls qualifizierte Berater zu konsultieren. Für Anlageentscheidungen und deren Folgen übernimmt die Redaktion keine Haftung.

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